10.05.2012, 11:25 Uhr

Japan: Staatlicher Rettungsschirm für Atomkonzern Tepco

Tokio, Münster - Dem japanischen Stromkonzern Tepco droht nach der Atomkatastrophe von Fukushima offenbar die Pleite. Der japanische Staat steigt laut Medienberichten bei Tepco mit einer Billion Yen (rd. 9,7 Mrd. Euro) ein und erhält mehr als 50 Prozent der Stimmrechte des Konzerns. Wegen der extrem hohen Folgekosten der Atomkatastrophe im letzten Jahr ist der japanische Stromversorger immer mehr auf staatliche Hilfen angewiesen. Allein in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011 (April bis Dezember 2011) hatte Tepco einen milliardenschweren Verlust verbuchen müssen. Bei einem Umsatz von etwa 3,8 Billionen Yen (ca. 37 Mrd. Euro) betrug der Nettoverlust 623 Mrd. Yen (rd. 6,05 Mrd. Euro).

Wechsel in der Führungsspitze

Zu Beginn dieser Woche hatte Tepco bereits über Veränderungen in der Unternehmensführung berichtet. Der bisherige Geschäftsführer Naomi Hirose wurde zum neuen Präsidenten ernannt. Den Vorstandsvorsitz soll der Jurist Kazuhiko Shimokobe übernehmen, der bislang Vorstandsmitglied beim staatlichen Entschädigungsfonds für die Opfer der Atomkatastrophe war. Offiziell werden diese Personalien erst nach der Aktionärsversammlung im Juni.

Ratingagenturen: Tepco auf Junk-Status herabgestuft

Die Ratingagenturen Moody und Standard and Poor"s hatten das Kreditrating von Tepco schon im letzten Jahr auf Junk-Status reduziert. Die Risiken der Kernenergie dürften in Zukunft bei der Bewertung des Kreditratings durch die Ratingagenturen eine stärkere Rolle spielen als vor der Atomkatastrophe von Fukushima. Das betrifft nicht nur die privaten Stromversorger, die sich bei einem Kernkraft-Engagement höhere Risiken in ihr Portfolio aufnehmen. Genauso könnte es zukünftig das Rating von Ländern mit hohem Atomenergie-Anteil und alten Kernkraftanlagen treffen, wenn – wie im Fall von Japan – letztendlich der Staat das Risiko und die Folgekosten eines schweren Unfalls in Kernkraftwerken übernehmen und dafür haften muss.

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