Was den Ölpreis 2017 treibt und bremst
London – Der Ölpreis ist volatil und schwer zu prognostizieren. Nach einem heftigen Preisverfall auf unter 30 Dollar je Barrel erholt sich der Preis für das schwarze Gold wieder. Eine aktuelle Analyse zeigt, wie es zukünftig mit dem Ölpreis weitergehen könnte.
In der zweiten Jahreshälfte 2014 ist der Ölpreis heftig von über 100 zunächst bis auf rund 50 und später bis auf unter 30 US-Dollar pro Barrel gesunken. Mit der Opec-Einigung erholen sich die Preise für die Leit-Ölsorten Brent und WTI wieder und erreichen knapp 55 US-Dollar. Die Marktexperten von S&P Global Platts sehen jedoch begrenzende Faktoren für diese Erholungsrallye.
Hält die historische globale Öl-Förderkürzung?
In einer aktuellen Analyse zum Rohölmarkt skizzieren die Experten von S&P Global Platts die Rahmenbedingungen und zentralen Aspekte, die für die weitere Ölpreisentwicklung eine Rolle spielen. So stütze die erste von der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) angeführte globale Förderbegrenzung seit 15 Jahren die sich entwickelnde aber fragile Erholung. In 2017 kann der große Angebotsüberhang bis zum dritten Quartal abgebaut werden und zu einem ausgewogenen Verhältnis von Angebot und Nachfrage führen. Wenn Saudi-Arabien und Russland zusammenarbeiten, um in den ersten sechs Monaten des Jahres fast 800.000 Barrel pro Tag weniger zu fördern und die weiteren Ölstaaten unter diesem Druck zusammen weitere Kürzungen in Höhe von 1,8 Mio. Barrel pro Tag beitragen, dann könne dies die Erholung des Ölpreises sogar beschleunigen. Doch es herrscht auch Skepsis, ob die Opec und die Nicht-Opec-Staaten diese Beiträge wirklich leisten. Besonders fraglich sei dies bei politisch unsicheren Staaten mit hohen Ölförder-Potenzialen wie Libyen und Nigeria.
Ölpreis: Produktionskappung bildet Boden, US-Schiefer-Produktion die Decke
Die Förderdisziplin auf der einen und der Beitrag der US-Schieferöl-Industrie auf der anderen Seite begrenzen den Ölpreis. Paul Hickin, Oil Editorial Director bei S&P Global Platts, erwartet, dass die Entwicklung in den nächsten Jahren von der Beziehung zwischen dem US-Schieferölsektor, der Opec sowie Russland und weiteren Schlüsselproduzenten abhängt. Die historische Einigung zwischen der Opec und den Nicht-Opec-Staaten bereiten der Boden für den Ölpreis und die US-Schieferöl-Industrie die Decke, so Hickin. Der Rückhalt zum globalen Förderabkommen sei entscheidend, ob der Boden halte, während das Tempo des Comebacks der Schieferöl-Produktion darüber entscheide, wie hoch die Decke hängt, so der Marktspezialist.
Indiens Öldurst steigt schneller
Auf dem Weltmarkt hat sich Indien in den letzten Jahren zu der Wirtschaft mit dem am schnellsten wachsenden Ölbedarf entwickelt. Zum dritten Mal in Folge seien diese Wachstumszahlen höher als die in China. Nach der Analyse von Platts wird in 2017 ein weiterer Anstieg der Ölnachfrage um sieben Prozent auf 4,13 Millionen Barrel pro Tag in Indien erwartet. Im Gegensatz dazu wächst der Öldurst in China 2017 in 2017 um drei Prozent und erreicht nach der Platts-Prognose ein Niveau von 11,50 Millionen Barrel pro Tag.
Quelle: IWR Online
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