29.08.2014, 10:12 Uhr

IEA fordert stabilere Politik für erneuerbare Energien

Paris - Um den Ausbau erneuerbarer Energien in den nächsten Jahren nicht zu verlangsamen, sind stabile und langfristige politische Rahmenbedingungen notwendig. Was die gesamte Branche der regenerativen Energien seit langem immer wieder fordert, wird nun auch von der Internationalen Energieagentur (IEA) so gesehen. Die Agentur galt bislang eigentlich als eher zurückhaltend beim Thema Erneuerbare.

IEA-Direktorin Maria van der Hoeven stellte anlässlich der Veröffentlichung des dritten Jahresberichtes der Agentur zu den regenerativen Energiemärkten weltweit fest, dass die politischen und regulatorischen Unsicherheiten zugenommen haben. Nach dem Bericht ist der globale Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien 2013 kräftig auf fast 22 Prozent angestiegen.

Vorhersehbare Renditen für Investoren

Erneuerbare Energien haben einen großen Anteil an einer sicheren Energieversorgung. „Aber gerade dann, wenn sie eine kostengünstige Alternative werden - wie etwa durch die ständig sinkenden Preise aufgrund sinkender Herstellungskosten bei Solar-Modulen - stiegen die politischen und regulatorischen Unsicherheiten in einigen wichtigen Märkten“, sagte Maria van der Hoeven, Direktorin der IEA. “Regierungen müssten klarer zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unterscheiden“. Erneuerbare Energien brauchen ein Marktumfeld, das Investoren vernünftige und vorhersagbare Renditen ermögliche.

EE-Anlagen nicht angeschlossen - Maßnahmen zur notwendigen Netzintegration

In vielen Märkten außerhalb der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) - beispielsweise in China - gebe es zudem technische Hemmnisse, erneuerbare Energien in das Netz zu integrieren. So sind viele On- und Offshore-Windparks schon errichtet, aber nicht in das Stromnetz integrierbar. Das gleiche Problem besteht dem Bericht zufolge aber auch für (zukünftige) deutsche Offshore-Windparks in der Nordsee, falls weiter gegen den Bau notwendiger Stromtrassen demonstriert und die Kosten für selbige als zu hoch erachtet werden. In der EU bestehe nach wie vor Unklarheit über den Ausbau eines gesamteuropäischen Stromnetzes, um die Integration erneuerbarer Energien zu erleichtern.

EE-Strom zieht mit Strom aus Gas-Kraftwerken gleich

Erneuerbare Energien wie Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft haben 2013 fast 22 Prozent des weltweiten Strombedarfs gedeckt. Damit stehen die Regenerativen auf einer Stufe mit der Stromproduktion aus fossilem Gas. Die Agentur erwartet, dass erneuerbare Energien bis 2020 etwa 26 Prozent der weltweiten Stromversorgung leisten könnte. Um das Potential nicht zu gefährden, appelliert die IEA vor allem an die Politik, entsprechende Rahmenbedingungen für den Ausbau erneuerbarer Energien zu schaffen.

Markt für regeneratives Heizen unterentwickelt

Über die Hälfte des weltweiten Primärenergiebedarfs dient der Wärmeerzeugung und wird hauptsächlich durch fossile Brennstoffe gedeckt. Der Beitrag der erneuerbaren Energien zu diesem Markt ist nach wie vor sehr gering. Der Anteil der Erneuerbaren am Wärmemarkt soll bis 2020 auf lediglich neun Prozent steigen (2013: acht Prozent), während er im gesamten Energiemarkt voraussichtlich auf fast 25 Prozent wachsen wird.

Kritik an IEA hinsichtlich EE-Potenziale aus Deutschland

In den vergangenen Jahren wurde die IEA für ihre Zurückhaltung bei den regenerativen Energien wiederholt kritisiert. Auch deutsche Politiker und Verbände hatten bemängelt, dass die mächtige Agentur, die auch über strategische Ölreserven verfügt, die Potenziale der Regenerativen Energiewirtschaft verkenne. Zu den Kritikern gehörte u.a. der Grünen-Politiker Hans-Josef Fell oder der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE).

Auch auf Initiative des inzwischen verstorbenen SPD-Politikers Hermann Scheer ist mit der Gründung der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien (Irena) eine Art Gegenpol zur IEA ins Leben gerufen worden, die sich auf die weltweite Entwicklung der regenerativen Energien konzentriert. Seit Mai 2014 sind 130 Staaten und die Europäische Union Mitglied der Irena, weitere Staaten sind seither hinzugekommen oder planen den Beitritt. Ziel ist die globale Förderung der umfassenden und nachhaltigen Nutzung erneuerbarer Energien.

Weitere Nachrichten und Informationen zu internationalen Themen:

Erneuerbare Energien sorgen weltweit für 6,5 Millionen Jobs


© IWR, 2014