Solaredge und Helioplant starten Kooperation: Bifaziales PV-System für alpine Skigebiete

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Sölden (Österreich) - Solaredge und Helioplant bündeln ihre Technologien, um Photovoltaik in größerem Maßstab in alpinen Hochlagen zu etablieren. Ein bifaziales PV-System mit kreuzförmiger Trägerstruktur soll auch unter extremen Wetterbedingungen stabile Erträge liefern und neue Marktchancen in Skigebieten eröffnen.
Kern der Kooperation zwischen dem RENIXX-Konzern Solaredge und Helioplant ist ein neuartiges PV-Design für Gebirgsregionen, das Schneeverwehungen, Verschattung und den hohen Bauaufwand herkömmlicher Systeme adressiert. Eine 6,3-MWp-Anlage in Sölden dient als Referenzprojekt und soll künftig rund ein Drittel des Strombedarfs mehrerer Skigebiete decken.
Bifaziale Photovoltaik für extreme alpine Bedingungen
Solaredge und das österreichische Unternehmen Helioplant haben eine strategische Zusammenarbeit angekündigt, um Solarenergie in Gebirgs- und Hochlagen wirtschaftlich nutzbar zu machen. Im Mittelpunkt steht ein patentiertes, kreuzförmiges Trägersystem von Helioplant für bifaziale Solarmodule, das speziell für alpine Regionen entwickelt wurde. Herkömmliche lineare PV-Systeme stoßen dort häufig an ihre Grenzen, da Schneeverfrachtungen, wechselnde Windverhältnisse und Verschattung zu erheblichen Ertragsverlusten führen.
Die baumähnliche Helioplant-Struktur besteht aus vier Modulfeldern, die an einer zentralen Säule befestigt sind und je nach Hangneigung bis zu 16 bifaziale Module tragen. Durch die kreuzförmige Anordnung entstehen nach Angaben der Unternehmen Luftverwirbelungen, die Schneeablagerungen reduzieren und die Module weitgehend schneefrei halten. Gleichzeitig bildet sich rund um die Konstruktion eine Schneemulde, die Licht auf die Modulrückseite reflektiert und dadurch die Energieerträge zusätzlich steigert (Albedo-Effekt). Das baumähnliche Design macht das PV-System aus Sicht von Solaredge und Helioplant zudem ideal für Bergregionen, da es sich harmonisch in die Landschaft einfügt.
„Bifaziale PV-Systeme sind ideal für alpine Regionen, da sie sowohl direktes Sonnenlicht als auch reflektiertes Licht vom Schnee einfangen und so die Gesamtenergieerträge steigern“, erklärt Helioplant-Mitgründer Florian Jamschek. Mit Blick auf weltweit rund 6.000 Skigebiete sieht das Unternehmen ein erhebliches Marktpotenzial für winterfeste Solarlösungen.
Solaredge-Technologie als Schlüssel zur Wirtschaftlichkeit
Ein zentrales Element der Kooperation ist die Integration der Wechselrichter- und Leistungsoptimierer-Technologie von Solaredge. In alpinen PV-Anlagen treten aufgrund von Eigenverschattung und variierenden Rückseiten-Erträgen bei bifazialen Modulen starke Leistungsunterschiede zwischen einzelnen Modulen auf. Traditionelle Strang-Wechselrichter reduzieren die Gesamtleistung des Solarsystems auf das Niveau des schwächsten Moduls im Strang - das bedeutet, dass ein verschattetes Modul den Energieertrag erheblich mindern kann.
Um dieses Problem zu lösen, ermöglichen Solaredge Leistungsoptimierer, dass jedes Solarmodul unabhängig arbeitet, sodass leistungsschwache Module nicht den gesamten Strang-Ertrag beeinträchtigen. Dies verbessert den Gesamtertrag und die Wirtschaftlichkeit des Systems. Diese Lösung ist ideal für bifaziale Module, die erhebliche Schwankungen beim Rückseiten-Ertrag aufweisen können - bei Helioplant® sogar noch stärker durch Lichtreflexionen auf unebenem Schnee.
„Während unsere baumähnliche Struktur für bifaziale PV die Herausforderungen der Solarenergie in alpinen Hochlagen löst, weist sie allerdings stärkere Eigenverschattungen der Module auf. Die einzige Lösung, um dieses Problem zu überwinden und die Energieerträge zu maximieren, war die Integration der SolarEdge Technologie. Das bedeutet, dass wir unser Versprechen einlösen können, zuverlässige und stabile saubere Energie bereitzustellen, auf die Skigebiete sich verlassen können, um ihren hohen Energiebedarf abzudecken“, so Jamschek weiter.
Die Zusammenarbeit mündet aktuell in einem großskaligen Projekt im österreichischen Sölden. Nach einem Pilotprojekt im Jahr 2023 entsteht dort derzeit eine 6,3-MWp-Anlage mit rund 800 Helioplant-Strukturen auf 2.850 bis 3.000 Metern Höhe. Nach der geplanten Fertigstellung im zweiten Halbjahr 2026 soll die Anlage etwa 28 GWh Strom pro Jahr erzeugen und rund ein Drittel des Energiebedarfs von drei Skigebieten decken, darunter Seilbahnen, Gastronomie und Beschneiungsanlagen.
Patrick Janak, Head of C&I DACH bei Solaredge, sieht darin einen Türöffner für einen bislang kaum erschlossenen Markt: „Durch die Kombination der innovativen bifazialen Strukturen von Helioplant mit unserer Technologie schaffen wir eine überlegene Wirtschaftlichkeit. Mit herkömmlichen PV-Systemen wäre das schlichtweg nicht möglich.“
Quelle: IWR Online
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