28.03.2012, 11:55 Uhr

Japan vollzieht faktisch größten Atomausstieg in der Geschichte

Tokio, Münster – Anfang Mai 2012 geht auf der Insel Hokkaido das letzte von 54 japanischen Atomkraftwerken vom Netz. Japan ist dann ein atomstromfreies Land und hat im Ergebnis binnen eines Jahres den schnellsten und größten Atomausstieg der Welt vollzogen. Fast 50.000 Megawatt (MW) Kernkraftleistung produzieren dann keinen Atomstrom mehr, ohne dass es zu einem Blackout gekommen wäre. „Ein derartiger Schnellausstieg aus der Kernkraft wie in Japan ist beispiellos und hat es bisher in keinem Land der Erde gegeben“, so IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch. Zum Vergleich: In Deutschland sind nach der Stilllegung von den ehemals 17 Kernkraftanlagen noch immer 9 AKW mit einer Leistung von 12.700 MW in Betrieb. Angesichts der Debatten in Deutschland um angebliche Stromknappheit und Diskussionen um das Anzapfen der Kaltreserve zeigt das Beispiel Japan, wie schnell ein kompletter Atomausstieg im Ernstfall möglich ist.

Japanische Energiepolitik nach dem Öl-Preisschock

Der Hauptgrund für den Einstieg Japans in die Kernenergie waren die zahlreichen Öl-Kraftwerke und die hohe Öl-Abhängigkeit des Landes in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Der Ölpreisschock hat in Japan, wie in viele anderen Industrieländern auch, die Nutzung der Kernenergie erst ermöglicht. Die japanischen Kernkraftwerke haben 2010 rd. 30 Prozent des Strombedarfs gedeckt. Ersatzweise werden nun wieder zunächst verstärkt thermische Kraftwerke (Kohle, Öl und Gas) eingesetzt. Wann und ob die abgeschalteten Kernkraftwerke überhaupt wieder ans Netz gehen, ist ungewisser denn je. Zustimmen müssen die lokalen Regierungen, die sich aber nach dem Fukushima-Unglück um die Sicherheit der eigenen Bevölkerung sorgen.

Erneuerbare Energien als Chance?

Japan hat ein hohes Potential an erneuerbaren Energien, nutzt diese Möglichkeiten aber bisher kaum. Allein eine höhere Solarenergienutzung könnte die akuten Probleme im Sommer lösen, wenn tagsüber besonders viele Klimaanlagen laufen und eine hohe Kraftwerksleistung benötigt wird. Gerade Photovoltaik-Anlagen produzieren tagsüber genau dann Strom, wenn die zusätzliche Leistung benötigt wird und auch dann, wenn die Sonne nicht direkt scheint. Wie schnell Solaranlagen zur Stromerzeugung beitragen können, zeigt das Beispiel Deutschland: Binnen eines Jahres (2011) wurden 7.500 MW Photovoltaik-Leistung neu installiert. Der Bau konventioneller Kraftwerke mit einer solchen Leistung würde viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern.

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