04.02.2026, 10:57 Uhr

Bund steigt bei Tennet Germany ein: 25,1 Prozent Beteiligung über KfW unterzeichnet


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Frankfurt / Bayreuth - Der Bund beteiligt sich über die KfW mit 25,1 Prozent an Tennet Germany. Der Einstieg markiert einen strategischen Schritt zur Absicherung des milliardenschweren Netzausbaus und stärkt die staatliche Einflussnahme auf kritische Energieinfrastruktur in Deutschland.

Mit der Vertragsunterzeichnung am 3. Februar erhält der Bund Mitspracherechte bei Deutschlands größtem Übertragungsnetzbetreiber. Die Beteiligung erfolgt zu gleichen Konditionen wie bei privaten Investoren und steht unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen.

Strategischer Einstieg des Bundes sichert Einfluss und Finanzierung

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau hat im Auftrag der Bundesregierung den Vertrag zum Erwerb von 25,1 Prozent der Anteile an Tennet Germany von der niederländischen Tennet Holding unterzeichnet. Der Übertragungsnetzbetreiber betreibt mit mehr als 14.000 Trassenkilometern das größte deutsche Strom-Übertragungsnetz und ist zentral für den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Integration von Offshore-Windstrom.

Mit der Minderheitsbeteiligung erhält der Bund Mitbestimmungsrechte bei Geschäftsführung und Geschäftsplan sowie die Entsendung stimmberechtigter Vertreter in Gesellschafter- und Aufsichtsgremien. Bundesministerin Katherina Reiche betont den energiepolitischen Kontext: „Für das Erreichen der energiepolitischen Ziele ist der bedarfsgerechte Ausbau der Stromnetze erforderlich. Der Einstieg des Bundes bei Tennet trägt dazu bei, den milliardenschweren Kapitalbedarf in den kommenden Jahren abzusichern. Mit dieser Investition in die Infrastruktur der Zukunft stärken wir den Standort Deutschland."

Finanziell wird der Anteilserwerb durch eine Risikoübernahme des Bundes abgesichert, ohne dass Mittel aus dem Bundeshaushalt abfließen. Die Refinanzierungs- und Verwaltungskosten der KfW werden hingegen aus dem Haushalt getragen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte die dafür nötigen Mittel Mitte Januar 2026 freigegeben. Die Angemessenheit des Kaufpreises wurde durch zwei Fairness Opinions sowie ein Wirtschaftlichkeitsgutachten bestätigt.

Investorenstruktur, Bewertung und Zeitplan bis 2026

Der Bund erwirbt seinen Anteil zu denselben Bewertungsgrundlagen wie die privaten Mitinvestoren. Konkret geht es um einen Kaufpreis von rund 3,3 Mrd. Euro. Bereits im September 2025 hatten der norwegische Staatsfonds Norges Bank Investment Management, der niederländische Pensionsfonds APG und der singapurische Staatsfonds GIC angekündigt, bis 2029 insgesamt bis zu 46 Prozent an Tennet Germany zu übernehmen und Kapitaleinlagen von bis zu 9,5 Mrd. Euro zu leisten.

Tennet-CEO Manon van Beek begrüßt den staatlichen Einstieg: „Der deutsche Staat ist einer der wichtigsten Stakeholder für Tennet in Deutschland. Diese Mitbeteiligung schafft einen wertvollen zusätzlichen Beitrag, insbesondere mit Blick auf die wachsende Investitionsagenda und die neuen geopolitischen Realitäten. Tennet bleibt auch in Zukunft der zuverlässigen, nachhaltigen und bezahlbaren Stromversorgung verpflichtet.“

Langfristig soll sich der Anteil der Tennet Holding auf 28,9 Prozent verwässern, sie bleibt damit aber in alle wesentlichen Entscheidungen eingebunden. Synergieeffekte zwischen Tennet Netherlands und Tennet Germany sollen erhalten bleiben, insbesondere bei der gemeinsamen Entwicklung der Infrastruktur für Offshore-Windparks in der Nordsee. Der direkte Erwerb durch die KfW ermöglicht zudem die Rückzahlung eines Gesellschafterdarlehens des niederländischen Staates in Höhe von rund 3,3 Mrd. Euro.

Der Vollzug der Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen und wird spätestens für das dritte Quartal 2026 erwartet. Neben bestehenden KfW-Beteiligungen an 50Hertz und TransnetBW wäre der Bund dann an drei der vier deutschen Stromübertragungsnetzbetreiber beteiligt.

Quelle: IWR Online

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