02.04.2019, 15:24 Uhr

Klimabilanz 2018: Treibhausgas-Emissionen sinken in Deutschland

Berlin - In Deutschland wurden 2018 insgesamt 868,7 Mio. Tonnen Treibhausgase freigesetzt - rund 38 Millionen Tonnen oder 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Das geht aus einer ersten Schätzung des Umweltbundesamtes (UBA) hervor.

Die jetzt vom Umweltbundesamt vorgelegte Klimabilanz 2018 für Deutschland ist eine erste Detailschätzung, d.h. eine mit entsprechenden Unsicherheiten verbundene Prognose. Sie leitet sich aus einem System von Modellrechnungen und Trendfortschreibungen der im Januar 2019 veröffentlichten detaillierten Treibhausgasemissionsberechnungen des Jahres 2017 ab.

Treibhausgase gehen nach Jahren der Stagnation wieder zurück

Wie das UBA in seiner Prognoseberechnung ermittel hat, wurde nach vier Jahren Stagnation erstmals wieder eine nennenswerte Reduzierung im Vergleich zum Vorjahr erreicht. Deutliche Emissionsrückgänge gab es bei Energiewirtschaft und Haushalten. Auch im Verkehrssektor gingen die Emissionen leicht zurück. Gründe für diese Entwicklung sind nach UBA-Angaben der zurückgehende Verbrauch von fossilen Energien und die außergewöhnliche Witterung im Jahr 2018. Im Vergleich zu 1990 hat Deutschland seine Emissionen damit um 30,6 Prozent gesenkt. Bis 2030 müssen die Emissionen nach Beschlusslage der Bundesregierung um mindestens 55 Prozent gesenkt werden.

Energie: Erneuerbare Energien verdrängen fossile Energieträger

Von den insgesamt 38 Mio. Tonnen Minderung entfielen rund 14 Mio. Tonnen CO2 auf die Energiewirtschaft (4,5 Prozent Senkung), so die UBA-Prognose. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nahm 2018 zu, die aus sämtlichen fossilen Energieträgern ging zurück – unter anderem aufgrund der Stilllegung von Kraftwerken. Den deutlichsten Emissionsrückgang verzeichnete die Steinkohle. Ein Faktor ist hier der infolge der Reform des EU-Emissionshandels gestiegene CO2-Preis. Im Laufe des Jahres wurden Steinkohle-Kraftwerke mit rund 1,5 Gigawatt Leistung stillgelegt bzw. gingen in die Netzreserve. Ein weiterer Effekt war der Dürresommer 2018: Niedrige Wasserstände an den Flüssen führten zu geringeren Transportkapazitäten und damit zu höheren Steinkohlepreisen. Die Emissionen aus der Braunkohlenutzung sanken um etwa 3,6 Mio. Tonnen. Am 1. Oktober 2018 haben drei Kraftwerksblöcke (zwei in Niederaußem, einer in Jänschwalde) die Stromproduktion eingestellt und wurden in die Sicherheitsbereitschaft überführt. Die Emissionen aus der Erdgasverbrennung gingen ebenfalls leicht zurück.

Hohe Temperaturen 2018: Verbraucher sparen Heizöl

Ein mit rund 15 Mio. t CO2 (bzw. 10,9 Prozent) deutlicher Emissionsrückgang im Vergleich zum Vorjahr ist im Bereich der Haushalte und Kleinverbraucher (=übrigen Feuerungsanlagen) zu verzeichnen. Besonders beim Heizöl ist der Absatz 2018 deutlich gesunken. Eine Erklärung dafür ist die milde Witterung und der damit verbundene geringere Brennstoffbedarf. Eine andere Ursache sind wiederum die infolge des Dürresommers niedrigen Wasserstände vieler Flüsse: In vielen Fällen konnten die Frachter die Flüsse nicht befahren, was zu Heizöl-Knappheit und höheren Preisen führte. Zahlreiche Kunden dürften daher den Heizölkauf auf das Jahr 2019 verschoben haben.

Verkehr: Geringer Rückgang der Treibhausgase

Im Verkehrsbereich sanken die Emissionen um rund 5 Mio. Tonnen bzw. 2,9 Prozent. Dieser Rückgang betrifft nicht nur Ottokraftstoffe, sondern erstmals seit vielen Jahren auch Dieselkraftstoff. Eine Erklärung könnten die höheren Preise für Benzin (+ 7 Prozent ggü. Vorjahr) und Diesel (+12 Prozent ggü. Vorjahr) sein.

Landwirtschaft: Emissionen steigen - Rückgang in der Abfallwirtschaft

Während in der Landwirtschaft die Treibhausgas-Emissionen leicht um 0,7 Prozent anstiegen, was auf eine Zunahme der Tierbestände zurückzuführen ist, gingen sie im Abfallsektor um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Dieser anhaltende Rückgang geht maßgeblich auf die Entwicklung im Bereich der Abfalldeponierung zurück, teilte das UBA mit. Seit 2005 dürfen in Deutschland keine biologisch abbaubaren Abfälle mehr deponiert werden, was sich neben Abfalltrennung und Recycling bei den Emissionen positiv bemerkbar macht.

Hinweis zur Korrektur-Meldung des BMU vom 05.04.2019

Am 05.04.2019 hat das BMU eine korrigierte Fassung zur Klimabilanz 2018 heruasgegeben. Die geschätzten Rückgänge bei den Treibhausgasemissionen fallen etwas höher aus als zunächst mitgeteilt: Statt 4,2 Prozent sind die Emissionen um 4,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen; statt 38 Millionen Tonnen wurden rund 41 Millionen Tonnen weniger Treibhausgase ausgestoßen, so das BMU weiter. Der Fehler beruht danach auf einer falschen Datengrundlage des Tierbestands. Dieser ist 2018 nicht gestiegen, sondern gesunken. Zur korrigierten BMU-Pressemitteilung.

Quelle: IWR Online

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