08.07.2026, 16:17 Uhr

Windkraft-Zubau in Deutschland zieht durch Offshore-Comeback im ersten Halbjahr 2026 deutlich an – Photovoltaik-Neuinstallationen rückläufig


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Münster – Der Ausbau der Windenergie in Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich angezogen, während bei der Photovoltaik weniger neue Anlagen ans Netz gehen. Grund für das Windwachstum ist vor allem der wiederbelebte Offshore-Ausbau. Das zeigen aktuelle Daten aus dem Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur (BNetzA).

Im Wind-Bereich wurden von Januar bis Juni 2026 insgesamt 508 neue Anlagen mit 3.416,9 MW installiert (Vorjahr: 414 Anlagen, 2.212,4 MW) – ein Plus von rund 54,5 Prozent bei der Leistung. Bei der Photovoltaik gingen dagegen 386.254 neue Anlagen mit 7.409,5 MW ans Netz, nach 481.050 Anlagen mit 7.830,0 MW im Vorjahreszeitraum.

Offshore-Windausbau nimmt wieder Fahrt auf

Den größten Wachstumsimpuls liefert der Offshore-Bereich: Während im ersten Halbjahr 2025 keine neuen Offshore-Windkraftanlagen ans Netz gegangen sind, wurden von Januar bis Juni 2026 bereits 83 Offshore-Turbinen mit einer Leistung von 1.062,2 MW in den Windparks Borkum Riffgrund 3 und EnBW He Dreiht neu in Betrieb genommen. Der Sprung von null auf über 1.000 MW zeigt, dass die zuvor genehmigten Offshore-Windparks nun sukzessive in Betrieb gehen. Anders als an Land, wo einzelne Windturbinen vergleichsweise schnell errichtet werden können, erfolgt der Zubau auf See wegen der langen Planungs- und Bauzeit der Projekte eher in größeren Schüben als kontinuierlich über das Jahr verteilt.

Im Bereich Onshore-Windenergie fällt der bundesweite Zuwachs mit 425 Anlagen und 2.354,7 MW moderater aus (Vorjahr: 414 Anlagen, 2.212,4 MW). Gleichzeitig stieg der Rückbau auf 410,9 MW beziehungsweise 280 Anlagen (Vorjahr: 355,6 MW, 237 Anlagen). Der Nettozubau sank dadurch von 177 auf 141 Turbinen, während die Nettoleistung von 1.856,7 MW auf 1.940,7 MW zunahm. In diesen Zahlen spiegelt sich die wachsende Bedeutung des Repowerings wider, bei dem kleinere Bestands-Windturbinen durch weniger, aber leistungsstärkere Neuanlagen ersetzt werden.

Regional führen Nordrhein-Westfalen (540,6 MW), Niedersachsen (515,9 MW) und Schleswig-Holstein (349,9 MW) beim Bruttozubau und stehen zusammen für rund 60 Prozent der neu installierten Leistung. Deutlich zugelegt haben Baden-Württemberg (168,7 MW nach 53,6 MW) und Mecklenburg-Vorpommern (208,4 MW nach 56,5 MW). Rückläufig war der Zubau dagegen in Brandenburg (139,6 MW nach 244,1 MW), Sachsen-Anhalt (76,8 MW nach 146,6 MW) und Thüringen (6,0 MW nach 23,4 MW). Besonders ausgeprägt zeigt sich die Entwicklung in Sachsen-Anhalt, wo der Rückbau zu einem negativen Saldo von -50,8 MW führte (Vorjahr: +114,9 MW) – dort wurde also mehr Windleistung abgebaut als neu installiert.

Photovoltaik-Zubau lässt nach

Bei der Photovoltaik ist im Vergleich zur Windenergie ein gegenläufiger Trend erkennbar. Die Zahl neu installierter Anlagen sank von 481.050 im ersten Halbjahr 2025 auf 386.254 im gleichen Zeitraum 2026, die neu installierte Leistung ging von 7.830,0 MW auf 7.409,5 MW zurück. Der Rückgang betrifft sowohl die Anlagenzahl als auch die installierte Leistung und hängt unter anderem mit einem nachlassenden Zubau kleinerer Dachanlagen im Zuge der politischen Diskussion um die künftige Streichung der EEG-Vergütung für Kleinanlagen zusammen. Unter Berücksichtigung des Rückbaus von 83,6 MW im ersten Halbjahr 2026 verbleibt ein Saldo von 7.325,9 MW (1. HJ 2025: Rückbau: 47,3 MW, Saldo 7.782,7 MW).

Auf Ebene der Bundesländer liegt Bayern mit 1.600,9 MW weiterhin an der Spitze, vor Nordrhein-Westfalen (865,8 MW) und Baden-Württemberg (831,8 MW). Alle drei Länder verzeichnen jedoch spürbare Rückgänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Bayern: rund -23,3 Prozent, Baden-Württemberg: rund -23,6 Prozent, Nordrhein-Westfalen: rund -16,5 Prozent). Gegenläufig entwickeln sich mehrere ost- und norddeutsche Flächenländer: Brandenburg (798,2 MW, +92,9 Prozent), Schleswig-Holstein (603,7 MW, +87,4 Prozent) und Sachsen-Anhalt (438,9 MW, +37,9 Prozent) verzeichnen trotz sinkender Anlagenzahl ein deutliches Leistungsplus – ein Hinweis darauf, dass größere Freiflächenanlagen dort einen wachsenden Anteil am Zubau haben, während kleinere Dachanlagen bundesweit rückläufig sind.

Ausblick: Wind und Solar bestimmen weiter den Erneuerbaren-Ausbau

Unter dem Strich liegt der gemeinsame Saldo aus Wind und Solar im ersten Halbjahr 2026 bei rund 10.328,7 MW und damit über dem Vorjahreswert von 9.639,4 MW – ein Plus von gut 7,2 Prozent. Der stärkere Windenergie-Zubau, insbesondere durch die Inbetriebnahme von Anlagen in den Offshore-Windparks Borkum Riffgrund 3 und EnBW He Dreiht, gleicht den schwächeren Photovoltaik-Ausbau damit derzeit aus.

Hinweis: Die Daten basieren auf einer IWR-Auswertung der Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur (Datenstand bis: 30.06.2026, Letzte Aktualisierung: 08.07.2026). Die Daten sind vorläufig und stellen wegen der Dynamik lediglich eine Momentaufnahme dar. Grund dafür ist, dass es zu zahlreichen Nach- und Ummeldungen sowie Korrekturen (auch rückwirkend) in den Statistiken kommt. Die Unschärfen führen jedoch nicht zu Änderungen an den Trendaussagen.

Quelle: IWR Online

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