21.11.2013, 09:58 Uhr

Offshore-Windenergie: Bard übergibt an OWS – Alstom errichtet Riesenturbine

Emden / Mannheim – In der Offshore-Windenergie-Branche ist Bewegung. Dies wird anlässlich der EWEA Offshore-Konferenz in Frankfurt deutlich. Zwei aktuelle Nachrichten kommen zudem von der Brad-Gruppe aus Emden sowie vom französischen Energietechnik-Konzern Alstom.

Während Bard den Übergang des Service- und Betriebsführungsbereichs an die Offshore Wind Solutions GmbH (OWS) meldet, hat Alstom in Belgien eine der größten Offshore-Windkraftanlagen installiert, die jemals errichtet wurden.

300 Bard-Mitarbeiter gehen zu OWS

Anfang 2014 sollen der Betrieb und der Service für das Hochseekraftwerk Bard Offshore 1, rund 90 Kilometer vor Borkum, von der OWS durchgeführt werden. Die OWS soll sich außerdem am Windenergiemarkt positionieren und Dienstleistungen für Dritte sowohl offshore als auch onshore erbringen. Die Dienstleistungen sollen sich auf die Bereiche Wartung, Service und Reparaturen, u.a. auch für Rotorblätter, erstrecken. In diesem Zuge wird die OWS rund 300 Bard-Mitarbeitern Arbeitsplätze am Standort Emden anbieten. Sie wird Gebäude, Schiffe und weitere wesentliche Betriebsmittel der Bard-Gruppe übernehmen.

Bard: operative Stilllegung wegen fehlender Aufträge

Die operative Stilllegung der Bard-Gesellschaften erfolgt aufgrund fehlender Folgeaufträge bis Mitte 2014. Daher seien betriebsbedingte Kündigungen gegenüber den verbleibenden rund 250 Mitarbeitern, für die kein Angebot der OWS vorgesehen ist, leider unvermeidlich, teilte das Unternehmen mit. Die entsprechenden Kündigungen werden voraussichtlich Ende Januar 2014 unter Berücksichtigung der individuellen Kündigungsfristen und des Beschäftigungsbedarfs für 2014 ausgesprochen. Allen fest angestellten Mitarbeitern der Bard-Gruppe, denen betriebsbedingt gekündigt werden muss, werden Abfindungen auf der Basis eines vereinbarten Sozialplans angeboten.

Alstom installiert die weltweit größte Offshore-Windkraftanlage

Alstom hat die seeseitige Installation der Haliade™ 150-6 MW, einer Offshore-Windkraftanlage der neuen Generation, im Windpark Belwind vor dem Hafen von Ostende in Belgien abgeschlossen. Dabei handelt es sich um eine der größten Offshore-Windkraftanlagen, die jemals im Meer errichtet wurde. Aufgrund des Rotordurchmessers von 150 Meter (die Rotorblätter sind je 73,5 m lang) soll die Anlage effizienter arbeiten. Nach erfolgreichen Tests an der ersten Haliade™ 150-6 MW, die am Standort Le Carnet (Frankreich) im März 2012 in Betrieb genommen wurde, wird die Neuinstallation dazu beitragen, das Verhalten der Anlage in der Offshore-Umgebung, für die sie speziell konzipiert und entwickelt wurde, zu bestätigen.

Weniger mechanische Bauteile dank Direktantrieb

Die 61 m hohe Gründungsstruktur wurde auf Säulen aufgesetzt, die in eine Tiefe von über 60 Meter versenkt wurden. Anschließend wurden die drei Elemente des 78 m hohen Turms nach und nach auf der Gründungsstruktur errichtet. Die Gondel befindet sich nun in einer Höhe von mehr als 100 m über dem Meeresspiegel. Das Gesamtgewicht der Anlage und ihrer Baustruktur beläuft sich auf 1.500 Tonnen. Diese Windkraftanlage der neuen Generation verfügt über einen Direktantrieb anstelle eines Getriebes. Dank eines Permanentmagnet-Generators befinden sich innerhalb der Anlage weniger mechanische Bauteile, wodurch die Zuverlässigkeit erhöht wird, und die Betriebs- und Wartungskosten reduziert werden.

Neue Fabriken: Alstom treibt Industrialisierungsprozess voran

Mit der Errichtung dieser Windkraftanlage in einer Meerwasserumgebung hat Alstom einen wichtigen Meilenstein im Hinblick auf den Industriealisierungsprozess der 6 MW-Anlage erreicht. Die finale Zertifizierung der Windkraftanlage in Le Carnet sollte in der ersten Jahreshälfte 2014 abgeschlossen sein. Die Errichtung von zwei Fabriken in Saint Nazaire (Gondel und Generator) verläuft gut und wird im Sommer 2014 abgeschlossen sein. Die Errichtung von zwei weiteren Fabriken in Cherbourg (Rotorblätter und Türme) wird folgen.

„Das Projekt Belwind wird uns dabei unterstützen, unsere Technologieführerschaft und unsere Innovationskraft zu bekräftigen. Die Installation unserer Turbine, die einfach, robust und effizient ist, wird dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit von Offshore-Windenergie zu erhöhen“, erklärt Alfonso Faubel, Senior Vice President von Alstom Wind.

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