10.02.2014, 15:35 Uhr

Studie: Hohe Stromkosten sind kein Wettbewerbs-Nachteil für deutsche Industrie

London – Fällt die Befreiung von der EEG-Umlage für Industrieunternehmen weg, können diese im internationalen Wettbewerb nicht mehr mithalten und tausende Arbeitsplätze seien bedroht – so heißt es. Eine Studie kommt jetzt zu einem anderen Ergebnis.

Eine Studie zeichnet nun ein anderes Bild. Demnach hängt die Wettbewerbsfähigkeit von deutschen Unternehmen nicht so sehr vom Strompreis ab, wie angenommen.

Nicht der Strompreis macht der Industrie Probleme

Die Studie „Europe must stay in the global race for low-carbon leadership” des Forschungsnetzwerks Climate Strategies unter Beteiligung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung kommt zu dem Schluss, dass die Strompreise nur minimale Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen haben. In Deutschland bekämen nur acht Prozent der Industrieunternehmen bei steigenden Preisen Probleme. Für 92 Prozent der Unternehmen sind Energiekosten dagegen nur ein kleiner Posten in der Bilanz. Im Durchschnitt betragen sie nur 1,6 Prozent des Umsatzes. Laut World Economic Forum WEF 2013 ist Deutschland trotz hoher Energiekosten unter den Top 5 der wettbewerbsfähigsten Industrieländer zu finden.

An Wettbewerbsproblemen sei nicht in erster Linie der Strompreis schuld, sondern vielmehr die Kosten für Kohle, Gas und Öl, dabei ist die Studie jedoch nicht auf indirekte Effekte der fossilen Brennstoffe auf den Strompreis eingegangen.

Europa könnte Anschluss verlieren

Europa muss allerdings aufpassen, den Anschluss bei der Entwicklung CO2-armer Technologie nicht zu verlieren. China, Indien und die USA investieren bereits große Summen in die Erforschung und Entwicklung von klimaschonenden Technologien und Energie-Effizienz. Michael Grubb, Mitglied des Climate Strategies Netzwerks: „Nur aufgrund billiger Ressourcen kann Europa im internationalen Wettbewerb nicht mithalten. Wie Japan in den 1980er Jahren muss es in den Bereichen Innovation und Effizienz am Ball bleiben. Im Moment hat Europa eine gute Position durch zahlreiche Patente im Bereich emissionsarmer Technologien, aber diese Position könnte es schon bald verlieren. Europa ist nicht führend im Bereich Energie-Effizienz, und Ausbauziele für Erneuerbare existieren mittlerweile in 138 Ländern. 66 Länder, darunter Australien, Südkorea, Südafrika, Kanada und Brasilien haben Einspeisevergütungen, ähnlich denen in Europa, eingeführt.“

USA, China und Japan holen auf

Im Jahr 2012 wurden 70 Prozent der neuen Windkraft- und 40 Prozent neuer Photovoltaik-Anlagen außerhalb Europas installiert. Zwischen 2009 und 2012 entfielen 39 Prozent der gesamten Investitionssumme in Windkraft auf China und 21 Prozent auf die Vereinigten Staaten.

Im Bereich E-Mobilität sind die USA mit 53.000 neu registrierten Fahrzeugen im Jahr 2012 im internationalen Vergleich an der Spitze. In den Zahlen enthalten sind 38.000 Hybrid-Fahrzeuge und 12.000 reine Elektrofahrzeuge.

Japan konnte im gleichen Jahr 16.000 Neuanmeldungen für batteriebetriebene Fahrzeuge verzeichnen. In Europa waren diese Werte, abgesehen von Norwegen, signifikant niedriger.

Preis für Industriestrom sinkt seit 2008

Strom für die Industrie ist in Deutschland derzeit so günstig wie nie. Der Verband der industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) veröffentlicht seit 2002 monatlich einen Strompreisindex für Mittelspannungskunden in Industrie und Gewerbe. Die Grundlage bildet der Durchschnittspreis des Vormonats am EEX-Terminmarkt. Der VIK Index hatte seinen höchsten Stand Mitte 2008 bei 236,49 Punkten erreicht. Seitdem ist der Index, unterbrochen von einigen Zwischenhochs, um rund 25 Prozent gefallen und notiert im Januar 2014 bei 136,56 Punkten. Auch die realen Preise an der Strombörse sinken seit vielen Jahren, Strom ist sowohl am Spot- als auch am Day-ahead-Markt für weniger als vier Cent zu haben.

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