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30.10.2014, 14:58 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

Strom-Grünbuch: 100.000 MW Kraftwerks-Überkapazitäten in Europa

Berlin / Münster – Der interne Arbeitsentwurf des sogenannten "Grünbuchs" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie ist durchgesickert. Dabei sind spannende Information zum Thema Strommarkt 2.0 und zu Überkapazitäten in Europa ans Tageslicht gekommen. IWR Online hat den Entwurf näher angeschaut.

Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in dem Dokument, welches IWR Online vorliegt, schreibt, betragen die Überkapazitäten auf dem europäischen Strommarkt etwa 100.000 Megawatt. Davon sollen alleine 60.000 Megawatt für Deutschland relevant sein, heißt es in dem Berichtsentwurf mit dem Titel: "Ein Strommarkt für die Energiewende". Zudem werden darin die Vor- und Nachteile eines Kapazitätsmarktes diskutiert und sogenannte "Sowieso-Maßnahmen" dargestellt.

100.000 Megawatt Überkapazität in Europa
In dem Berichtsentwurf, der von Seiten des BMWi nicht offiziell bestätigt wurde, ist von enormen Überkapazitäten im europäischen Strommarkt die Rede. "Nach Angaben des aktuellen "Scenario Outlook and Adequacy Forecast" (SOAF-Bericht) von ENTSO-E betragen die Überkapazitäten an gesicherter Leistung in Europa derzeit mindestens 100 Gigawatt (ENTSO-E 2014). Davon liegen rund 60 Gigawatt in dem für Deutschland relevanten Strommarktgebiet, das näherungsweise als die Region bestehend aus Deutschland, seinen Nachbarn und Italien definiert werden kann. Auch für die nächsten Jahre sind hier erhebliche Überkapazitäten zu erwarten", ist in dem Grünbuch-Entwurf zu lesen.

Zudem wird in dem Entwurf darauf hingewiesen, dass die Übertragungsnetzbetreiber in ihrem Bericht zur Leistungsbilanz für Deutschland für den Zeitraum 2014 bis 2017 eine „verbleibende Leistung“ von ca. 10.000 Megawatt ausweisen, die zur Lastdeckung in Deutschland nicht benötigt wird und für Exporte zur Verfügung steht.

"Sowieso-Maßnahmen" in diversen Bereichen
Die "Sowieso-Maßnahmen" als Maßnahmen für einen sicheren, kosteneffizienten und umweltverträglichen Einsatz aller Erzeuger und Verbraucher beinhaltet fünf Kernpunkte. Diese sollen, wie der Name schon sagt, auf jeden Fall umgesetzt werden. Inhaltlich geht es darum, Marktsignale für Erzeuger und Verbraucher stärken, Stromnetze auszubauen und zu optimieren, eine einheitliche Preiszone zu bilden, europäische Kooperationen zu stärken und die Klimaschutzziele zu erreichen. Im Bereich Ausbau der Stromnetze will das BMWi demnach an den bisherigen Plänen festhalten. Im Berichtsentwurf heißt es: "Die als erforderlich identifizierten und vom Gesetzgeber bestätigten Netzausbauvorhaben einschließlich der Grenzkuppelstellen mit vorrangigem Bedarf werden realisiert." Dies sei auch nötig, um eine einheitliche Preiszone zu erhalten, heißt es.

Strommarkt 2.0 oder Kapazitätsmarkt
Auch die Notwendigkeit eines Kapazitätsmarktes wurde in diesem Grünbuch diskutiert. Eine eindeutige Position ist jedoch nicht zu erkennen. Es werden Vor- und Nachteile des Strommarktes 2.0 und des Kapazitätsmarktes beschrieben und die zur Durchsetzung des jeweiligen Marktdesigns notwendigen Maßnahmen aufgezeigt. Jedoch heißt es im Grünbuch: „Ein optimierter Strommarkt, der zulässt, dass Preissignale unverfälscht bei den Marktteilnehmern ankommen, abgesichert durch einen glaubwürdigen rechtlichen Rahmen, kommt nach wissenschaftlichen Untersuchungen ohne einen zusätzlichen Kapazitätsmarkt aus.“

Grünbuch, Weißbuch, Gesetz
Dieses Grünbuch stellt einen ersten Entwurf dar. Auf Anfrage von IWR Online beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wollte man uns darüber keine weiteren Informationen geben, da es sich dabei „um einen internen Arbeitsentwurf“ handle. Es soll nach der Veröffentlichung als Diskussionsgrundlage dienen, heißt es in dem vorliegenden Entwurf. Stellungnahmen dazu können demzufolge dann bis März 2015 beim BMWi eingereicht werden. Ende Mai sollen die Stellungnahmen eingearbeitet und in einem „Weißbuch“ veröffentlicht werden. Dies soll wiederum bis September 2015 öffentlich konsultiert werden. Daran folgen die notwendigen Gesetzgebungen.

Weitere News und Informationen zum Thema:

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© IWR, 2014







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