24.11.2014, 14:35 Uhr

Gabriel will jetzt doch bei Kohlekraftwerken einsparen

Berlin – Wie am Wochenende bekannt geworden ist, wird Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel in Sachen Kohlekraftwerke nun doch nachgeben, wenn auch nur indirekt. Ein passendes Szenario vom DIW liegt auch schon vor. IWR Online hat es sich genauer angeschaut.

Nach Informationen des Spiegels und von Reuters will Sigmar Gabriel (SPD) den CO2-Ausstoß der fossilen Kraftwerke um 22 Mio. Tonnen reduzieren. Von 2016 bis 2020 sollen jährlich per Gesetz mindestens 4,4 Mio. Tonnen eingespart werden. Das "Wie" bleibt demnach aber den Energiekonzernen überlassen.

Gespräch mit Betreibern

Schließen will Minister Gabriel die Kohlekraftwerke weiterhin nicht. Das sollen die Betreiber von Kohlekraftwerken nun selber tun. Durch ein Gesetz, dass die Betreiber zur Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen motiviert, sollen die Kohlekraftwerke von ganz alleine geschlossen werden. Wie die Minderungen der CO2-Emissionen ablaufen soll, können die Unternehmen den Medienberichten zufolge selbst festlegen. Sie können die Einsparungen auf einzelne Anlagen konzentrieren, sie gleichmäßig verteilen oder zwischen Kraftwerken übertragen. Wirtschaftsminister Gabriel trifft sich dazu heute mit den Vertretern von RWE, E.ON, Vattenfall, Steag, EnBW und Thüga für ein Gespräch.

Lob für Gabriels Pläne

Die grüne Opposition zeigt sich erfreut über diesen Entschluss: "Es war überfällig, dass er die Kohledreckschleudern anpackt", erklärte die Grünen-Umweltexpertin Annalena Baerbock in Berlin nun zu den neuen Plänen Gabriels. Jetzt müssten allerdings Taten folgen. Baerbock wies auch darauf hin, eine Emissionsminderung um 22 Millionen Tonnen reiche nicht aus, um die Klimaziele zu erfüllen. Grundsätzlich positiv äußerte sich auch der Umweltverband Greenpeace, forderte aber ebenfalls weitergehende Schritte. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) unterstützt Gabriel ausdrücklich. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt BEE-Geschäftsführer Dr. Hermann Falk. „Gerade die ältesten und ineffizientesten Kohlemeiler stoßen nicht nur am meisten CO2 aus, sie passen auch am schlechtesten zu der neuen Energiewelt, weil sie in ihrer Stromerzeugung am unflexibelsten sind.“

DIW rechnet Szenarien durch

Die Abschaltung der Kohlekraftwerke war in den letzten Tagen und Wochen das Energiethema Nummer eins. Neben Umweltverbänden wie Greenpeace und WWF, haben auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und die Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) darauf hingewiesen, dass das Klimaziel für 2020 ohne Abschaltung der Kohlekraftwerke nicht zu erreichen sei. Dabei sollen jedoch nicht alle Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Das DIW hat dazu verschiedene Szenarien der Kraftwerksabschaltung durchgespielt. Kemfert betonte: „Wir haben unterschiedliche Szenarien betrachtet, eines geht davon aus, dass Kraftwerksleistungen in einer Größenordnung von 3 Gigawatt an Steinkohle- und 6 Gigawatt an Braunkohlekapazität aus dem Markt gehen. Die genaue Anzahl an Kraftwerken lässt sich schwer beziffern. Es kann nämlich sein, dass nicht das ganze Kraftwerk, sondern nur sein ältester Teil stillgelegt werden müsste“. Genau diese Entscheidung soll nun den Betreibern überlassen werden.

DIW: Braunkohle-Strom reduzieren

Das DIW hat in Ihrem Wochenbericht 47.2014 ein Szenario dargestellt, bei dem etwa 23 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden könnten. Dabei würden etwa drei Gigawatt Steinkohle und sechs Gigawatt Braunkohle an Kapazität wegfallen. Bei der Braunkohle würden dadurch etwa 40 TWh weniger Strom erzeugt. Dies würde durch eine höhere Auslastung der verbliebenen Steinkohlekraftwerke (+13 TWh) und mehr Erdgasverstromung (+26 TWh) kompensiert. Durch die Reduktion der Braunkohleverstromung würden dort 46 Mio. Tonnen CO2 eingespart. Die Emissionen der Steinkohle würden um elf Mio. steigen und durch die Erdgasverstromung kämen nochmals elf Mio. Tonnen CO2 hinzu. Dies ergibt eine effektive Einsparung von 23 Mio. Tonnen CO2. In etwa so viel, wie es die Pläne von Wirtschaftsminister Gabriel vorsehen. Der Großhandelspreis würde in diesem Szenario auf etwa 51 Euro/MWh gegenüber 38 Euro/MWh steigen. Laut DIW würde sich dies jedoch kaum auf die Preise für nicht privilegierte Endverbraucher auswirken, da die steigenden Großhandelspreise gleichzeitig eine Senkung der EEG-Umlage bedeuten würden. „Zudem beinhaltet der Endkundenpreis zahlreiche weitere Bestandteile wie Steuern, Abgaben und Netzentgelte, die den Preisanstieg auf dem Großhandelsmarkt relativieren“, heißt es in dem Wochenbericht.

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