11.06.2014, 12:06 Uhr

Spanien krempelt die EE-Vergütung um

Münster/Madrid – Die spanische Regierung hat einen massiven Umbau des Vergütungssystems für erneuerbare Energien beschlossen. Durch die Reform soll vor allem die Entwicklung der Kosten eingedämmt werden. Der Reformankündigung des Wirtschaftsministeriums folgte massive Kritik aus der Branche.

Seit dem Jahr 2005 sind nach Angaben des spanischen Wirtschaftsministeriums die Vergütungen für erneuerbare Energien, KWK und Abfall auf rd. 9 Mrd. Euro in 2013 gestiegen. Zwischen 1998 und 2003 seien mehr als 56 Mrd. Euro ausgeschüttet worden. Die aktuellen Regelungen würden dazu führen, dass jährlich Defizite erwirtschaftet werden.

Vergütungsberechnung wird umgestellt

Durch die Reform will die spanische Regierung das Vergütungssystem finanziell stabilisieren und so in der Branche und bei den Investoren wieder Vertrauen schaffen. Demnach soll den spanischen EE-Anlagenbetreibern eine Rendite von 7,4 Prozent über die gesamte Laufzeit der jeweiligen Vergütung garantiert werden. Die Vergütung orientiert sich zukünftig an individuellen Berechnungen für die einzelnen Anlagen. Die Neuregelungen betreffen rückwirkend auch sämtliche Bestandsanlagen bis zum Ende der jeweiligen Vergütungsdauer. Die Regierung erhofft sich so eine Senkung der Vergütungsausgaben um 1,7 Mrd. Euro in diesem Jahr.

Verbände laufen Sturm

Die Branche reagiert entsetzt auf die Ankündigungen des Ministeriums. Der spanische Windenergieverband AEE kündigte bereits eine Klagewelle „auf allen Ebenen“ gegen die Regelungen an. AEE-Präsident José López-Tafall bezeichnete die Regelungen als unverhältnismäßig und sieht die Gefahr einer Investitionslähmung. Auch der Solarenergieverband kritisiert den Beschluss. Demnach entziehe die Regierung rd. 62.000 spanischen Familien, die auf der Grundlage des bisherigen Vergütungssystems investiert hätten, nun die finanzielle Basis.

Abengoa-CTO im IWR-Interview: Kein Megawatt an zusätzlicher Kapazität

Weitere Unternehmen sehen im spanischen Markt kaum noch Potenzial. Im Rahmen eines Interviews im IWR-Monatsreport „Regenerative Energiewirtschaft“ (Ausgabe 06/2014) äußerte sich der CTO des Anbieters von Solarthermischen Kraftwerken Abengoa, Prof. José Dominguez Abascal, kritisch zu den Perspektiven: „Spanien führt immer noch die Weltspitze an installierter CSP-Kapazität – hier sind 2.204 MW in Betrieb. Aber Spanien ist wegen der regulatorischen Änderungen seit Januar 2012 nicht mehr der zentrale Markt für solarthermische Technologien. Mit dem Moratorium für die Erzeugung erneuerbarer Energie ist in den kommenden Jahren in Spanien nicht zu erwarten, dass auch nur ein Megawatt zusätzlicher Kapazität an solarthermischer Energie geschaffen wird.“

Dominguez Abascal weist aber im Interview auch darauf hin, dass in Spanien schon viel im regenerativen Sektor getan wurde. Demnach würde bei der Stromerzeugung in Spanien die Nachfrage nach derzeitigem Stand zu 53,5 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen abgedeckt. Hinzu kämen noch 23,1 Prozent aus Kernkraftwerken. Zusammen wurden 76,6 Prozent der landesweiten Nachfrage durch CO2-freie Kapazitäten abgedeckt. In Deutschland bestehe der Energiemix dagegen noch zu 50 Prozent aus Kohle. Auch sei die spanische Stromnachfrage wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise drastisch gesunken.

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