23.12.2013, 09:48 Uhr

Kartellamt und Netzagentur fordern mehr Wettbewerb und Netzausbau

Bonn – Bundeskartellamt und Bundesnetzagentur haben ihren zweiten gemeinsamen Monitoringbericht über die Entwicklung der Elektrizitäts- und Gasmärkte veröffentlicht. Sie erkennen einen fundamentalen Wandel der deutschen Energielandschaft und skizzieren Reformvorschläge für die aus Ihrer Sicht drängenden Fragen.

Wie der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt und Joachim Homann, Präsident der Bundesnetzagentur darlegen, ist der anhaltende Zubau von Stromerzeugungskapazitäten aus Erneuerbaren Energien die treibende Kraft für die Veränderung des Energiesektors.

Mundt: Erneuerbare werden subventioniert

Mundt zufolge entsteht durch die Verdrängung konventioneller Stromerzeugung durch erneuerbare Energien ein erheblicher Druck auf die bestehende Erzeugungsstruktur. Die Veränderung habe wettbewerbliche Konsequenzen, da die Erneuerbaren Energien seiner Ansicht nach subventioniert und gesetzlich geschützt seien. Der Mangel an Wettbewerb erzeuge Kosten, die die Verbraucher über die EEG-Umlage trügen. Als Lösung schlägt er eine Steigerung der Wettbewerbsintensität im Strommarkt durch eine verpflichtende Direktvermarktung für Neuanlagen der Erneuerbaren Energien vor. Dies solle sie in den Markt zu integrieren und den Vergütungsmechanismus lösen. „Wo der Wettbewerb sich im Energiebereich entfalten kann, zeigt er seine positive Wirkung“, so Mundt.

Störungsfreie Netze seien als natürlicher Monopolbereich für Strom-Großhandel und Strom-Einzelhandel von Bedeutung. In beiden Bereichen sieht der Bericht positive Wettbewerbsentwicklungen. Die Zahl der verfügbaren Stromtarife im Einzelhandel ist demnach weiter gestiegen, ebenso wie der Strompreis, was jedoch vor allem durch die EEG-Umlage bedingt sei. Kritisch sieht der Bericht, dass aktuell nur ein geringer Teil des Endkundenpreises dem Wettbewerb zugänglich ist.

Übertragungsnetze bereits an der Grenze der Belastbarkeit?

Auch Homann attestiert eine tiefgreifende Veränderung im Erzeugungsbereich, mit unmittelbarer Wirkung auf die Stromnetze, vor allem im Norden. Ein weiterer Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten aus Erneuerbaren Energien erfordere daher einen Ausbau der Übertragungsnetze. Diese seien bereits jetzt an Ihre Grenzen gelangt. Im Berichtszeitraum 2013 mussten die Übertragungsnetzbetreiber demnach immer öfter in die Stromerzeugung eingreifen um das Netz zu stabilisieren.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) fordert als Reaktion auf den Bericht dagegen einen Ausbau der Verteilnetze. Hauptgeschäftsführer Reck zufolge schlage sich die Energiewende vor allem in den Verteilnetzen nieder, diese liefen „von unten voll“.

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