13.06.2014, 11:44 Uhr

Seit Fukushima: Deutsche Strompreise sinken um 50 Prozent

Münster - Die Talfahrt der Strompreise in Deutschland hält unvermindert an. Nach der Stilllegung von acht deutschen Atomkraftwerken sind entgegen den meisten Prognosen die Strompreise nicht deutlich gestiegen, sondern um knapp die Hälfte gesunken.

Noch kurz nach dem Reaktorunfall in Fukushima im Jahr 2011 musste an der Strombörse für Grundlaststrom deutlich über 6 Cent pro Kilowattstunde (kWh) bezahlt werden. Für das Lieferjahr 2017 können Großabnehmer und die Industrie heute ihren Strom am Terminmarkt für aktuell nur noch 3,2 Cent pro kWh einkaufen. Das sind die niedrigsten Strompreise seit über 10 Jahren. Zum Vergleich: im Spitzenjahr 2008 musste die Industrie den Strom noch für bis zu 9,5 Cent pro kWh einkaufen.

Verbraucher werden bei der Stromkennzeichnung getäuscht - EEG-Strom kann derzeit nicht gekauft werden

Ein Grund für die niedrigen Strompreise ist der gestiegene Anteil des "grünen" EEG-Stroms in Deutschland. Dieser Strom darf über die Strombörse paradoxerweise aber nicht als Strom aus erneuerbaren Energien, sondern nur unkenntlich als neutraler Graustrom vermarktet bzw. verkauft werden. Vor allem den Stromverbrauchern, die auf ihrer Stromrechnung lesen, aus welchen Quellen der Versorger seinen physischen Strom bezieht, wird ein hoher Anteil an erneuerbaren Energien nur vorgegaukelt. "Die Stromverbraucher werden darüber getäuscht, aus welchen Quellen der physische Strom ihres Stromversorgers tatsächlich stammt, denn der auf der Stromrechnung ausgewiesene grüne EEG-Strom kann als solcher derzeit gar nicht an der Börse eingekauft werden", sagte IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster.

EEG-Strom senkt Kosten für Großabnehmer - Verbraucher zahlen für Senkungseffekt

Ursprünglich war das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) zur Markteinführung erneuerbarer Energien und zum Anschub für den Aufbau einer regenerativen Industrie vorgesehen. Mit den aktuellen Reformplänen geraten diese Ziele immer weiter aus dem Blickwinkel. "Das EEG dient nach den aktuell vorliegenden Reformplänen immer weniger dem Ausbau der erneuerbaren Energien oder dem Aufbau einer regenerativen Industrie in Deutschland. Tatsächlich wird das EEG bzw. der Verkauf des EEG-Stroms an der Börse zur Senkung der Stromkosten für die Großabnehmer sowie der Industrie und damit als wirtschaftspolitisches Instrument zur Standort- und Arbeitsplatzsicherung der deutschen Firmen im internationalen Wettbewerb eingesetzt", so Allnoch weiter.

Weitere Infos und Meldungen zum Thema:

Info-Grafik Entwicklung der Strompreise in Deutschland


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