05.11.2026, 17:11 Uhr

Flexible Vermarktung von Wind- und Solarstrom: MVV und Solarcomplex schließen Hybrid-PPA mit Batteriespeicher


© MVV

Mannheim / Singen - Die MVV Trading GmbH und die Solarcomplex AG haben einen fünfjährigen Stromabnahmevertrag (Hybrid-PPA) für einen Solarpark mit Batteriespeicher bei Tengen in Baden-Württemberg abgeschlossen. Der Vertrag umfasst eine Photovoltaikanlage mit 4,5 MWp und einen Batteriespeicher mit 3,6 MW Leistung und 7,2 MWh Kapazität. Die Vermarktung startet im Juni 2027.

Die Vermarktung von Solar- und Windstrom verändert sich: Neben der reinen Stromabnahme gewinnen Vertragsmodelle an Bedeutung, die Batteriespeicher und deren flexible Einsatzmöglichkeiten einbeziehen. Hybrid-PPAs verbinden dabei die zeitliche Optimierung der Stromeinspeisung mit einer längerfristigen Absicherung der Erlöse.

Hybrid-PPA: Festpreis für Solarstrom und flexible Speichernutzung

MVV Trading übernimmt ab dem 1. Juni 2027 die gemeinsame Optimierung und Vermarktung der Photovoltaikanlage und des Batteriespeichers im Co-Location-Projekt Kaltes Brünnele. Vereinbart wurde ein Festpreis im Pay-as-Injected-Modell: Solarcomplex erhält für jede tatsächlich ins Netz eingespeiste Megawattstunde einen vertraglich festgelegten Preis, unabhängig vom jeweiligen Börsenstrompreis. Der vereinbarte Festpreis umfasst auch die Herkunftsnachweise für den eingespeisten Solarstrom.

Der Speicher wird ausschließlich mit Strom aus der angeschlossenen Photovoltaikanlage geladen und bezieht keinen Netzstrom. Solarstrom kann dadurch in Phasen niedriger oder negativer Börsenpreise zwischengespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt eingespeist werden. Mit 7,2 MWh Kapazität kann der Speicher bei voller Entladeleistung rechnerisch zwei Stunden Strom abgeben.

MVV Trading übernimmt nach eigenen Angaben die Marktpreisrisiken und -chancen der gemeinsamen Vermarktung.

„Durch die hohe Zahl an Stunden mit niedrigen oder gar negativen Börsenstrompreisen lassen sich neue Solarparks nur noch in Kombination mit Batteriespeichern sinnvoll betreiben“, erklärt Bene Müller, Vorstand Kapital & Öffentlichkeit von Solarcomplex. Das Hybrid-PPA bilde die wirtschaftliche Basis des Projekts.

Negative Strompreise verändern die Vermarktung erneuerbarer Energien

Nach Angaben der Bundesnetzagentur wurden 2025 am deutschen Day-Ahead-Strommarkt 573 Stunden mit negativen Börsenstrompreisen registriert, nach 457 Stunden im Vorjahr. Besonders bei hoher gleichzeitiger Einspeisung von Solar- oder Windstrom können die Börsenstrompreise deutlich sinken und damit die Vermarktungserlöse der Anlagenbetreiber unter Druck geraten.

Batteriespeicher ermöglichen eine Verlagerung der Einspeisung in höherpreisige Stunden. Ob sich dies wirtschaftlich lohnt, hängt jedoch von den Preisunterschieden, Speicherverlusten sowie Investitions- und Betriebskosten ab. Speicher sind daher nicht grundsätzlich Voraussetzung für wirtschaftliche Solarparks.

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) verweist in ihrer PPA-Marktanalyse 2025 auf sinkende Preise für langfristige Stromabnahmeverträge (PPAs), insbesondere bei Photovoltaikanlagen ohne Batteriespeicher. Gleichzeitig gewinnen Speicher und Co-Location-Projekte bei der Entwicklung neuer PPA-Geschäftsmodelle an Bedeutung. Neben der flexibleren Vermarktung spielt dabei auch die vertragliche Verteilung von Preisrisiken eine wichtige Rolle.

Hybridmodelle gewinnen auch bei Windenergie an Bedeutung

Auch bei Windenergieprojekten werden Batteriespeicher in Vermarktungskonzepte und bestehende Netzanschlüsse integriert. Alterric und Voltfang stellten im August 2026 ein Co-Location-Projekt am Windpark Berne in Niedersachsen vor. Dort soll ein Speicher mit 3,8 MW Leistung und 10 MWh Kapazität ausschließlich Windstrom aufnehmen. Enercon meldete im Juli erste Verträge für Wind-Storage-Projekte in Deutschland.

Einen technologieübergreifenden Ansatz verfolgt das österreichische Hybridkraftwerk Nickelsdorf mit 51 MW Windenergie, 51 MW Photovoltaik und 18 MW Batteriespeicherleistung. Der österreichische Energiekonzern Verbund übernahm im September 2026 die gemeinsame Vermarktung von Stromerzeugung und Speicherflexibilität.

Die Projekte zeigen, dass Batteriespeicher sowohl bei Solar- als auch bei Windenergie neue Möglichkeiten für eine flexible Stromvermarktung eröffnen. Hybrid-PPAs gehen einen Schritt weiter, indem sie die gemeinsame Vermarktung von Erzeugungsanlagen und Speichern mit einer längerfristigen Absicherung der Stromerlöse verbinden.

Quelle: IWR Online

© IWR, 2026