25.07.2014, 08:33 Uhr

Studie bestätigt: Deutsche Kohlekraftwerke sind die klimaschädlichsten Europas

Münster – Insgesamt vier der fünf schmutzigsten Kohlekraftwerke stammen aus Deutschland. Sie werden von RWE und Vattenfall betrieben. Auf der Liste der 30 schmutzigsten Kohlekraftwerke Europas befinden sich neun Kraftwerke aus Deutschland.

Die Umweltverbände WWF, CAN Europe, European Environmental Office, Health and Environment Alliance (HEAL) und Klimaallianz kommen bei einer neuen Studie zu dem Ergebnis, dass die deutschen Kohlekraftwerke die klimaschädlichsten in Europa sind. Ein ähnliches Bild zeichnete die EU-Kommission bereits im April dieses Jahres.

Neun von 30 aus Deutschland

Verschiedene Umweltorganisationen haben eine Studie namens "Europe´s Dirty 30" vorgelegt, die auch eine Liste der 30 Kohlekraftwerke mit dem größten CO2-Ausstoß in Europa umfasst. Neun der 30 Kraftwerke der Liste kommen aus Deutschland, von den Top-Fünf sogar vier. Angeführt wird die Liste allerdings von dem Belachatow-Kraftwerk in Polen mit einem CO2-Ausstoß von 37,18 Mio. Tonnen im vergangenen Jahr. Die Braunkohle-Kraftwerke Neurath und Niederaußem von RWE sowie Jänschwalde und Boxberg folgen dem Kraftwerk aus Polen. Der CO2-Ausstoß dieser Kraftwerke soll 2013 zwischen 29,58 und 21,89 Mio. Tonnen gelegen haben. RWE und Vattenfall stellen noch zwei weitere Kraftwerke der Top-Zehn (Weisweiler und Lippendorf). Die restlichen deutschen Kraftwerke der Liste sind auf Platz zwölf (Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe), Platz 17 (Steinkohlekraftwerk von E.ON) und Platz 29 (Großkraftwerk Mannheim) zu finden. Nicht nur Deutschland ist mit neun Kraftwerken auf der Liste vertreten, Großbritannien taucht mit der gleichen Anzahl an Kraftwerken auf. Nach Angaben des WWF werden die Kraftwerke in Großbritannien mit veralteter Technik aus den 60er und 70er Jahren betrieben. Insgesamt werden mit dieser Studie die Zahlen der EU-Kommission bestätigt, die im April bekannt wurden.

Deutsche Emissionen wegen Kohlestrom steigen

Die internationale Energieagentur (IEA) kommt zu der Einschätzung, dass der Anteil von Kohlestrom bis 2035 auf vier Prozent fallen müsse, um die Klimaziele Europas zu erreichen. Deutschland hat neben den vielen schadstoffreichen Kraftwerken auch die meiste Kohle in den vergangenen Jahren verfeuert, heißt es beim WWF. Die CO2-Emissionen seien seit 2012 um 1,5 Prozent gestiegen. Außerdem seien die Braunkohleemissionen auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Lediglich der Ausbau der erneuerbaren Energieträger hätte einen noch höheren Wert verhindert. „Die Klimaschutzpolitik von Deutschland und Großbritannien hat einen bitteren Beigeschmack. Die hohen Braunkohleemissionen höhlen den Erfolg der Klimaschutzarbeit aus. Wir müssen dringend mit wirksamen Maßnahmen wie der raschen strukturellen Reform des europäischen Emissionshandels gegensteuern“, sagt Regine Günther, Leiterin Klima und Energiepolitik beim WWF Deutschland. Für WWF liegt der Grund für die steigende Kohleverstromung in der wachsenden Schere zwischen Kohle- und Erdgaspreisen und in dem „unwirksamen“ Emissionshandel. WWF fordert 2,3 Mrd. Zertifikate vom Markt zu nehmen und jährlich das Budget der CO2-Emission um 2,6 Prozent zu verknappen.


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