13.05.2014, 11:05 Uhr

Fukushima: Mehr radioaktives Cäsium ausgetreten als gedacht

Fukushima – Wissenschaftler aus Japan haben festgestellt, dass die in die Atmosphäre ausgetretene Menge des radioaktiven Cäsiums-137 um den Faktor 1,5 höher ist als vom Anlagenbetreiber Tepco kalkuliert. Ein hoher Anteil des freigesetzten Cäsiums sei zudem direkt in den Ozean gelangt.

Dies berichteten japanische Medien. Das Wissenschaftler-Team um Professor Michio Aoyama hätte demnach ihre Ergebnisse im Rahmen einer Tagung der European Geosciences Union in Wien veröffentlicht, bei der es um die Folgen des Unglückes in Fukushima ging.

Werte höher als erwartet

Den Berichten zufolge sei der Anlagenbetreiber Tepco nach der Atom-Katastrophe im Jahr 2011 davon ausgegangen, dass etwa 13.600 Terabecquerel Cäsium ausgetreten sind. Die Wissenschaftler vermuten nun aber, dass zwischen 17.500 und 20.500 Terabecquerel des radioaktiven Cäsiums freigesetzt worden sind. Damit wäre der anzunehmende Wert 1,5 Mal höher als bisher erwartet. Auch wenn der Cäsiumwert sich bei vielen Wissenschaftlern unterscheidet, vertraut Professor Michio Aoyama vom Institute of Environmental Radioactivity der Fukushima-Universität auf die Ergebnisse seines Teams. Er äußerte dem News Network Kyodo News gegenüber, dass er die Ergebnisse seines Teams für am wahrscheinlichsten halte.

Ozean stark betroffen

Die Wissenschaftler versuchen herauszufinden, welche Langzeitwirkung das Cäsium-137 für die Umwelt hat. Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren und kann Krebs verursachen. Laut der Studie sind 14.000 bis 17.000 Terabequerel Cäsium-137 in die Atmosphäre freigesetzt wurden, während 3.500 Terabecquerel direkt in den Ozean geflossen seien. Ein Terabecquerel entsprechen einer Billionen Bequerel. Bei Tieren gilt beispielsweise ein Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm Gewicht. Zudem heißt es in der Studie, dass 12.000 bis 15.000 Terabecquerel des freigesetzten Cäsiums, zunächst in die Atmosphäre gelangt sind und im Anschluss daran in den Ozean. Der Rest soll auf die Erde gefallen sein, vor allen Dingen Europa sei betroffen gewesen.

Japan rückt vom Atomausstieg ab

Die japanische Regierung setzt dennoch weiter auf die Atomenergie. Wie IWR Online im April berichtete, hat die japanische Regierung einen neuen Energieplan verabschiedet, der vorsieht, dass ein Teil der nach dem Unglück abgeschalteten Atomkraftwerke wieder ans Netz gehen soll. Der Großteil der japanischen Bevölkerung hat Angst und spricht sich gegen Atomstrom aus. Nach dem Unglück hatte Japan zunächst einen Atomausstieg beschlossen. Innerhalb kürzester Zeit waren in Japan nach dem schweren Unglück rund 50 Atomkraftwerke vom Netz genommen worden.

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