Schnellladen an Autobahnen: Bund erwartet private Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe - Ladeinfrastruktur wächst

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Berlin - Der Bund will zusätzliche Flächen an unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen für privat finanzierte Pkw-Schnellladeparks bereitstellen. Die Ausschreibung soll im Frühjahr 2027 beginnen, das Bundesverkehrsministerium erwartet Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe.
Der Ausbau der Schnellladeinfrastruktur an deutschen Autobahnen wird bislang unter anderem über das staatlich finanzierte Deutschlandnetz vorangetrieben. Mit der neuen Initiative setzt der Bund bei zusätzlichen Ladestandorten auf eigenwirtschaftliche Investitionen privater Unternehmen. Parallel dazu wächst die Ladeinfrastruktur an und nahe den Bundesfernstraßen deutlich, wie Daten von Agora Verkehrswende zeigen.
Neue Autobahn-Ladestandorte: Betreiber sollen eigenwirtschaftlich investieren
Das Bundesverkehrsministerium (BMV) und die Autobahn GmbH des Bundes wollen zusätzliche Flächen an unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen im Wettbewerb vergeben. Anders als beim staatlich finanzierten Deutschlandnetz sollen private Unternehmen die neuen Schnellladeparks auf eigene Rechnung errichten und betreiben.
Die Betreiber sollen im Rahmen eines wettbewerblichen Vergabeverfahrens selbst über Umfang und Ausstattung der Ladeinfrastruktur entscheiden. Nach Angaben des Ministeriums sollen dabei eine angemessene Qualität und transparente Preise für die Nutzer sichergestellt werden.
Vor der für Frühjahr 2027 geplanten Ausschreibung will die Autobahn GmbH eine Marktkonsultation durchführen. Wie viele Standorte und Ladepunkte ausgeschrieben werden sollen, ist bislang nicht bekannt. Auch ein Zeitplan für die Inbetriebnahme liegt noch nicht vor. Die vom Ministerium erwarteten Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe sind damit zunächst eine Zielgröße und keine bereits zugesagten Mittel.
Deutschlandnetz: 100 Autobahn-Schnellladeparks eröffnet - weitere Standorte folgen
Die geplanten privat finanzierten Ladestandorte sollen den bisherigen Ausbau des Deutschlandnetzes an unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen ergänzen. Im Rahmen des staatlich finanzierten Deutschlandnetzes sollen bundesweit rund 9.000 Schnellladepunkte an mehr als 1.000 Standorten entstehen. Davon sind rund 1.000 Ladepunkte an 200 unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen vorgesehen. Bewirtschaftete Autobahn-Raststätten gehören nicht zum Deutschlandnetz. Für den Aufbau des gesamten Programms stellt der Bund rund 2,3 Milliarden Euro bereit.
Ende September 2026 wurde an der unbewirtschafteten Rastanlage Räthisgraben an der A81 in Baden-Württemberg der 100. Autobahn-Schnellladepark des Deutschlandnetzes eröffnet. Damit ist die Hälfte der insgesamt 200 geplanten Deutschlandnetz-Standorte an unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen in Betrieb. Ursprünglich war vorgesehen, die rund 1.000 Schnellladepunkte an den unbewirtschafteten Rastanlagen bis Ende 2026 zu errichten.
Langfristig sollen entlang der deutschen Autobahnen insgesamt rund 4.000 Schnellladepunkte entstehen. An bewirtschafteten Autobahn-Raststätten gibt es bereits Ladeinfrastruktur. Für den weiteren Ausbau von Schnellladeparks sind jedoch wettbewerbliche Vergabeverfahren erforderlich. Das Oberlandesgericht Düsseldorf entschied im März 2026, dass bestehende Raststättenkonzessionen nicht ohne Ausschreibung um den Betrieb zusätzlicher Schnellladeinfrastruktur erweitert werden dürfen.
Schnelllademarkt: Ladeleistung an und nahe Bundesfernstraßen steigt kräftig
Nach dem Verkehrswende-Radar von Agora Verkehrswende stieg die installierte Ladeleistung auf Rastplätzen an Bundesfernstraßen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 43,5 Prozent auf rund 300 MW. An Standorten nahe Bundesfernstraßen nahm sie um 31,5 Prozent auf rund 2.600 MW zu. Das Angebot an und in der Nähe von Bundesfernstraßen ist laut Agora insbesondere auf Autohöfen gewachsen.
Auch die Zahl der Ladepunkte legte zu. Auf Rastplätzen an Bundesfernstraßen stieg sie 2025 um 28,4 Prozent auf 2.300, an Standorten nahe Bundesfernstraßen um 33,5 Prozent auf 16.040.
Die Agora-Daten zeigen, dass Ende 2025 deutlich mehr Ladeleistung an Standorten nahe den Bundesfernstraßen installiert war als direkt auf Rastplätzen. Die neue Flächenvergabe setzt dagegen direkt an unbewirtschafteten Autobahn-Rastanlagen an. Ob sich dort zusätzliche Schnellladeparks ohne staatliche Finanzierung wirtschaftlich betreiben lassen, wird sich erst im Vergabeverfahren und beim anschließenden Ausbau zeigen.
Quelle: IWR Online
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