16.09.2026, 11:33 Uhr

Bundesweites E-Lkw-Ladenetz geht in die Umsetzung - Leistungsstarke MW-Ladepunkte an Autobahnen geplant


© Tobias Koch

Hannover - Der Bund startet mit der Umsetzung des bundesweiten Schnellladenetzes für batterieelektrische Lkw. An zunächst 124 unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen beginnen die beauftragten Unternehmen mit den standortspezifischen Planungen. Perspektivisch soll das Netz rund 4.200 Ladepunkte an etwa 350 Standorten entlang der Bundesautobahnen umfassen.

Die Bundesregierung treibt den Infrastrukturaufbau für emissionsfreie Lkw derzeit auf zwei Technologiepfaden voran. Für das E-Lkw-Schnellladenetz nennt das Bundesverkehrsministerium aktuell Bundesmittel von rund 1 Mrd. Euro. Für den Aufbau eines initialen Wasserstoff-Tankstellennetzes einschließlich der Förderung von Wasserstoff-Lkw stehen 220 Mio. Euro bereit.

Erste 124 Autobahnstandorte gehen in die Umsetzung

Für die 124 unbewirtschafteten Rastanlagen hat die Autobahn GmbH die Aufträge für Planung, Errichtung und Betrieb der Ladeinfrastruktur bereits vergeben. Fünf Auftragnehmer beginnen nun mit den Planungen für die einzelnen Standorte und den weiteren Schritten zur Errichtung.

An den 124 Rastanlagen sollen insgesamt 836 neue Ladepunkte entstehen. Davon sind 447 für das Megawatt Charging System (MCS) vorgesehen, das Ladeleistungen im Megawattbereich für schwere Nutzfahrzeuge ermöglicht. Hinzu kommen 157 CCS-Ladepunkte mit 400 kW sowie 232 CCS-Ladepunkte mit 100 kW, die insbesondere für das Laden während längerer Standzeiten genutzt werden können. Die Autobahn GmbH hatte bereits 2024 mit der Beantragung der erforderlichen Netzanschlüsse begonnen.

Die Umsetzung erfolgt später als ursprünglich geplant. Noch im Klimaschutzbericht 2025 war die Zuschlagserteilung für die unbewirtschafteten Rastanlagen bis Ende 2025 vorgesehen; tatsächlich wurden die Aufträge Ende Juni 2026 vergeben. Wann die ersten Ladeparks in Betrieb gehen, lässt das Bundesverkehrsministerium offen, einzelne Betreiber nennen erste Eröffnungen ab 2027. Branchenverbände begrüßen den Start grundsätzlich, drängen aber auf eine schnelle Bereitstellung der Ladeinfrastruktur.

Bundesweites Netz soll rund 4.200 Ladepunkte umfassen

Im Endausbau soll das Lkw-Schnellladenetz rund 350 Standorte entlang der Bundesautobahnen umfassen. Etwa 225 davon entfallen auf bewirtschaftete und 124 auf unbewirtschaftete Rastanlagen. Die zweite Ausschreibung für die Standorte an den bewirtschafteten Rastanlagen wird derzeit vorbereitet.

Insgesamt sind rund 1.800 Ladepunkte nach dem Megawatt Charging System (MCS) und rund 2.400 CCS-Ladepunkte vorgesehen. Die unterschiedlichen Leistungsklassen sollen sowohl schnelles Zwischenladen während Fahrtunterbrechungen als auch das Laden während längerer Ruhezeiten ermöglichen.

Finanzierungsrahmen ändert sich im Zeitverlauf

Bei der Finanzierung wurden im Verlauf der Planung unterschiedliche Größenordnungen genannt. Im Klimaschutzbericht 2025 waren rund 2,1 Mrd. Euro für Netzanschlüsse an rund 350 Standorten und die Ausschreibung der unbewirtschafteten Rastanlagen ausgewiesen. Die EU-Kommission genehmigte im Dezember 2025 staatliche Beihilfen von bis zu 1,6 Mrd. Euro für die Ladeinfrastruktur an unbewirtschafteten Rastanlagen.

Aktuell spricht das Bundesverkehrsministerium von rund 1 Mrd. Euro, die für den Aufbau des Lkw-Schnellladenetzes zur Verfügung gestellt werden. Wie sich diese Summe gegenüber den früher genannten Finanzierungs- und Beihilferahmen genau abgrenzt, erläutert das Ministerium in seiner aktuellen Mitteilung nicht.

Mit dem Start der Umsetzungsphase kommt das geplante öffentliche Grundnetz für batterieelektrische Lkw damit einen Schritt voran. Entscheidend für den Markthochlauf wird nun sein, wie schnell die geplanten Ladepunkte, die dafür erforderlichen leistungsfähigen Netzanschlüsse und geeignete Lkw-Stellflächen tatsächlich zur Verfügung stehen.

Quelle: IWR Online

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