16.07.2014, 15:45 Uhr

Offshore-Windbranche warnt vor Ausbau-Stopp

Husum/Rendsburg – Die Windkraftbranche in Deutschland fordert Landes- und Bundespolitiker auf, stabile und verlässliche Rahmenbedingungen für die Windkraft auf See zu schaffen. Dann könnten deutschlandweit bis zum Jahr 2020 weitere 10.000 Arbeitsplätze in der Zukunftsbranche geschaffen werden.

Im "Rendsburger Appell" gibt die Branche unter Koordination der Netzwerkagentur windcomm schleswig-holstein Empfehlungen an die Politik für eine weitere erfolgreiche Entwicklung. Danach schaffe das novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Investitionssicherheit für höchstens zwei Jahre. Schon 2016 sollten neue Marktregeln in einem überarbeiteten EEG 3.0 festgelegt werden.

Transparente und verlässliche Rahmenbedingungen

Wie die windcomm mitteilt, sind deutschlandweit derzeit rund 20.000 Beschäftigte in der Offshore-Branche aktiv, davon ca. 2.000 in Schleswig-Holstein. 2020 können rund 30.000 Menschen in Deutschland und 3.000 Arbeitnehmer im nördlichsten Bundesland sein. Bedingung: Es muss weiter in die Offshore-Windenergie investiert werden. "Wir wollen, dass die Regeln so ausgestaltet werden, dass mittelständische Unternehmen weiterhin eine Chance am Markt haben und der Ausbau nicht zum Erliegen kommt", sagt windcomm-Projektkoordinator Dr. Matthias Hüppauff. "Dazu müssen die Rahmenbedingungen aber transparent und verlässlich sein", gibt er zu bedenken.

Offshore-Windenergie stärker in den Regelenergiemarkt einbinden

Eine der zentralen Empfehlungen des Rendsburger Appells ist, dass die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für den Strommarkt bis zum Ende dieses Jahres festlegt und die Branche in die Ausgestaltung einbindet. "So weiß jeder, was auf ihn zukommt und kann seine Projektplanungen und Investitionen entsprechend anpassen", erklärt Renate Duggen, Vorstandsvorsitzende von windcomm. Mit Blick auf die Energiewende und die Branche sei auch der Strom aus den Windparks auf See stärker in den Regelenergiemarkt einzubinden. Regelenergie dient dazu, Versorgungslücken in windschwachen und sonnenarmen Zeiten im Stromnetz auszugleichen, und wird bisher überwiegend durch fossile Kraftwerke bereitgestellt. "Mit rund 8.000 Betriebsstunden im Jahr, kontinuierlicher Netzeinspeisung und guten Ertragsprognosen hat die Offshore-Windenergie das Potenzial zum Regelenergie-Lieferanten", sagt Duggen. "Hier müssen langfristig entsprechende Vergütungs- und Anreizstrukturen durch die Bundesregierung geschaffen werden."

Weiterhin feste Einspeisevergütung für Offshore-Windstrom

windcomm-Projektkoordinator Dr. Hüppauff betont außerdem: "Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, die Strompreise für die Verbraucher stabil zu halten. Das funktioniert nur, wenn der Strommarkt neu geordnet wird. Wir empfehlen, die feste Einspeisevergütung für Windstrom auch in der Offshore-Branche noch für eine Übergangszeit weiter zu zahlen, bevor die Vergütungshöhe möglicherweise über Ausschreibungen ermittelt wird." Die Ausschreibungsbedingungen müssen nach Meinung der Branche und windcomm sehr sorgfältig festgelegt und in der Praxis erprobt werden, "damit nicht an Sicherheit oder Qualität gespart und die Projekte auch wirklich realisiert werden."

Die Thesen zum "Rendsburger Appell" sind Anfang Juli während der Offshore-Fachtagung "Offshore Business Meetings and Conference" in mehreren Workshops ausgearbeitet worden.

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Hier finden Sie den "Rendsburger Appell" im Original


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