01.12.2005, 11:36 Uhr

Klima: Wissenschaftler messen erhebliche Abschwächung des Golfstroms

London - In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature berichtet eine britische Forschergruppe über deutliche Veränderungen der Zirkulationsmechanismen des atlantischen Golfstroms. Nach den Untersuchungsergebnissen hat sich die Zirkulationsintensität des Golfstroms in den letzten 50 Jahren um 30 Prozent abgeschwächt. Die Forscher haben in einer Analyse Wasserproben nach Wassertemperatur und Salzgehalt ausgewertet. Andere Messungen hätten bisher keine so deutliche Veränderung beim Golfstrom gezeigt, wie es bei der jüngsten Analyse der Fall sei, so der Wissenschaftler Harry Bryden.

Die Zirkulation des Tiefenwassers, die normalerweise kaltes Wasser aus dem hohen Norden viel weiter nach Süden transportiert, als es die neusten Messungen gezeigt haben, hat sich stark abgeschwächt, so Bryden. Er kommt zu dem Ergebnis, dass ein Großteil des Tiefenwassers im subtropischen Atlantik in einer Schleife eingeschlossen ist und nicht mehr vollständig in die nördlichen Breiten der Erde gelangt. So habe sich die Pumpenfunktion des Stroms in den letzten Jahrzehnten abgeschwächt.

Besonders für Politiker, die momentan über die Zukunft des Kyoto-Protokolls zu entscheiden haben, ist dies eine wichtige Botschaft, so Detlef Quadfasel, Ozeanograph an der Universität Hamburg. Die Ergebnisse zeigten, dass wir tatsächlich das Klima verändern. Dennoch wären weitere Untersuchungen durchzuführen, um die Ergebnisse zu untermauern. Andere Ozeanographen sehen in den Ergebnissen noch keinen Beleg für einen Langzeittrend. Neben etwaigen Messfehlern sind auch natürliche Schwankungen und andere Einflüsse zu berücksichtigen. Welche Auswirkungen die Ergebnisse insbesondere auf die klimatischen Verhältnisse in Europa haben werden, vermögen die Forscher bislang nicht zu sagen.


Hintergrundinformationen:

Die Erwärmung der Erdatmosphäre führt nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler zur Verminderung der Meereisbildung und erhöhten Niederschlägen in der nördlichen Hemisphäre. Die dadurch entstehende erhöhte Süßwasserkonzentration im Meer habe Auswirkungen auf das Zirkulationssystem des Golfstroms, der u.a. durch ein Temperaturgefälle sowie Unterschiede im Salzgehalt angetrieben wird.

Störungen im Zirkulationssystem des Atlantischen Ozeans haben nach allgemeiner Ansicht von Klimawissenschaftlern mit zu den Klimaveränderungen während der letzten Eiszeiten beigetragen.

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Quelle: iwr/01.12.05/