29.01.2014, 11:50 Uhr

Spanien: Quo vadis Energiewende?

Madrid, Spanien – Wie gewinnt Spanien in Zukunft Energie? Im Laufe der Woche könnte entschieden werden, ob die bestehenden Atomkraftwerke eine Laufzeitverlängerung erhalten. Gleichzeitig ist der Zubau bei der Windenergie im Jahr 2013 auf den niedrigsten Wert seit 16 Jahren gesunken. Macht Spanien einen Rückzieher bei der Energiewende?

Die vermeintlich kostengünstige Alternative zum weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien soll in Spanien möglicherweise die Kernenergie sein. Die Atommeiler müssen nicht neu errichtet werden und produzieren bereits Strom.

Alte Atomkraftwerke: Werden Laufzeiten für spanische Atomkraftwerke trotzdem verlängert?

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet unter Berufung auf den Präsidenten des Nationalen Unternehmens für radioaktive Abfälle (Enresa), dass die spanische Regierung in Erwägung ziehe, die Laufzeiten für bestehende Atomkraftwerke zu verlängern. Statt wie bisher 40 Jahre, für die die Kernkraftwerke technisch eigentlich nur ausgelegt sind, sollen die Kraftwerke demnach bis zu 50 oder 60 Jahre am Netz bleiben. Doch eine solche Verlängerung der Laufzeiten ist nicht ohne Risiko. Üblicherweise sind die Anlagen für einen Betrieb über einem Zeitraum von etwa 40 Jahren ausgelegt. Mit steigendem Alter der Anlagen steigt grundsätzlich auch die Gefahr eines atomaren Vorfalls.

Die Zukunft der Atomkraft in Spanien galt seit längerer Zeit als ungewiss, doch da der Ausbau der Erneuerbaren mehr Aufwand bedeuten als die Laufzeitverlängerung der alten, abgeschriebenen Kernkraftwerke, wächst die Zustimmung der Regierung zu einer solchen Lösung. Das Thema könnte am Freitag bei einer Kabinettssitzung verhandelt werden.

Derzeit sind in Spanien sieben von acht Atomkraftreaktoren am Netz und produzieren Strom. Das älteste Atomkraftwerk, die Anlage Garona, wurde bereits 1971 in Betrieb genommen, hat also mittlerweile ein Betriebsalter von 42 Jahren erreicht. Die beiden jüngsten Kraftwerke haben ihren Betrieb 1988 aufgenommen. Im Schnitt weisen die spanischen Atomkraftwerke bereits ein Alter von rd. 30 Jahren auf, haben damit bereits einen Großteil der veranschlagten Betriebsalters hinter sich. Die Kraftwerke decken rund 20 Prozent des inländischen Strombedarfs. Der Stromverbrauch ist seit 2008 durch die angespannte Wirtschaftslage leicht rückläufig, im Jahr 2012 ist er um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Windkraft: Zubau im Jahr 2013, doch Ausbaurate rückläufig

Während die Atomkraft scheinbar Rückenwind bekommt, wird dieser beim Ausbau der Windenergie schmerzlich vermisst. Die „Asociación Empresarial Eólica“ (aee) hat am Dienstag bekannt gegeben, dass die Windenergie in Spanien im Jahr 2013 mit einem Zubau von 175 Megawatt (MW) das niedrigste Wachstum seit 16 Jahren aufweist. Im Vergleich zum Vorjahr legte die Windkraft-Leistung insgesamt nur um 0,8 Prozent zu. Die Gesamtkapazität in Spanien betrug am Stichtag 31. Dezember 2013 knapp 23.000 MW. Die Windenergie trägt in Spanien in Spitzenmonaten bis zu 20 Prozent zur Stromversorgung bei.

Spanien ist aufgrund seiner geographischen Lage vom EU-Stromnetz größtenteils abgetrennt und muss daher die Versorgung im eigenen Land weitgehend selbst sicherstellen. Für den grenzüberschreitenden Stromhandel verfügt das Land nur über begrenze Kapazitäten der sogenannten Interkonnektoren nach Frankreich, Portugal und Marokko.

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