11.04.2014, 10:05 Uhr

Rückschlag für Atomkraft: Tschechischer Versorger stoppt Ausschreibung

Prag - Der tschechische Energieversorger CEZ hat die Ausschreibung für zwei neue Kernreaktor-Blöcke am Stanord Temelin in Südböhmen gestoppt. Dies erklärte CEZ am Donnerstag und begründete die Entscheidung damit, dass derzeit ein Neubau dieser Atomkraftwerke (AKW) nicht wirtschaftlich sei.

Zum einen sind die Strompreise im europäischen Markt seit dem Beginn der Ausschreibung dramatisch gefallen. Zudem ist die tschechische Regierung momentan nicht bereit, den Bau durch zusätzliche finanzielle Zusagen zu unterstützen. Die im Ausschreibungsverfahren betroffenen Anbieter-Konsortien sind nach Angaben von CEZ informiert worden. Hierzu zählen ein Bündnis von der Westinghouse Electric Company LLC und der Westinghouse Electric Czech Republic s.r.o., ein weiteres Konsortium von Skoda JS, Atomstroyexport und Gidropress sowie als letzter Anbieter Areva NP. Allerdings sei Areva bereits zu einem früheren Zeitpunkt ausgeschlossen worden.

Kraftwerks-Investitionen lohnen sich derzeit nicht

Daniel Benes, CEO von CEZ erklärte, dass der Stromsektor in Europa seit dem Start der öffentlichen Ausschreibung im Jahr 2009 eine turbulente Entwicklung erlebt habe. Ursprünglich sei das gesamte Projekt bei den damals aktuellen Strompreisen sowie anderen Faktoren ökonomisch machbar gewesen. Allerdings seien heutzutage Investitionen in Kraftwerke in Gefahr, deren Umsätze von den Strompreisen am freien Markt abhängen. Das bedeute laut Benes nicht, dass man den Bau von AKWs in Tschechien stoppe. Das Risiko, dass man in 20 Jahren den Strombedarf nicht mehr decken könne, bestehe nach wie vor. Allerdings müssten die Pläne überarbeitet werden hinsichtlich der Veränderungen, die derzeit in Brüssel verabredet werden. In Zukunft sei es wichtig, mit dem Staat zusammenzuarbeiten, um die Zukunft der Atomkraft zu sichern.

Regierung gibt keine Garantien, will aber an Atomkraft festhalten

Der Entscheidung von CEZ waren zudem Gespräche mit der tschechischen Regierung vorausgegangen. Dabei hat sich ergeben, dass derzeit keine staatlichen Garantien und anderweitigen Subventionen für den Kraftwerksneubau zur Verfügung gestellt werden. Dies ist damit ein weiterer Grund für den Stopp der Ausschreibung. Dennoch wolle die Regierung in Prag an der Nutzung der Atomenergie im Lande festhalten. Die Regierungspläne sollen nun bis zum Ende des Jahres überarbeitet werden.

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