17.09.2026, 15:36 Uhr

Offshore-Windenergie: 50Hertz vergibt Großauftrag für 2-GW-Offshore-Plattform nach Mecklenburg-Vorpommern


© NSORe

Berlin/Rostock - Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat den Auftrag für die Offshore-Konverterplattform LanWin3 an Neptun Smulders Offshore Renewables (NSORe) in Rostock vergeben. Die Offshore-Plattform mit 2 GW Übertragungsleistung soll in Rostock-Warnemünde und im niederländischen Vlissingen gefertigt werden und künftig Offshore-Windstrom aus der Nordsee für den Transport über das Gleichstromnetz umwandeln.

Die neue Generation der 2-GW-Offshore-Konvertersysteme lässt sich industriell im Wesentlichen in zwei Bereiche unterteilen: die elektrische Konverter- und Hochspannungstechnik sowie die riesigen Offshore-Plattformen, auf denen diese Technik installiert wird. Mit dem zweiten Auftrag an NSORe wird die industrielle Wertschöpfungskette am Standort Deutschland im Bereich dieser Offshore-Plattformen gestärkt.

Offshore-Plattformen: Rostock etabliert sich als Fertigungsstandort für das 2-GW-Offshore-Segment

Bei LanWin3 sollen wesentliche Komponenten der Topside - des Hauptgebäudes der Offshore-Plattform - auf der Neptun Werft in Rostock-Warnemünde gebaut werden. Smulders fertigt die stählerne Unterkonstruktion, das sogenannte Jacket, auf seiner Werft im niederländischen Vlissingen. NSORe ist ein Joint Venture der zum Meyer Werft-Konzern gehörenden Neptun Werft und des belgischen Offshore-Stahlbauunternehmens Smulders.

Mit LanWin3 erhält NSORe bereits den zweiten entsprechenden Großauftrag von 50Hertz. Im Juni hatte der Übertragungsnetzbetreiber den Plattformbau für LanWin6 an NSORe vergeben. Das Auftragsvolumen für den NSORe-Anteil an beiden Offshore-Konverteranlagen beläuft sich zusammen auf rund 2,5 Mrd. Euro. Nach Angaben von 50Hertz soll ein Großteil davon für Produktion und Dienstleistungen in Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt werden.

Der Bau der neuen 2-GW-Offshore-Konverterplattformen erfordert spezialisierte Fertigungskapazitäten. Neben NSORe sind unter anderem Unternehmen wie Seatrium und McDermott in diesem Markt aktiv. McDermott baut für Tennet die Offshore-Plattformen der deutschen 2-GW-Netzanbindungen BalWin4 und LanWin1 auf seinem Fertigungsstandort Batam in Indonesien. Die Topsides dieser Anlagen wiegen jeweils rund 32.000 t, die Jacket-Unterkonstruktionen rund 13.000 t. Seatrium baut ebenfalls Plattformen für Tennets 2-GW-Programm und hat gemeinsam mit GE Vernova unter anderem den Auftrag für das deutsche 2,2-GW-Projekt BalWin5 erhalten.

Elektrische Konvertertechnik: Siemens Energy bleibt Technologiepartner bei LanWin3

Neben der reinen Offshore-Plattform bildet die elektrische Konverter- und Hochspannungstechnik den zweiten zentralen Bereich des 2-GW-Systems. Diese Technik liefert bei LanWin3 weiterhin Siemens Energy. Ursprünglich hatte 50Hertz 2024 Siemens Energy und Dragados Offshore gemeinsam mit dem Konvertersystem beauftragt; die Offshore-Plattform sollte auf einer Dragados-Werft in Südspanien entstehen. Diesen Plattformteil des Auftrags hat 50Hertz nun geändert und an NSORe vergeben. Die elektrische Hochspannungstechnik verbleibt bei Siemens Energy.

Der internationale Markt für die elektrische Technik der neuen 2-GW-Systeme wird ebenfalls von wenigen großen Anbietern bedient. Neben Siemens Energy liefern GE Vernova und Hitachi Energy HGÜ-Konvertertechnik für entsprechende Offshore-Netzanbindungen. Hitachi Energy ist unter anderem Technologiepartner für mehrere 2-GW-Systeme von Tennet und liefert seine HGÜ-Technik aktuell auch für die Projekte Nederwiek3 und LanWin5.

Die Arbeitsteilung zeigt sich damit bei mehreren Projekten ähnlich: Auf den mehrere zehntausend Tonnen schweren Offshore-Plattformen werden die elektrischen Konverter- und Hochspannungssysteme der Technologielieferanten installiert. Bei LanWin3 kommen beide Bereiche zusammen: NSORe baut die Plattform, Siemens Energy liefert die elektrische Hochspannungstechnik.

LanWin3 bringt 2 GW Offshore-Windstrom aus der Nordsee zum Netzknoten Heide in Schlewswig-Holstein

LanWin3 soll den Strom eines Offshore-Windparks mit einer geplanten Leistung von 2.000 MW in der Nordsee (Fläche N-11.1) aufnehmen und zum Netzknoten im Raum Heide transportieren. Die Windparkfläche liegt rund 120 km nordwestlich von Helgoland. Auf der Offshore-Konverterplattform wird der erzeugte Wechselstrom für den verlustarmen Transport über große Entfernungen in Gleichstrom mit einer Spannung von 525 kV umgewandelt. Über rund 200 km Seekabel gelangt der Strom nach Büsum und von dort über rund 15 km Erdkabel zum geplanten Multiterminal-Hub im Raum Heide. Die Fertigstellung von LanWin3 ist nach Angaben von 50Hertz für Ende 2032 vorgesehen.

Bild: Offshore-Netzanbindungssystem, Offshore-Windparkfläche NOR-11-1, LanWin3, See- und Landtrasse © IWR

Am Multiterminal-Hub wird LanWin3 mit dem NordOstLink verbunden, der den Gleichstrom von Schleswig-Holstein weiter in Richtung Mecklenburg-Vorpommern transportiert. Dort wird der Gleichstrom wieder in Wechselstrom umgewandelt und in das Übertragungsnetz eingespeist.

Für den deutschen Industriestandort liegt die Bedeutung des neuen Auftrags vor allem im Plattformbau. Während große Offshore-Konverterplattformen für andere deutsche 2-GW-Netzanbindungen unter anderem in Südostasien gefertigt werden, entstehen bei LanWin3 und LanWin6 wesentliche Komponenten künftig in Rostock-Warnemünde. Von dem NSORe-Auftragsvolumen von zusammen rund 2,5 Mrd. Euro soll nach Angaben von 50Hertz ein Großteil in Produktion und Dienstleistungen in Mecklenburg-Vorpommern fließen.

Quelle: IWR Online

© IWR, 2026