28.03.2018, 12:51 Uhr

Stromkunden zahlen weiter zu viel für die Stromnetze

Erlenbach - Die Netzentgelte für Strom in Deutschland sind nach Ansicht der DEG Deutsche Energie GmbH viel zu hoch. Die Politik soll den Kurs der Bundesnetzagentur (BNetzA) nach Absenkung der Renditen für Netzbetreiber stützen, lautet die Forderung.

Für die privaten Stromkunden sind die Netzentgelte innerhalb eines Jahres um fast neun Prozent auf die Rekordhöhe von durchschnittlich 7,30 Cent je Kilowattstunde gestiegen, teilte die DEG mit. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat nun vor kurzem in einem Urteil gegen die Bundesnetzagentur und eine mögliche Entlastung vieler Stromkunden entschieden.

Verbraucher zahlen hohe Renditen an Netzbetreiber

Auf Anregung der Bundesnetzagentur sollte die bisherige Rendite durch Eigenkapitalverzinsung von 9,05 Prozent für die Investition in neue Netze (Strom, Gas) sowie jene von 7,14 Prozent auf bestehende Anlagen deutlich gesenkt werden. Ab 2018 bzw. 2019 sollten nur noch 6,21 Prozent auf neue und 5,12 Prozent auf bestehende Anlagen zugestanden werden. Diese Renditen kommen durch die Netzentgelte zustande, welche von den Kunden der Netzbetreiber als Teil derer Gas- und Stromrechnungen bezahlt werden.

"Es ist ein positiver Ansatz der Bundesnetzagentur, die Renditen für die Netzbetreiber zu senken und somit die Verbraucher zu entlasten. Es wäre wünschenswert, wenn nun die Politik eingreifen und den Kurs der Bundesnetzagentur stärken würde. Die Kunden müssten inzwischen ein größeres Interesse an einer Senkung der Netzentgelte haben, als an der Reduzierung der EEG-Umlage, mit welcher der Ausbau der Ökostrom-Netze finanziert wird", erklärt Marktexperte Tillmann Raith, Geschäftsführer der DEG Deutsche Energie GmbH.

DEG Deutsche Energie kritisiert Vorteile für die Branchenriesen

Die Senkung der Renditen hätte für die Verbraucher in den Jahren 2019 bis 2023 eine Entlastung um etwa 2,1 Milliarden Euro bedeutet, so die DEG. Verschiedene Gutachter halten unterschiedliche Absenkungen zwischen 1,3 und 4 Milliarden Euro für angemessen. Es bestünde also eine gute Chance auf eine Senkung der nach wie vor durch staatliche Belastungen zu hohen Strompreise. Tatsächlich kommt es wohl zu weitren Kostensteigerungen bei den Netzentgelten in den kommenden Jahren. Raith: "Hier wird offensichtlich viel Rücksicht auf einflussreichen Netzriesen Eon und RWE genommen, deren Renditen in ihrem risikofreien Geschäft, vor allem auch angesichts niedriger Marktzinsen, viel zu hoch sind.“

Quelle: IWR Online

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