27.10.2026, 16:36 Uhr

Großbatteriespeicher in Alfeld eingeweiht - neues Schwergewicht im deutschen Speichermarkt


© Avacon

Alfeld - Im niedersächsischen Alfeld ist der nach Speicherkapazität größte Einzelspeicher Deutschlands offiziell eingeweiht worden. Die von Scale Alfeld betriebene Anlage kann bei voller Leistung rechnerisch rund zwei Stunden lang Strom ins Netz einspeisen.

Der Ausbau von Batteriespeichern in Deutschland gewinnt deutlich an Dynamik. Mit dem steigenden Anteil von Wind- und Solarstrom wächst der Bedarf an flexiblen Speicherkapazitäten, die Strom zeitversetzt bereitstellen können. Gleichzeitig rücken die Netzanschlusskapazitäten und die netzdienliche Integration großer Speicheranlagen zunehmend in den Mittelpunkt.

Großbatteriespeicher Alfeld: 137,5 MW Leistung und 282 MWh Kapazität

Entwickelt und technisch umgesetzt wurde der Batteriespeicher in Alfeld von Kyon Energy, einer Tochtergesellschaft von TotalEnergies. Betreiber ist die Scale Alfeld GmbH & Co. KG. Hinter dem Projekt steht der dänische Investmentfonds Scale Fund, der 2023 gegründet wurde und nach Unternehmensangaben rund 300 Investoren zählt.

Der Großbatteriespeicher ist an das Hochspannungsnetz der Avacon Netz GmbH angeschlossen. Dazu wurde eigens für den Batteriespeicher ein neues Umspannwerk errichtet, das über eine Rohrsammelschiene mit dem bereits bestehenden Avacon-Umspannwerk Godenau bei Alfeld verbunden ist. Über diese Verbindung kann der Speicher Strom aus dem Netz aufnehmen und wieder einspeisen.

Der Netzanschlussvertrag für den Batteriespeicher wurde im März 2023 abgeschlossen. Im Januar 2026 meldete Projektentwickler Kyon Energy die erfolgreiche Zuschaltung der Anlage an das 110-kV-Netz von Avacon. Laut Marktstammdatenregister ist der Speicher seit dem 1. Juni 2026 in Betrieb. Im Oktober erfolgte die offizielle Einweihung.

Avacon-Geschäftsführer Frank Schwermer sieht in der frühzeitigen Einbindung großer Batteriespeicher in die Netzplanung einen wichtigen Faktor für deren erfolgreiche Integration. Entscheidend seien eine bessere Abstimmung von Stromerzeugung, Verbrauch und Netzausbau sowie technisch tragfähige Anschlusslösungen.

Alfeld führt deutsches Speicherranking nach der Kapazität an

Nach der aktuellen IWR-Auswertung des Marktstammdatenregisters (MaStR) führt Alfeld mit einer Speicherkapazität von 282 MWh das bundesweite Ranking der einzeln erfassten Batteriespeicher an. Auf Rang zwei folgt der Battery Park Metelen in Nordrhein-Westfalen mit 231 MWh. Auch bei der elektrischen Leistung gehört Alfeld zur Spitzengruppe. Mit 137,5 MW liegt die Anlage auf Rang zwei, knapp hinter dem RWE-Batteriespeicher in Hamm mit 140 MW.

Batteriespeicher-Zubau übertrifft Vorjahresniveau - Netzanschlüsse bleiben Herausforderung

Nach einer aktuellen IWR-Auswertung des Marktstammdatenregisters wurden von Januar bis September 2026 in Deutschland insgesamt rund 505.000 Batteriespeicher mit einer Leistung von knapp 4.600 MW neu in Betrieb genommen. Damit liegt der Leistungszubau nach neun Monaten bereits rund 15 Prozent über dem Wert des gesamten Jahres 2025 mit rund 4.000 MW.

Die neu installierte Speicherkapazität erreichte in den ersten neun Monaten 2026 etwa 8,5 GWh und übertraf damit den Kapazitätszubau des gesamten Jahres 2025 um rund 24 Prozent. Die Zahlen umfassen sämtliche Batteriespeichergrößen, von privaten Heimspeichern bis zu industriellen Großbatteriespeichern.

Mit dem Ausbau großer Batteriespeicher gewinnen auch die Netzanschlussbedingungen an Bedeutung. Die Anlagen benötigen Netzkapazitäten sowohl für die Stromaufnahme als auch für die Einspeisung.

Wie groß die Nachfrage nach Netzanschlüssen für Batteriespeicher ist, zeigen Daten der Bundesnetzagentur. Bei den Übertragungsnetzbetreibern gingen allein 2025 insgesamt 383 neue Netzanschlussanträge mit einer beantragten Leistung von rund 167 GW ein. Für 39 dieser Anträge wurde noch im selben Jahr eine Zusage erteilt. Bis Anfang April 2026 erteilten die Übertragungsnetzbetreiber weitere 64 Netzanschlusszusagen mit einer Leistung von 24,7 GW, darunter auch für Anträge aus Vorjahren. Die Zahlen beziehen sich auf die Übertragungsnetzebene, während Alfeld an das regionale Hochspannungsnetz von Avacon angeschlossen ist.

Für die weitere Entwicklung des Großbatteriespeichermarktes ist deshalb nicht allein die Zahl angekündigter Projekte entscheidend. Maßgeblich wird sein, wie viele Anlagen einen Netzanschluss erhalten, tatsächlich realisiert werden und ihre Speicherkapazitäten unter den jeweiligen Netzbedingungen bereitstellen können.

Quelle: IWR Online

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