03.09.2013, 08:38 Uhr

Brennelemente in Jülich: Rücktransport in die USA wird teuer

Jülich/Hamburg – Die Entsorgung der radioaktiven Abfälle aus dem Forschungszentrum Jülich wird den Steuerzahler nach einem Medienbericht knapp eine halbe Milliarde Euro kosten. Eines Tages sollen die hochangereicherten Überreste der deutschen Atomforschung in ihr Herkunftsland zurückgebracht werden. Wie und wann, ist allerdings unklar.

Bis zu 300.000 Kugeln, gelagert in 152 Castor-Behältern: Das macht 450 Mio. Euro Porto, das für einen Transport der abgebrannten Brennelemente aus Jülich in die USA fällig wird, berichtet der „Spiegel“. In dem Helmholtz-Forschungszentrum wurde bis in von 1966 bis 1988 ein Hochtemperatur-Forschungsreaktor betrieben, dessen strahlendes Erbe noch einen Verwendungszweck sucht. Bekannt ist der Mini-Meiler vor allem wegen diverser Pannen. Vor zwei Jahren sorgten 2.285 Brennelemente-Kugeln für Schlagzeilen, die zeitweilig als vermisst galten.

Auch die Kugeln aus dem stillgelegten Hochtemperaturreaktor in Hamm, der basierend auf den Jülicher Forschungsergebnissen errichtet und betrieben wurde, suchen ein neues Zuhause – derzeit sind sie im Zwischenlager in Ahaus untergebracht. Die Technologie erreichte das Aus noch schneller als die Kernkraft in Deutschland an sich, allerdings aus primär betriebswirtschaftlichem Gründen. Die Hoffnung auf höhere Erträge erfüllte sich nicht, die Anlage war hochdefizitär. Zudem erwies sich die Technologie, bei der spezielle Kugeln anstelle von Brennstäben im Reaktordruckbehälter genutzt werden, als nicht verlässlich genug.

Export in die Vereinigten Staaten

Ursprünglich war vollkommen unklar, wie und wohin der Abfall entsorgt werden sollte – zumindest irgendwo in Deutschland sollte der Müll untergebracht werden. 2012 fiel auf, dass das hoch angereicherte Material, seinerzeit noch aus den USA geliefert worden war, bevor diese dem Export 1977 einen Riegel vorschoben. Aus den Vereinigten Staaten kamen vor über einem Jahr Signale, das Material zurücknehmen zu wollen – offenkundig aus Gründen der Nonproliferation. „Als bevorzugte Variante wird derzeit vom FZJ die Rückführung der Kernbrennstoffe in die USA geprüft“, schreibt das Bundesamt für Strahlenschutz auf seiner Website.

Die Summe von 450 Mio. Euro für diese Rückführaktion soll das US-Energieministerium dem Bundesforschungsministerium genannt haben. Fraglich ist, wie ein Transport ablaufen könnte. An dem Schiff als Transportmittel über den Atlantik führt allein aufgrund der schieren Menge kein Weg vorbei. Bis dahin bleiben die Kugeln in Jülich – zumindest bis Ende des Jahres. Dann läuft die Genehmigung für die Zwischenlagerung aus. Das Zentrum arbeitet „mit höchster Intensität“ daran, eine Verlängerung der Erlaubnis bis Juni 2016 zu erwirken, wie ein Sprecher dem „Spiegel“ sagte. Als Zwischenlösung ist eine Unterbringung im Zwischenlager Ahaus angedacht.

Reaktordruckbehälter bleibt in Jülich

Sollte der Transport in die USA in unbestimmter Zukunft stattfinden, ist ein anderes Problem in Jülich noch nicht gelöst: Der Rückbau des Kraftwerks gilt als sehr anspruchsvoll und kostenintensiv. Zudem muss der stark kontaminierte Reaktordruckbehälter, in dem noch 198 Brennelemente feststecken, in einem Stück entfernt und dann mehrere Jahrzehnte auf dem Gelände gelagert werden.


© IWR, 2013