11.05.2015, 14:50 Uhr

Alternative zum Fracking: Wie in Hamm nach Gas gebohrt wird

Hamm - Das Joint Venture Hammgas plant, Kohleflözgas ohne Fracking zu gewinnen. Nach eigenen Angaben handelt sich somit um ein in Deutschland einmaliges Pilotprojekt, das einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten kann.

Die Region Hamm biete mit seinen Kohleflözen, die jede Menge Gas enthalten, die besten Voraussetzungen zur Umsetzung dieses Projekts, heißt es in der Mitteilung des Joint Ventures. Zur Gewinnung des Kohleflözgases wird die Technik der Tektomechanik genutzt. Dabei werden die natürlichen Brüche und Risse im Gestein genutzt, um das Gasvorkommen zu erschließen.

"Sanfte" Art der Gasgewinnung: Tektomechanik

Das Joint Venture Hammgas, das aus den vier Unternehmen PVG GmbH – Resources Services & Management, Stadtwerke Hamm GmbH, Tief- und Brunnenbaubetrieb Messmaker und der GeoK GmbH besteht, wendet die sogenannte Tektomechanik an, um Kohleflözgas zu gewinnen. Die Tektomechanik sucht Kohleflözgas auf, in dem sie die Fließwege des Gases erforscht, das durch natürliche Brüche und Risse in den Steinkohlelagerstätten auftritt. Nach der Lokalisierung des Kohleflözgases und seiner Fließwege kann der optimale Bohrpunkt gefunden werden, der eine Gasgewinnung mit Hilfe des natürlichen Druckunterschieds zwischen Lagerstätte und Bohrloch ermöglicht. Im Unterschied zum Fracking wird hierbei eben auf einen nachträglichen Eingriff in die bereits durch eine Bohrung erschlossene Lagerstätte vermieden.

Expertise aus der Geothermie: Daldrup & Söhne AG bohrt

Das Ascheberger Bohr-Unternehmen Daldrup & Söhne AG wird die Bohrung für die Gasgewinnung durchführen. Die Bohrung findet auf dem ehemaligen Gelände der ehemaligen Schachtanlage Radbod 7 statt. Das Kohleflözgas, das gewonnen werden soll, ist in einer Tiefe von etwa 1.000 Metern zu finden und dürfte auf einer Länge von 1.740 Metern erschlossen werden. Der Beginn der Bohrung mit dem 22 Meter hohen Bohrturm wird im dritten Quartal 2015 erwartet. Die Arbeiten sollen insgesamt fünf Monate dauern, davon sind zwei Monate für die Bohrung an sich vorgesehen.

Umweltverträgliche Erschließung und sichere Energieversorgung keine Gegensätze

Josef Daldrup, Vorstandsvorsitzender der Daldrup & Söhne AG, freut sich über den Auftrag aus der Region und betont zudem die guten Möglichkeiten zur Energiegewinnung in Deutschland: „Deutschland hat erstaunlich große Rohstoff-Vorkommen, die zur Energieerzeugung wirtschaftlich erschließbar und nutzbar sind. Mit den hierzulande geltenden, vorbildlichen Sicherheits- und Umweltschutzstandards kann die Erschließung dieser Vorkommen einen wertvollen Beitrag zur Versorgungssicherheit und zur Unabhängigkeit von Öl- und Gaslieferungen aus zweifelhaften Drittstaaten beitragen. Ich meine, dass eine sind. Wir können hier den Beweis antreten, dass beides zusammen passt.“

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