11.05.2026, 14:14 Uhr

NeuConnect erreicht nächsten Meilenstein – Erste direkte Stromverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien nimmt Gestalt an


© NeuConnect

Wilhelmshaven / London - Der Ausbau grenzüberschreitender Stromverbindungen in Europa gewinnt mit dem weiteren Zusammenwachsen der europäischen Strommärkte und der Integration erneuerbarer Energien zunehmend an Bedeutung. Mit dem deutsch-britischen Interkonnektor NeuConnect entsteht derzeit die erste direkte Stromverbindung zwischen Deutschland und Großbritannien – eines der größten Energieinfrastrukturprojekte Europas.

Nun hat das Vorhaben einen weiteren wichtigen Meilenstein erreicht: Alle Transformatoren für die Konverterstationen in Deutschland und Großbritannien wurden erfolgreich angeliefert. Damit tritt das 2,8-Milliarden-Euro-Projekt eines internationalen privaten Investorenkonsortiums in eine entscheidende Bauphase ein.

Großtransformatoren: Schlüsseltechnologie für die „unsichtbare Energieautobahn“

Die insgesamt 14 Großtransformatoren wurden vom Energietechnikkonzern Siemens Energy

gefertigt und sind zentrale Komponenten der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ). Sie stehen jeweils an den Endpunkten der Stromverbindung in den Konverterstationen und wandeln Wechselstrom in Gleichstrom beziehungsweise Gleichstrom wieder in Wechselstrom um. Gleichzeitig passen sie die Spannungsebene zwischen Stromnetz und Übertragungsleitung an und ermöglichen so den bidirektionalen Stromtransport zwischen Deutschland und Großbritannien.

Jeder Transformator ist rund sieben Meter lang, fünf Meter hoch und wiegt mehr als 200 Tonnen. Transportiert wurden die Anlagen per Binnenschiff von Nürnberg über den Rhein nach Rotterdam und anschließend weiter nach Wilhelmshaven sowie zur britischen Isle of Grain an der Themsemündung.

NeuConnect-CEO Arnaud Grévoz bezeichnete die Lieferung der Transformatoren als wichtige logistische und technische Etappe beim Bau des Interkonnektors. Die Konverterstationen nähmen sichtbar Gestalt an, während die Kabelverlegung auf See und an Land planmäßig voranschreite.

Fortschritte an Land und auf See - Arbeiten im Zeiplan

Parallel zur Anlieferung der Transformatoren laufen die Bauarbeiten an beiden Konverterstationen auf Hochtouren. Die Gebäude in Fedderwarden bei Wilhelmshaven sowie auf der Isle of Grain haben inzwischen ihre endgültige Höhe von rund 24 Metern erreicht. Die Fassadenarbeiten laufen bereits.

Auch die Kabelverlegung kommt voran. Das Spezialschiff „Leonardo da Vinci“ von Prysmian Group

hat die Arbeiten in britischen Gewässern abgeschlossen und setzt die Verlegung der insgesamt rund 725 Kilometer langen Unterseekabel derzeit in niederländischen Gewässern fort. Auf deutscher Seite stehen die Arbeiten zwischen Nordseeküste und Konverterstation kurz vor dem Abschluss.

Nach Angaben der Projektgesellschaft wurden bislang bereits mehr als 300 Kilometer Unterseekabel installiert.

NeuConnect soll Strommärkte enger verbinden

NeuConnect wird ab 2028 erstmals die Strommärkte Deutschlands und Großbritanniens direkt miteinander koppeln. Die Leitung mit einer Übertragungskapazität von 1,4 Gigawatt kann Strom flexibel in beide Richtungen transportieren und rechnerisch bis zu 1,5 Millionen Haushalte versorgen.

Das Projekt gilt als wichtiger Baustein für die europäische Energieintegration und die Einbindung erneuerbarer Energien. Durch den verbesserten Stromhandel sollen Versorgungssicherheit und Netzstabilität in beiden Ländern gestärkt werden.

Finanziert wird das Projekt von einem internationalen Investorenkonsortium um Meridiam, Allianz Capital Partners, Kansai Electric Power und TEPCO Power Grid.

Deutschland: Neue Stromverbindungen mit 11,4 GW Leistung bis 2028 in Betrieb

In den nächsten zwei Jahren gehen in Deutschland nach den Planungen neue Gleichstromverbindungen mit 11,4 GW (11.400 MW) in Betrieb. Dazu zählen A-Nord (2 GW), Ultranet (2 GW), SuedLink (4 GW) und SuedostLink (2 GW) sowie NeuConnect (1,4 GW).

Die Nord-Südverbindungen mit 10 GW Leistung werden rd. 6 Jahre nach den ursprünglichen Planungen fertiggestellt. Der ursprüngliche Netzentwicklungsplan NEP 2012 sah nach dem gesetzlich festgeschriebenen Atomausstieg im Jahr 2011 als Ziel-Fertigstellung für die großen Überlandleitungen das Jahr 2022 vor, zeitgleich mit der Abschaltung der letzten Atomkraftwerke.

Maßgeblich ausgelöst wurde die Neuplanung durch den 2015 von Horst Seehofer (CSU) vorangetriebenen Erdkabel-Vorrang für die großen Nord-Süd-Stromautobahnen. Die politische Entscheidung gegen Freileitungen führte zu milliardenschweren Mehrkosten (u.a. Redispatch-Kosten) und erheblichen Verzögerungen beim Netzausbau.

Die neuen HGÜ-Stromverbindungen sorgen schon bald für Milliardenentlastungen in Deutschland. Bislang mussten insbesondere Windenergieanlagen im Norden regelmäßig abgeregelt werden, obwohl der Strom an der Börse per Auktionszuschlag bereits vermarktet war. Grund sind nicht ausreichende Transportkapazitäten in Richtung Süden. Mit den neuen HGÜ-Stromleitungen entspannt sich diese Situation ab 2028 deutlich.

Bild: Trassenverlauf zentraler Netzausbauvorhaben in Deutschland © IWR/BNetzA

Quelle: IWR Online

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