12.06.2019, 16:58 Uhr

Siemens Gamesa nimmt Vulkanstein-Speicher in Betrieb

Hamburg - Der Windkraftanlagen-Hersteller Siemens Gamesa hat einen elektrothermischen Energiespeicher (ETES) mit Vulkangestein als Speichermedium in Betrieb genommen. Der Weltpremieren-Clou könnte dazu führen, dass sich für abgeschaltete Kohlekraftwerke neue Einsatzmöglichkeiten abzeichnen.

Im Rahmen einer feierlichen Eröffnung wurde heute (12.06.2019) ein neuartiger Speicher in Betrieb genommen, der es ermöglicht, große Mengen an Energie kostengünstig zu speichern und gleichzeitig alten Kohlekraftwerken eine neue Einsatzperspektive ermöglicht.

Weltpremiere: Wärmespeicher fasst rund 1.000 Tonnen Vulkangestein

Der heute feierlich in Hamburg-Altenwerder eröffnete Wärmespeicher fasst rund 1.000 Tonnen Vulkangestein als Energiespeichermedium. Es wird mit elektrischer Energie gespeist, die mittels einer Widerstandsheizung und eines Gebläses in einen Heißluftstrom umgewandelt wird, der wiederum das Gestein auf 750°C aufheizt. Bei Nachfragespitzen kann ETES die gespeicherte Energie mithilfe einer Dampfturbine rückverstromen. Der ETES Demonstrator kann so bis zu 130 MWh thermische Energie für rund eine Woche speichern. Zudem bleibt die Speicherkapazität des Systems über die Ladezyklen hinweg konstant.

Siemens Gamesa plant große Energiespeicher-Lösungen

Ziel der Pilotanlage ist die Entkopplung von Erzeugung und Verbrauch fluktuierender erneuerbarer Energien über Speicher zu realisieren, den Systembeweis des Speichers am Netz zu liefern und gleichzeitig den Wärmespeicher ausgiebig zu testen. In einem nächsten Schritt plant Siemens Gamesa, seine Speichertechnologie in kommerziellen Projekten einzusetzen und die Speicherkapazität sowie die Leistung zu erhöhen. In naher Zukunft soll Energie im Bereich von mehreren Gigawattstunden (GWh) gespeichert werden – eine Gigawattstunde entspricht dem täglichen Stromverbrauch von rund 50.000 Haushalten.

Neue Einsatzmöglichkeiten für abgeschaltete Kohlekraftwerke

Das Institut für Technische Thermodynamik der Technischen Universität Hamburg und der Energieversorger Hamburg Energie sind Partner in dem innovativen Future-Energy-Solutions-Projekt, das im Rahmen des Energieforschungsprogramms vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird. Die TU Hamburg erforscht die thermodynamischen Grundlagen der verwendeten Schüttgut-Technologie. Die Technologie reduziert nicht nur die Kosten für größere Speicherkapazitäten auf einen Bruchteil des üblichen Niveaus für die Batteriespeicherung, durch die Nutzung serienmäßiger Komponenten können beispielsweise auch stillgelegte konventionelle Kraftwerke umfunktioniert und in grüne Speicher verwandelt werden (Second-Live-Option).

Der Energieversorger Hamburg Energie verantwortet den Handel der Speicherenergie an den Strommärkten und entwickelt hochflexible digitale Leitsystem-Plattformen für virtuelle Kraftwerke. An eine solche IT-Plattform angeschlossen kann ETES die erneuerbare Energie optimal bei maximalem Ertrag speichern.

Quelle: IWR Online

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