23.04.2026, 16:26 Uhr

Siemens und Vulcan Energy starten Kooperation: Lionheart-Projekt treibt nachhaltige Lithiumproduktion und Energiewende in Europa voran


© Vulcan Energy

München - Siemens und Vulcan Energy bündeln ihre Kräfte, um mit dem Lionheart-Projekt im Oberrheintal Europas erste integrierte Lithium- und Erneuerbare-Energien-Produktion aufzubauen. Ziel ist eine nachhaltige Versorgung der Batterieindustrie und eine stärkere Unabhängigkeit von Importen kritischer Rohstoffe für die Elektromobilität.

Das Lionheart-Projekt soll jährlich rund 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid für etwa 500.000 Elektrofahrzeugbatterien liefern und zugleich 275 GWh Strom sowie 560 GWh Wärme auf der Grundlage von Geothermie erzeugen. Siemens liefert Automatisierungs- und Digitalisierungstechnologien und wird langfristig als bevorzugter Technologiepartner fungieren. Zusätzlich ist Siemens Financial Services als strategischer Investor beteiligt.

Siemens und Vulcan Energy treiben Europas integrierte Lithiumproduktion voran

Siemens und Vulcan Energy haben eine strategische Partnerschaft geschlossen, um Europas erstes vollständig integriertes Lithium- und Erneuerbare-Energien-Projekt im industriellen Maßstab zu realisieren. Im Zentrum steht das Lionheart-Projekt im Oberrheintal. Das Vorhaben ist gemäß dem EU-Gesetz über kritische Rohstoffe als strategisches Projekt eingestuft und unterstützt die Ziele der europäischen Rohstoffunabhängigkeit.

Beide Unternehmen haben dazu eine Rahmenvereinbarung sowie eine Absichtserklärung unterzeichnet, die Siemens bis 2035 zum bevorzugten Lieferanten für Automatisierungs- und Digitalisierungstechnologien macht.

„Als strategischer Investor und wichtiger Technologiepartner unterstützen wir Vulcan Energy beim Aufbau der ersten bedeutenden nachhaltigen Lithiumquelle Europas“, sagte Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. „Mit unserer Technologie tragen wir zu einem schnelleren Produktionshochlauf bei.“

Das Projekt kombiniert Rohstoffgewinnung und geothermische Energieerzeugung in einem integrierten Ansatz. Neben der Lithiumproduktion spielt die Nutzung von geothermischer Energie eine zentrale Rolle für die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit des Vorhabens.

Lionheart: integriertes Lithium- und Energieprojekt

Das Lionheart-Projekt von Vulcan Energy ist auf eine jährliche Produktionskapazität von rund 24.000 Tonnen Lithiumhydroxid-Monohydrat ausgelegt. Diese Menge reicht rechnerisch für etwa 500.000 Elektrofahrzeugbatterien pro Jahr. Zusätzlich soll das Projekt jährlich rund 275 GWh erneuerbaren Strom und etwa 560 GWh Wärme bereitstellen, die lokalen Verbrauchern zugutekommen.

Die Projektlaufzeit ist auf rund 30 Jahre ausgelegt und umfasst mehrere Standorte im Oberrheintal sowie in der Region Frankfurt. Siemens liefert hierfür ein umfassendes Technologiepaket aus Automatisierungs-, Digitalisierungs- und Infrastrukturlösungen. Dazu zählen unter anderem Systeme aus dem Siemens-Xcelerator-Portfolio wie digitale Zwillinge, industrielle Steuerungssysteme, Analytik, IT-Sicherheit und vernetzte Netzwerktechnologien.

Diese Technologien sollen eine durchgängige Steuerung der Prozesse ermöglichen - von der Rohstoffgewinnung bis zur industriellen Verarbeitung. Ergänzt wird das Portfolio durch intelligente Gebäudelösungen, die den Energieeinsatz und die Betriebsführung optimieren.

Vulcan-CEO Cris Moreno betonte die strategische Bedeutung der Zusammenarbeit: „Diese Partnerschaft ist ein wichtiger Schritt, um zukünftige Wachstumschancen zu erschließen und unserem Ziel der Dekarbonisierung der europäischen Batterielieferkette näherzukommen.“

Finanzierung, Industriepartnerschaft und europäische Rohstoffstrategie

Neben der technologischen Zusammenarbeit spielt auch die Finanzierung des Projekts eine zentrale Rolle. Siemens Financial Services (SFS) wird nach Abschluss der Transaktion Minderheitsinvestor in einem strategischen Konsortium. Dieses umfasst unter anderem HOCHTIEF und Demea Sustainable Investment. Zusätzlich wurde der dänische Export- und Investitionsfonds EIFO als internationaler Finanzierungspartner in das Schuldenkonsortium eingebunden.

Damit stärkt Siemens nicht nur seine Rolle als Technologieanbieter, sondern auch als langfristiger strategischer Investor im europäischen Rohstoff- und Energiesektor. Die Struktur des Konsortiums unterstreicht die industrielle Breite des Projekts und die Einbindung internationaler Finanzierungspartner.

Lionheart ist zudem als strategisches Projekt im Rahmen des EU-Gesetzes über kritische Rohstoffe eingestuft. Damit soll es einen Beitrag zur Erhöhung der europäischen Rohstoffunabhängigkeit leisten und die Versorgungssicherheit für die Elektromobilität stärken.

Die Partnerschaft zwischen Siemens und Vulcan Energy gilt damit als Beispiel für die Verbindung von Industrie, Energie und Digitalisierung im Kontext der europäischen Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft.

Bau von zwei Produktionsanlagen geplant

Im Rahmen des Lionheart-Projekts sollen zwei Produktionsanlagen gebaut werden: eine kombinierte Geothermie- und Lithiumextraktionsanlage (G-LEP) zur Gewinnung von Lithium und erneuerbarer Energie in Landau sowie eine zentrale Lithiumanlage (CLP) zur Weiterverarbeitung des Lithiums in Frankfurt-Höchst. Zudem sollen weitere tiefengeothermische Bohrungen in der Region um Landau umgesetzt und durch wichtige Infrastruktur wie Pipelines und eine Umspannstation ergänzt werden.

Moreno hebt hervor: „Als Leuchtturmprojekt für Europa wird Lionheart die Zukunft der Lithiumproduktion prägen und Europas erste vollständig inländische und nachhaltige Wertschöpfungskette für diesen Rohstoff darstellen. Darüber hinaus wird Vulcan mit dem Projekt eine nachhaltige und grundlastfähige Quelle für erneuerbare Energie für lokale Gemeinden und die ansässige Industrie im Oberrheingraben bieten.“

Quelle: IWR Online

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