100 MW für die Wärmewende: Enercity baut Niedersachsens größte Power-to-Heat-Anlage

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Hannover - Der Energieversorger enercity baut in Hannover eine Power-to-Heat-Anlage mit 100 MW elektrischer Leistung. Das Unternehmen investiert rund 15 Millionen Euro in das Projekt, das zur Heizsaison 2027/28 in Betrieb gehen und die Fernwärmeversorgung unterstützen soll.
Mit dem steigenden Anteil von Wind- und Solarenergie wächst der Bedarf an flexiblen Stromverbrauchern, die auf Schwankungen im Stromangebot reagieren. Gleichzeitig müssen Fernwärmenetze fossile Wärmeerzeuger ersetzen. Power-to-Heat-Anlagen verbinden beide Entwicklungen, indem sie Strom in Wärme umwandeln und zusätzliche Flexibilität bereitstellen.
Neue Power-to-Heat-Anlage erweitert geplantes Portfolio auf rund 175 MW
Die Anlage entsteht im hannoverschen Stadtteil Groß-Buchholz und soll nach Angaben von enercity die größte Power-to-Heat-Anlage Niedersachsens werden. Zwei elektrische Wärmeerzeuger mit zusammen 100 MW Leistung sollen Strom mit einem Wirkungsgrad von über 99 Prozent direkt in Wärme umwandeln. Vorlauftemperaturen von bis zu 120 Grad Celsius sind möglich.
Mit dem Neubau und weiteren Erweiterungen soll die Power-to-Heat-Kapazität von enercity in Hannover auf rund 175 MW steigen. Am Standort Herrenhausen betreibt das Unternehmen seit 2020 einen Elektrodenkessel mit 20 MW, der auf 26 MW erweitert werden soll. Dort entsteht außerdem eine weitere Power-to-Heat-Anlage mit 50 MW, deren Inbetriebnahme für Anfang 2027 vorgesehen ist.
Die Anlagen sollen sowohl die Fernwärmeversorgung bei kurzfristig erhöhtem Wärmebedarf absichern als auch Stromüberschüsse nutzen. Die neue 100-MW-Anlage soll kurzfristig große Strommengen aufnehmen können. Die tatsächlich erzeugte Wärmemenge hängt von den Einsatzzeiten und der Verfügbarkeit geeigneter Strommengen ab.
Enercity hält am Kohleausstieg 2028 fest - Geothermieprojekt entfällt
Die Investition ist Teil des Umbaus der hannoverschen Fernwärmeversorgung. enercity will die Kohleverstromung am Standort Stöcken bis 2028 beenden. Der erste Kohleblock wurde im März 2026 abgeschaltet, der zweite soll nach der Heizperiode 2027/28 in Reserve gehen. Für neue Wärmeerzeugungsanlagen, Speicher und den Netzausbau plant das Unternehmen bis 2040 rund 1,5 Milliarden Euro.
Allerdings musste enercity seine Wärmeplanung anpassen. Am 22. Oktober 2026 gab das Unternehmen bekannt, dass das mit Eavor geplante Tiefengeothermieprojekt in Hannover-Lahe mit rund 30 MW Wärmeleistung nicht umgesetzt wird. Nach dem Rückzug von Eavor als Investor und Projektentwickler fand sich keine tragfähige Alternative.
Die entfallende Wärmeerzeugung soll laut enercity durch Leistungsreserven im übrigen Anlagenportfolio kompensiert werden. Zu den bereits zuvor vorgesehenen Projekten gehört eine Großwärmepumpe mit 30 MW Wärmeleistung am Klärwerk Hannover-Herrenhausen, die sich seit 2025 im Bau befindet. Am Kohleausstieg hält enercity fest.
Stromüberschüsse und Netzengpässe: Flexibler Verbrauch gewinnt an Bedeutung
Die Bedeutung flexibler Stromverbraucher zeigen Daten der Bundesnetzagentur zum Netzengpassmanagement. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland rund 9,38 Milliarden Kilowattstunden (9,38 TWh) Strom aus erneuerbaren Energien wegen Netzengpässen abgeregelt. Das entsprach rund 3,5 Prozent der erneuerbaren Stromerzeugung. Gegenüber 2024 blieb das Volumen nahezu unverändert.
Im ersten Quartal 2026 stieg die Abregelung erneuerbarer Energien gegenüber dem Vorjahresquartal leicht von 2,15 auf 2,22 TWh. Im zweiten Quartal ging sie von 2,33 auf 2,10 TWh zurück (-10 Prozent). Auffällig ist die zunehmende Bedeutung der Verteilnetze: Im zweiten Quartal 2026 entfiel nach Angaben der Bundesnetzagentur erstmals mehr als die Hälfte (52 Prozent) der Redispatch-Menge aus erneuerbaren Energien auf Engpässe im Verteilnetz.
Power-to-Heat-Anlagen können bei hoher erneuerbarer Stromerzeugung zusätzliche Nachfrage schaffen und dadurch Abregelungen vermeiden helfen. Sie verbinden damit die Nutzung von Stromüberschüssen mit der Wärmeerzeugung und eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für einen flexibleren Betrieb des Energiesystems. Wie stark sie zur Entlastung des Stromnetzes beitragen, hängt von ihrem Standort und ihrer Betriebsweise ab.
Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beeinflussen den Einsatz. Niedrige Börsenstrompreise können die Wärmeerzeugung attraktiv machen. Netzentgelte und andere Strompreisbestandteile spielen ebenfalls eine Rolle. Mit der Reform der Stromnetzentgelte (AgNes) arbeitet die Bundesnetzagentur an einer neuen Entgeltsystematik ab 2029.
Das Projekt in Hannover zeigt, wie sich der Ausbau erneuerbarer Energien und die Umstellung der Fernwärmeversorgung miteinander verbinden lassen. Mit zusätzlichen flexiblen Stromverbrauchern können künftig größere Mengen erneuerbaren Stroms für die Wärmeversorgung genutzt werden. Entscheidend für den energiewirtschaftlichen Nutzen bleibt ein Betrieb, der Stromangebot und Wärmebedarf möglichst gut aufeinander abstimmt.
Quelle: IWR Online
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