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16.01.2014, 15:10 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Energiewende: Wie die FAZ irreführende Zahlen zu den EEG-Kosten in die Welt setzt

Münster – Seit vielen Monaten prasselt ein Feuerwerk an medialer Negativ-Stimmung auf das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und die Energiewende nieder. Vor allem die Höhe der EEG-Kosten für die Verbraucher ist immer wieder ein beliebtes Thema, die Energiewende in ein schlechtes Licht zu rücken. Dabei werden offensichtlich die eingesetzten Kommunikations-Methoden, bestimmte Wirkungen beim Leser zu erzielen, immer drastischer. Jüngstes Beispiel und vorläufiger Höhepunkt der medialen Kritik findet sich in der Online-Ausgabe einer großen Frankfurter Zeitung.

Die FAZ hatte am 09.01.2014 einen Online-Artikel zu den EEG-Kosten im Jahr 2013 veröffentlicht. Prägnanter Titel: „Ökostrom kostet jeden Deutschen 240 Euro im Jahr“. Der mit dieser plakativen Überschrift gewünschte Effekt dürfte seine Wirkung beim unbedarften Leser nicht verfehlt haben. Aber was ist dran, an dieser horrenden Zahl, wie kommt diese zustande und sind die angegebenen EEG-Kosten für die Stromverbraucher tatsächlich so hoch?

WDR deckt auf – wie die FAZ die vermeintlichen EEG-Kosten für jeden Deutschen berechnet und darstellt
Wie kommt die FAZ zu den EEG-Kosten in Höhe von 240 Euro pro Jahr für jeden Deutschen? Offensichtlich laut WDR und tagesschau.de ganz einfach: Man nehme die EEG-Gesamtumlage in Höhe von 19,4 Mrd. Euro für 2013 und teile diese Zahl durch rd. 80 Mio. Einwohner in Deutschland und fertig ist die horrende Zahl. Eine statistische Zahl mit besonderer Wirkung, denkt doch der normale Leser, dass er diese hohe EEG-Umlage zahlen muss. Nach der Logik der FAZ-Rechnung hätte ein einzelner Haushalt in Deutschland mit beispielsweise vier Personen demnach 960 Euro pro Jahr an EEG-Kosten zu tragen. Das dies aber so nicht stimmen kann, liegt offensichtlich auf der Hand.

Warum die FAZ-Rechnung irreführend ist: Deutsche zahlen EEG-Umlage nur für Haushaltsstrom-Anteil und nicht auf den deutschen Gesamtstrom
Was in dem FAZ-Artikel zu den EEG-Kosten völlig ausgeblendet wird: Die deutschen Verbraucher zahlen die EEG-Umlage nicht auf den gesamten deutschen Stromverbrauch, sondern für ihren deutlich kleineren Haushaltsstrom-Anteil und den Anteil für die von der EEG-Umlage befreiten Unternehmen. Für 2013 betrug die EEG-Umlage 5,2 77 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Bei einem Vier-Personen-Haushalt mit 4.000 kWh Jahres-Stromverbrauch sind das rd. 53 Euro pro Jahr und Person bzw. 4,40 Euro pro Monat und Kopf. Diese Zahl ist weit von dem im FAZ-Artikel genannten Betrag von 240 Euro für jeden Deutschen entfernt.

Was also ist in der FAZ-Rechnung geschehen? Völlig unterschlagen wird im FAZ-Artikel, dass der Anteil des Haushaltsstroms mit rd. 137 Milliarden (Mrd.) Kilowattstunden (kWh) gerade einmal 26 Prozent am Gesamtstromverbrauch (2012: 519 Mrd. kWh) in Deutschland ausmacht. Das bleibt in der FAZ-Rechnung bzw. Statistik schlicht unberücksichtigt. In der FAZ-Rechnung wird also der EEG-Gesamtbetrag, der sich aus der Summe der Zahlungen der deutschen Haushalts-Stromverbraucher, aber auch aus Teilen der Industrie sowie dem Gewerbe zusammensetzt, einfach auf alle Stromverbraucher, d.h. alle Einwohner umgelegt.

Das offensichtliche mediale Ziel, die Energiewende in Deutschland immer weiter in ein schlechtes Licht zu rücken, dürfte vermutlich bei den meisten FAZ-Lesern trotzdem aufgegangen sein. Aussichten auf eine seriöse, sachliche und ausgewogene Berichterstattung zum Thema Energiewende und EEG sind offenbar weniger denn je in Sicht.

Weitere Informationen und Meldungen zum Thema

Paradox: EEG-Umlage steigt schneller als Ökostromproduktion
Strom: EEG-Befreiung befeuert Braunkohle-Boom
Vorwurf: Hat Roland Koch zum Steine werfen auf Photovoltaik-Anlagen aufgerufen?
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