03.02.2026, 13:18 Uhr

Ørsted richtet Konzern neu aus: Europa mit Fokus Offshore-Windenergie und Festhalten an US-Markt trotz Risiken


© Ørsted

Fredericia – Ørsted vollzieht einen umfassenden Umbau des Konzerns und richtet seine Strategie auf die wachstumsstarken Kernmärkte aus. Im Zentrum stehen der Abschluss eines umfangreichen Veräußerungsprogramms von Onshore-Aktivitäten in Europa, die klare Konzentration auf Offshore Windenergie sowie der Ausbau der Aktivitäten in den USA.

Ziel der aktuellen Vereinbarung zwischen Ørsted und Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) über den Verkauf des europäischen Onshore-Geschäfts ist es, die finanzielle Basis von Ørsted zu stärken, Kapital für künftiges Wachstum freizusetzen und die Ressourcen auf Offshore Windprojekte zu konzentrieren. Die Marktreaktionen fielen gemischt aus.

Verkauf des europäischen Onshore Geschäfts – Neubündelung in einer europäischen Gesellschaft und Weiterführung durch CIP

Ørsted hat mit Copenhagen Infrastructure Partners (CIP) eine Vereinbarung über den Verkauf des gesamten europäischen Onshore-Geschäfts unterzeichnet. Die Transaktion hat ein Volumen von 1,44 Milliarden Euro und soll im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Damit setzt Ørsted das geplante Programm zum Verkauf von Vermögenswerten erfolgreich um. Das Portfolio umfasst Onshore-Wind-, Solar- und Speicherprojekte in Irland, Großbritannien, Deutschland und Spanien mit 578 MW in Betrieb, 248 MW im Bau sowie einer umfangreichen Entwicklungs-Pipeline. Die Projekte werden künftig als neue europäische Gesellschaft der CIP fortgeführt – inklusive aller Mitarbeitenden, laufenden Projekte und Entwicklungsaktivitäten.

Stefan Bachmaier, Geschäftsführer Onshore Deutschland bei Ørsted, sagte: „Unsere starke Präsenz in Deutschland – getragen von unseren Projekten, Partnerinnen, Partnern und Mitarbeitenden – hat es uns ermöglicht, bis heute rund 800 MW Wind- und Solarenergiekapazität zu entwickeln. Viele weitere Projekte sind im Bau und in Planung. Wir freuen uns darauf, diese zukünftig in einer neuen europäischen Partnerschaft zu realisieren, die erneuerbare Energien so weiter voranzubringen, unsere Energieunabhängigkeit zu stärken und mehr lokale Wertschöpfung vor Ort zu schaffen.“

Aktienkurs und Marktreaktion

Die Ankündigung des Verkaufs des europäischen Onshore-Geschäfts ließ die im globalen Aktienindex RENIXX gelistete Ørsted-Aktie zeitweise um rund 2 Prozent auf 19 Euro fallen. Analysten bewerten die Bilanzstärkung und die Fokussierung auf Offshore-Wind zwar positiv, sehen aber anhaltende politische und regulatorische Risiken in den USA, insbesondere bei Offshore-Projekten wie Sunrise Wind und Revolution Wind. Trotz gestärkter Kapitalbasis bleibt die Aktienbewertung sensitiv auf politische Entwicklungen und Projektfortschritte.

USA Geschäft: Onshore eigenständig – Offshore-Windprojekte trotz Widerstand der Trump-Regierung nach Gerichtsurteil wieder im Bau

Unabhängig vom europäischen Onshore-Geschäft betreibt Ørsted weiterhin sein US-Onshore-Geschäft, das seit Oktober 2025 als eigenständige Einheit geführt wird. Ein neuer Handels- oder Markenname für diese US-Einheit wurde bisher nicht bekannt gegeben. Das Portfolio umfasst bestehende Wind-, Solar- und Speicheranlagen, die weiter betrieben und entwickelt werden. Parallel dazu treibt Ørsted den Ausbau seiner Offshore-Windprojekte in den Vereinigten Staaten voran.

Beim Offshore-Projekt Revolution Wind vor Rhode Island/Connecticut mit einer Gesamtleistung von 704 MW werden 65 Siemens Gamesa SG 11.0-200 DD-Turbinen mit jeweils 11 MW Nennleistung eingesetzt, die Strom für mehr als 350.000 Haushalte liefern sollen. Am 12. Januar 2026 erließ das U.S. District Court for the District of Columbia eine vorläufige gerichtliche Verfügung, die den Weiterbau erlaubt, während der Rechtsstreit gegen die BOEM-Suspendierungsanordnung (BOEM – Bureau of Ocean Energy Management) anhängig ist. Ørsted betont, dass die Arbeiten nun „so bald wie möglich mit Sicherheit als oberste Priorität“ fortgesetzt werden.

Das Offshore-Projekt Sunrise Wind vor New York, das vollständig im Besitz von Ørsted über Sunrise Wind LLC ist, hat eine Gesamtleistung von 924 MW. Für Sunrise Wind kommen 95 Siemens Gamesa SG 11.0-200 DD-Turbinen mit jeweils 11 MW Leistung zum Einsatz, die Strom für rund 600.000 Haushalte liefern werden. Am 2. Februar 2026 erließ das U.S. District Court for the District of Columbia eine vorläufige gerichtliche Verfügung, die die sofortige Wiederaufnahme der Bauarbeiten erlaubt. Ørsted teilte mit, dass der Projektfortschritt zügig fortgesetzt wird, wobei „Sicherheit als oberste Priorität“ gilt. Beide Projekte zählen zu den größten Offshore-Vorhaben in den USA und sichern Ørsted eine starke Position auf dem US-Offshore-Windmarkt.

Ausblick

Mit dem erfolgreichen Abschluss des europäischen Onshore-Verkaufs, der klaren Fokussierung auf Offshore-Windenergie in Europa sowie der strategischen Positionierung in den USA (Onshore- und Offshore-Windenergie) baut Ørsted seine Rolle als globaler Vorreiter im Windenergiemarkt weiter aus. Die aktuellen vorläufigen gerichtlichen Entscheidungen zur Wiederaufnahme der Offshore-Bauarbeiten in den USA verschaffen Ørsted vorübergehend Planungssicherheit und ermöglichen den Fortgang der Projekte, während die endgültige Klärung im Hauptverfahren noch aussteht.

Die verbleibenden politischen und regulatorischen Risiken betreffen vor allem die US-Bundesebene: Die Trump-Regierung kann nur auf Verfahren in Bundeshoheitsgewässern (Offshore) oder auf Bundesflächen an Land Einfluss nehmen, nicht jedoch auf Windprojekte oder Rahmenbedingungen auf Ebene der US-Bundesstaaten. Daher kann die Trump-Administration den gesamten US-Windmarkt nicht blockieren oder verzögern, wohl aber einzelne Offshore- oder Bundesflächen-Projekte.

Quelle: IWR Online

© IWR, 2026