02.09.2019, 17:13 Uhr

BNE kritisiert schleppende Smart Meter Zertifizierung

Berlin - Vor drei Jahren ist in Deutschland das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende in Kraft getreten. Das Zwischenfazit des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft (BNE) fällt ernüchternd aus.

Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende gilt zwar bereits seit September 2016. Die Verbreitung von Smart Meter Gateways steckt trotzdem noch in der Initialisierungsphase. Zwar sind Geräte mit den entsprechenden Funktionen grundsätzlich verfügbar, es fehlt allerdings bislang eine Zertifizierung der Smart Meter Gateways durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) fordert eine Reformierung des Zertifizierungsprozesses.

Smart Meter Rollout kommt nur langsam voran

Seit dem 2. September 2016 ist das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende in Kraft. In dem Artikelgesetz wird u.a. der Messstellenbetrieb und der Rollout von modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen geregelt. Letztere ermöglichen das Smart Metering, d.h. den automatischen Versand von Messdaten von z.B. Hausanschlüssen, Geräten, Elektrofahrzeugen über ein Kommunikationsnetz. Ziel ist es, bis zum Jahr 2032 Messstellenbetreiber, Letztverbraucher und Erzeugungsanlagen mit modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen auszustatten. Bislang kommt der Smart Meter Rollout aber nur langsam voran. Obwohl auf dem Markt freie Messsysteme erhältlich sind, sind laut Monitoringbericht der Bundesnetzagentur (Stand Mai 2019) von 41,2 Millionen Zählpunkten bei Haushaltskunden erst rd. 558.500 mit modernen Messeinrichtungen und rd. 462.000 mit Messsystemen ausgestattet. Intelligente Messsysteme (moderne Messeinheit kombiniert mit einer Kommunikationseinheit (Smart-Meter-Gateway)) sind bisher noch nicht verbaut. Drei Jahre nach dem Inkrafttreten der Gesetze zeigt sich also eine unbefriedigende Situation: Einerseits sind am Markt Messsysteme verfügbar, die innovative Energieprodukte ermöglichen. Doch andererseits nimmt der Einbau dieser Geräte kaum Fahrt auf.

Fehlende Sicherheitsprüfung hemmt Verbreitung

Ein Grund für die schleppende Modernisierung ist nach Einschätzung des Bundesverbandes Neue Energiewirtschaft die fehlende Sicherheitsprüfung (BSI-Zertifizierung), die bei Nutzern und Unternehmen zu einer abwartenden Haltung führt. „Im Unterschied zu vielen anderen Branchen, in denen die Digitalisierung bereits grundlegende Veränderungsprozesse gebracht hat, steht in der Energiewirtschaft dieser Wandel erst noch bevor“, so BNE Geschäftsführer Robert Busch. Zwar stünden heute freie Messsysteme zur Verfügung, um innovative Energieprodukte, Laststeuerung, Verbrauchsvisualisierungen oder Smart-Home-Produkte umzusetzen. Anwender warten allerdings auf die Markterklärung für Smart-Meter-Gateways und den Rollout der zertifizierten Systeme durch das BSI. Die Zertifizierung verzögere sich allerdings seit mehreren Jahren und werde doch bis auf weiteres lediglich Geräte zertifizieren, die nur einen sehr begrenzten Anwendungsbereich haben, so der BNE. Moderne Anwendungen wie zum Beispiel variable Stromtarife, Smart-Home-Anwendungen, Ladestromtarife für Elektroautos, systemdienliche Steuerung von Erzeugungsanlagen oder variablen Lasten seien damit weiterhin nicht möglich. „Daher sollte der Gesetzgeber endlich erkennen, dass der gewählte Weg der BSI-Zertifizierung in die Irre führt und es dringend notwendig ist, dass Messstellenbetriebsgesetz für Innovationen zu öffnen“, appelliert Busch. Die Politik müsse den BSI-Zertifizierungsprozess grundsätzlich reformieren und die gesetzlichen und behördlichen Vorgaben auf grundlegende Mindestanforderungen beschränken. Dann wäre es auch in Deutschland möglich, mit einem flächendeckenden Rollout innovativer Messsysteme zu beginnen, die sowohl einen attraktiven Kundennutzen bieten und den Rollout zu bezahlbaren Kosten ermöglichen.

Quelle: IWR Online

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