15.07.2014, 11:02 Uhr

Schweizer diskutieren über Solar-Tarife: Wieviel Qualität darfs sein?

Zürich – In der Schweiz wird derzeit über die weitere Ausgestaltung der Einspeisetarife von Strom aus Photovoltaik-Anlagen diskutiert. Der Schweizer Bundesrat hat einen Vorschlag vorgelegt, der eine Absenkung der Tarife um bis zu 22 Prozent ab dem Jahr 2015 vorsieht. Die Branche schlägt Alarm.

In der Schweiz wird der Solarstrom über die sogenannte Kostendeckende Vergütung (KEV) abgenommen. Ähnlich wie in Deutschland erfolgt die Finanzierung im Rahmen einer Umlage der Stromverbraucher. Seit April 2014 erhalten Betreiber von Kleinanlagen unter zehn Kilowatt (kW) anstelle der Einspeisetarife eine Einmalvergütung. Die Schweizer Regierung hat nun bei der Kalkulation der KEV-Tarife die günstigsten Anlagen mit asiatischen Modulen zugrunde gelegt. Damit ist die Solarbranche in der Schweiz allerdings überhaupt nicht einverstanden.

Tarifabsenkung bis zu acht statt bis 22 Prozent denkbar

Der Bundesrat hat einen neuen Vorschlag für die Energieverordnung, die auch die neuen KEV-Tarife beinhaltet, veröffentlicht. Alle Beteiligten können zu dieser sogenannten Vernehmlassung Stellung beziehen. Dies hat auch der Schweizer Solarverband Swissolar getan. Der Verband vertritt rund 500 Firmen und etwa 10.000 Arbeitsplätze. Swissolar-Geschäftsleiter David Stickelberger erklärte gegenüber IWR Online: "Qualitativ hochwertige Solaranlagen sind nur mit einem fairen Einspeisetarif möglich." Bei den aktuellen Plänen der Regierung sieht der Verband jedenfalls keine fairen Tarife. Swissolar hält eine Absenkung der KEV-Tarife je nach Anlagengröße um 2,5 bis 8 Prozent für denkbar.

Schweizer Solarmarkt droht einzubrechen

Der Solarmarkt in der Schweiz ist noch ein zartes Pflänzchen. Zwar konnte die neuinstallierte Solarleistung im Jahr 2013 um etwa 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausgeweitet werden, doch mit insgesamt 740 Megawatt (MW, Stand Ende 2013) Solarleistung ist der Markt noch immer sehr überschaubar. In Deutschland sind laut Swissolar beispielsweise pro Einwohner 5-mal mehr Solarleistung installiert, in Italien 3-mal mehr. Swissolar befürchtet nun, dass der Photovoltaikmarkt wegen der Pläne einen Einbruch erleben wird. Die Vernehmlassung zur Energieverordnung gebe für die Solarbranche Anlass zu größter Sorge: Nachdem bereits die massive Absenkung der KEV-Tarife und die Verkürzung der Vergütungsdauer von 25 auf 20 Jahre zu Jahresbeginn vom Markt aufgefangen werden musste, drohe nun ein weiterer radikaler Schnitt.

Billigpreispolitik nicht nachvollziehbar

Insbesondere steht die Fokussierung des Bundesrates auf Photovoltaik-Billigprodukte im Solarsektor in der Kritik. In den Vernehmlassungsunterlagen heißt es, man wolle nur noch die günstigsten Anlagen mit asiatischen Modulen unterstützen. Eine solche Dumping-Politik ist aus Sicht von Swissolar höchst problematisch, denn sie fördere den Bau von schlecht funktionierenden Anlagen, die Missachtung von Sicherheitsvorschriften und die Nutzung der beschränkt verfügbaren Dachflächen mit ineffizienten Modulen. Zudem weist der Solarverband darauf hin, dass es in der Schweiz keinen gesetzlichen Auftrag zu einer solchen Billigpreispolitik gebe.

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