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21.05.2012, 15:52 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Strom zu teuer – Warum E.ON drei Gaskraftwerke wirklich abschalten will

Münster – Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland plant E.ON, drei ältere Gaskraftwerke mit einer Leistung von 1.420 Megawatt (MW) still zu legen. Es handelt sich um die Gaskraftwerke Irsching 3 in Bayern, Staudinger 4 in Hessen sowie Franken 1 in Nürnberg. Der pauschale Aufschrei in den Medien war groß, zumal die Bundesnetzagentur wegen der abgeschalteten Kernkraftwerke im Süden Deutschlands weitere Kraftwerksstillegungen in diesem Raum für nicht vertretbar hält.

Geringe Kraftwerksauslastung: Strom aus Photovoltaik-Anlagen verdrängt Gaskraftwerke
Ein Blick in die Produktionsstatistiken zeigt, dass die Auslastung der drei E.ON Gaskraftwerke im Jahr 2011 teilweise drastisch gegenüber dem Vorjahr zurück gegangen ist. Während bei Photovoltaik-Anlagen eine Volllast-Stundenzahl zwischen 800 und 1.000 im Jahr erreicht wird, liegen die Produktionszeiten dieser Gaskraftwerke 2011 deutlich unter den PV-Werten. So hat das Gaskraftwerk Franken 1, Block 1, mit einer Netto-Leistung von 383 MW im gesamten Jahr 2011 gerade einmal an 260 Volllast-Stunden Strom produziert. Staudinger 4 mit einer Leistung von 622 MW erreicht nur 65 Stunden (2010: 501 Stunden) und die Stromerzeugung mit dem Gaskraftwerk Irsching 3 (415 MW) im ganzen Jahr 2011 erfolgte gerade einmal an 41 Volllast-Stunden.
Die stetig fallende Auslastung von Gaskraftwerken geht mit der zunehmenden Zahl der Photovoltaik-Anlagen in Deutschland einher. Die Solarleistung folgt im Tagesverlauf einer Glockenkurve, steigt tagsüber von morgens bis zum Mittag auf derzeit bis zu 20.000 MW an und fällt nachmittags entsprechend dem Sonnenstand ab. Weil sich An- und Abstieg der Solarleistung sehr genau mit der steigenden und fallenden Stromnachfrage in Deutschland deckt, werden immer weniger Gaskraftwerke zur Abdeckung der Spitzenlast benötigt. Diese Aufgabe wird zunehmend von den Solaranlagen übernommen. Die Kosten für die Stromerzeugung aus Gaskraftwerken steigt bei der sehr geringen Auslastung deutlich an und macht diese Kraftwerke zunehmend unwirtschaftlich.

Kaltreserve: Sind Gaskraftwerke ungeeignet?
Die Bundesnetzagentur will für den kommenden Winter aus Sorge vor Stromengpässen die sogenannte "Kaltreserve" deutlich erhöhen und auf 2.150 MW steigern. Im letzten Winter wurde zwei Mal bekannt, dass die "Kaltreserve" aktiviert werden musste. So kamen am 08. und 09. Dezember 2011 österreichische Reservekraftwerke erstmals zum Einsatz. Die eigentliche Ursache für den Netzeingriff war offensichtlich der Ausfall von Block C des Kernkraftwerks Gundremmingen in Bayern. Dieser Block mit einer Leistung von 1.344 MW musste unverhofft wegen zweier undichter Brennelemente herunter gefahren werden. Untersucht man die Produktionszeiten der drei E.ON-Gaskraftwerke, die als Reservekraftwerke für diesen Zeitraum prinzipiell zur Verfügung standen, so stellt man verblüfft fest, dass die sehr nahe an dem Kernkraftwerk Gundremmingen stehenden E.ON Gaskraftwerke Irsching 3 und Staudinger 4 in der fraglichen Zeit überhaupt nicht eingesetzt wurden. Immerhin haben die beiden Kraftwerke eine Gesamtleistung von 1.037 MW. Stattdessen wurde sehr medienwirksam u.a. ein rd. 500 km von Gundremmingen entferntes altes Öl-Kraftwerk bei Graz im Süden Österreichs in Betrieb genommen. Vieles bleibt in diesem Fall unklar, auch der Bericht der Bundesnetzagentur zum Zustand der leitungsgebundenen Energieversorgung im Winter 2011/12 gibt keine befriedigenden Antworten. Klar ist nur, dass die Kosten für die Nutzung der Kaltreserve von allen Stromverbrauchern durch eine Umlage auf die Netzentgelte getragen werden müssen. Vielleicht lag darin ja das Hauptmotiv für das Anzapfen der Kaltreserve.

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© IWR, 2012







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