Heizungsmarkt Deutschland 2025: Absatz auf niedrigstem Stand seit 15 Jahren - Politische Unsicherheit bremst Investitionen - Produktionsstandort unter Druck

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Köln/Berlin - Der deutsche Heizungsmarkt steckt in der Krise: Der Absatz von Heizungsanlagen ist systemübergreifend 2025 auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gefallen. Hersteller sehen sich wachsenden wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt und fordern klare politische Rahmenbedingungen, um Investitionen und Modernisierung wieder in Gang zu bringen.
Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie wurden im vergangenen Jahr nur noch 627.000 Heizungen verkauft. Politische Unsicherheit, Zurückhaltung der Verbraucher und eine stockende Modernisierung belasten den Markt. Selbst wachsende Segmente wie Wärmepumpen können den Einbruch im Gesamtmarkt nicht ausgleichen.
Absatz auf historischem Tiefstand setzt Hersteller unter Druck
Der Heizungsabsatz in Deutschland ist 2025 das zweite Jahr in Folge gesunken. Laut Jahresbilanz des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) wurden 2025 lediglich rund 627.000 Anlagen verkauft, ein Minus von zwölf Prozent gegenüber dem bereits schwachen Vorjahr 2024. Damit liegt der Markt deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Dekade von rund 800.000 Geräten pro Jahr.
Die Folgen für Industrie und Handwerk sind spürbar. „Der Produktionsstandort für Heizungsanlagen in Deutschland steht unter Druck. Die Politik muss jetzt schnellstmöglich einen verlässlichen, bedarfsgerechten und investitionsfreundlichen ordnungspolitischen Rahmen schaffen, flankiert von einer stabilen Förderung und die Bürgerinnen und Bürger auf diesem Weg mitnehmen“, warnt BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt.
Die Branche verfüge zwar weiterhin über Kapazitäten, doch ohne verlässliche Nachfrage verschärfe sich die wirtschaftliche Lage vieler Hersteller. Der rückläufige Markt trifft dabei nicht nur klassische Wärmeerzeuger, sondern auch vor- und nachgelagerte Bereiche.
Politische Unsicherheit bremst Investitionen und verzögert Entscheidungen
Als zentrale Ursache für die Absatzkrise sieht der Verband die anhaltende Verunsicherung durch politische Debatten. Insbesondere die kontroverse Diskussion um das Gebäudeenergiegesetz im Jahr 2023 habe das Vertrauen der Verbraucher nachhaltig beschädigt. Zwar sieht der Koalitionsvertrag eine Gesetzesnovellierung vor, konkrete Nachfolgeregelungen stehen jedoch bislang aus.
„Verbraucherinnen und Verbraucher handeln rational: Solange die politischen Rahmenbedingungen unklar sind, werden Investitionen in neue Heizungen aufgeschoben“, so Staudt. Auch die kommunale Wärmeplanung wirke vielerorts eher bremsend als orientierend. Unklare Perspektiven zur künftigen Wärmeversorgung und eine mangelhafte Kommunikation auf kommunaler Ebene führten dazu, dass viele Eigentümer Entscheidungen vertagen.
Wachstum bei Wärmepumpen kompensiert Gaseinbruch nicht - Modernisierungsstau verschärft Herausforderungen für Klimaschutz
Zwar legten Wärmepumpen 2025 mit rund 299.000 verkauften Geräten um 55 Prozent zu, doch reicht dieses Wachstum nicht aus, um den Einbruch im Gesamtmarkt zu kompensieren. Das noch unter der Ampelregierung beschlossene politische Ziel von 500.000 installierten Wärmepumpen pro Jahr wurde erneut deutlich verfehlt. Biomasseheizungen wie Pelletanlagen verzeichneten mit 29.000 Geräten zwar eine leichte Erholung, bleiben aber auf niedrigem Niveau.
Parallel sinkt auch der Absatz von Systemkomponenten wie Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, Umwälzpumpen oder Heizkörpern. Die schwache Neubaukonjunktur verstärkt diesen Trend. Dabei sind diese Technologien zentral für Effizienzgewinne und CO2-Minderung.
„Wir brauchen jetzt einen Neustart mit einem verlässlichen politischen Kurs, der Planungssicherheit schafft und alle effizienten technologischen Lösungen einbezieht. Technologiedebatten tragen nicht dazu bei, die bestehende Verunsicherung bei den Verbrauchern aufzulösen“, so Staudt.
Die geringe Modernisierungsrate gilt als Hypothek für die Zukunft. Über 40 Prozent der Heizungen im Bestand entsprechen nicht dem Stand der Technik, viele sind älter als 30 Jahre. „Je geringer die Modernisierungsraten in der Gegenwart sind, desto mehr muss in den kommenden Jahren modernisiert werden. Wir schieben eine immer größer werdende Welle vor uns her“, warnt Staudt. Um Klimaziele und Versorgungssicherheit zu erreichen, wären jährlich rund eine Million Modernisierungen erforderlich.
Quelle: IWR Online
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