23.04.2014, 11:07 Uhr

Undichter Schlauch und verstopftes Ventil: Alt-AKW Fessenheim war an Ostern vorübergehend vom Netz

Münster – Der französische Atommeiler Fessenheim war am Osterwochenende vorübergehend nicht am Netz. Nachdem Anfang April bereits einer der beiden Reaktoren aufgrund einer Panne vom Netz genommen worden war, schaltete sich am vergangenen Freitag (18. April) auch der zweite Reaktor automatisch ab. Damit war das Atomkraftwerk (AKW) zeitweise vollkommen abgeschaltet.

Das AKW Fessenheim befindet sich im französischen Elsass in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze und ist heftig umstritten. Die beiden Reaktoren des AKW sind seit 1978 in Betrieb. Damit ist es das älteste französische Kraftwerk, das noch am Netz ist. Zuletzt hatten im März Greenpeace-Aktivisten in einer spektakulären Aktion gegen den Betrieb des AKW und die Energiepolitik der EU protestiert. Die Umweltschützer hatten das Gelände des AKW gestürmt, um ein riesiges Banner mit der Aufschrift „Stop risking Europe“ von einem der Kühltürme zu entrollen.

Abschaltung nach Ventil-Verschluss

Die besorgniserregenden Meldungen aus dem französischen AKW Fessenheim mehren sich. Bereits am 9. April war der Reaktor Nummer eins vom Netz genommen worden. Grund hierfür war ein Leck in einem Wasserschlauch, durch den nach Angaben des französischen AKW-Betreibers EDF (Électricité de France) allerdings kein radioaktiv belastetes Wasser geflossen sei. Der zweite Reaktor schaltete sich dann am Karfreitag am späten Abend automatisch ab: Ein Ventil hatte sich vorzeitig und ungeplant verschlossen. Am frühen Morgen des Ostersonntags wurde der Reaktor dann wieder ans Netz genommen. Laut Medienberichten gab der Betreiber EDF allerdings noch am Samstag bekannt, dass es trotz der Störungen keine Auswirkungen auf die Sicherheit gegeben habe.

Französische Atombehörde bewertet AKW Fessenheim positiv

Nur wenige Tage vor der Panne am zweiten Reaktor des Atommeilers hatte die französische Atomaufsicht ASN (Autorité de sûreté nucléaire) ihren Jahresbericht für das Jahr 2013 vorgestellt. Darin wurde unter anderem die Sicherheit des ältesten französischen Atomkraftwerks, das sich noch in Betrieb befindet, weitgehend positiv bewertet. Allerdings sei es bei so alten Meilern äußerst schwierig, die Technik auf den neuesten Stand zu bringen, hieß es. Nach Plänen des französischen Präsidenten François Hollande soll das Atomkraftwerk Fessenheim erst Ende 2016 stillgelegt werden.

Die Nähe zur deutschen Grenze macht das älteste französische AKW im Übrigen auch für die deutsche Kraftwerksplanung relevant. Anfang April hatte die Bundesnetzagentur im Rahmen der Diskussionen um ein vermeintliches Staatskraftwerk bestätigt, dass auch die Verfügbarkeit von Strom aus dem AKW Fessenheim für die Versorgungslage in Deutschland eine Rolle spielt.

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Wirbel um vermeintliches Staats-Kraftwerk: Was sagen Regierung und Netzagentur?


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