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02.09.2022, 16:56 Uhr Meldung drucken | Artikel empfehlen

IWR erwartet 10.000 MW neue Wind- und Solarleistung in Deutschland

Münster – Der Ausbau der Wind- und Solarkraftwerke kommt in Deutschland auch im laufenden Jahr weiter voran. Das Internationale Wirtschaftsforum Regenerative Energien (IWR) in Münster erwartet allein für Deutschland im Jahr 2022 neue Wind- und Solaranlagen mit einer Leistung von rd. 10.000 MW. Vor allem die Solarleistung kann deutlich zulegen.

In Deutschland haben die erneuerbaren Energien in den ersten acht Monaten 12,6 Mrd. kWh Strom mehr eingespeist als im Vorjahreszeitraum. Die hohen Strompreise sind dagegen Folge des massiven Ausfalls der französischen Atomkraftwerke seit Ende 2021 in Kombination mit den hohen Gaspreisen.

Deutschland: 10.000 MW neue Wind- und Solarleistung im Jahr 2022
Ende 2021 waren in Deutschland nach den Daten des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur (BNetzA) Windkraftanlagen mit einer Leistung von 63.726 MW und Solaranlagen mit einer Leistung von 60.189 MW (Stand: 28.08.2022) in Betrieb. Nach einer aktuellen IWR-Prognose werden Wind- und Solaranlagen mit 10.000 MW im laufenden Jahr errichtet, davon entfallen auf den Photovoltaik-Zubau rd. 8.000 MW und auf die Windenergie rd. 2.000 MW. Das zusätzliche jährliche Stromerzeugungs-Potenzial durch diesen Neubau steigt damit um weitere 12 Mrd. kWh Ökostrom.

„Die Marktdynamik ist im Solarsektor dieses Jahr am höchsten, die Windbranche zieht jedoch auch wegen des Neustarts der Offshore-Windenergie langsam nach“, so IWR-Direktor Dr. Norbert Allnoch in Münster. Gleichwohl kann die Schlagzahl beim Ausbau noch deutlich erhöht werden. Allnoch: “Es hat nun etwas über 10 Jahre gedauert, bis der Photovoltaik-Jahreszubau nach der politischen Abschaltung der deutschen Solarindustrie wieder an das bisherige Rekordjahr aus dem Jahr 2012 anknüpfen kann.“

IWR: Kein Strommangel in Deutschland erkennbar
Ein Strommangel im Jahr 2022 ist in Deutschland nicht erkennbar, so das IWR. Von Januar bis August 2022 sind allein 158,8 Mrd. kWh (2021: 146,2 Mrd. kWh) und damit 12,6 Mrd. kWh bzw. 8,6 % mehr Ökostrom in das deutsche Stromnetz eingespeist worden als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus einer IWR-Auswertung von Daten der europäischen Netzbetreiber (ENTSO-E) hervor. Die gesamte Stromeinspeisung konventioneller und regenerativer Anlagen in das Stromnetz beläuft sich aktuell in Summe von Jan bis heute (02.09.2022) auf 330 Mrd. kWh (Vorjahres-Vergleichszeitraum: 322,8 Mrd. kWh).

Hohe Strompreise: Massiver Stromausfall in Frankreich und hohe Gaspreise
Schon seit Weihnachten 2021 klettern die Strompreise an den Börsen in bisher ungeahnte Höhen. Grund war Ende 2021 zunächst der unverhoffte Ausfall mehrerer Atomkraftwerke durch Korrosionsschäden in Frankreich, der für hohe Preise und auch in Deutschland zu einer Pleitewelle von Stromanbietern führte. Die technischen und wartungsbedingten Probleme der Atomkraftwerksflotte in Frankreich sind noch nicht behoben, im Gegenteil. So hat der französische Stromversorger EDF die Prognose für den Atomstrom 2022 mehrfach nach unten geschraubt, zuletzt auf das untere Ende der Bandbreit von 280 – 300 Mrd. kWh.

Die französische Atomstromproduktion erreichte im Jahr 2021 rd. 360 Mrd. kWh, d.h. im Jahr 2022 fehlen in Frankreich rd. 80 Mrd. kWh, die durch Importe aus den Nachbarländern mit abgedeckt werden müssen. Die fehlende Atomstrommenge überschreitet damit beispielsweise die Jahres-Stromerzeugung Finnlands (2021: 69 Mrd. kWh) deutlich.
„Die explodierenden Strompreise 2022 sind nicht auf fehlenden Strom in Deutschland zurückzuführen, sondern sind Folge teurer Gaskraftwerke in Kombination mit einem preistreibenden Strommangel in Frankreich, da hier derzeit 32 der insgesamt 56 Atomkraftwerke abgeschaltet sind“, so Allnoch.

Quelle: IWR Online
© IWR, 2022


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