19.05.2014, 17:47 Uhr

Indien nach der Wahl: Kommt jetzt die Energiewende mit Modi?

Münster – Die größte Demokratie der Erde hat gewählt: Indiens Bevölkerung will einen Machtwechsel. Wahlsieger ist Narendra Modi von der rechtskonservativen, hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP). Da Modi zuvor im Bundesstaat Gujarat sehr erfolgreich die Elektrifizierung und dabei den Ausbau regenerativer Energien vorangetrieben hat, hofft die Branche in Indien nun auch auf eine Initialzündung für die nationale Energiepolitik. An der Börse legen regenerative Aktien schon mal kräftig zu.

Die insgesamt rund 850 Millionen wahlberechtigten Inder haben für einen Regierungswechsel votiert. Die bisher regierende Kongresspartei erzielte ein historisch schlechtes Ergebnis. Die von Modi und seiner Partei angeführte Koalition National Democratic Alliance (NDA) vereint etwa 52 Prozent der Sitze auf sich. Im Wahlkampf hat Modi von einer sauberen Energie-Revolution gesprochen. Suzlon-Chef Tulsi Tanti zeigte sich bereits hoffnungsvoll.

Suzlon-Chef erwartet tiefgreifende Reformen

Modi war seit 2001 "Chief-Minister" des westindischen Bundesstaates Gujarat und hat dort auch Erfolge beim Infrastruktur-Ausbau erzielt. Inzwischen gibt es Gujarat eine dauerhafte Stromversorgung, was für indische Verhältnisse bemerkenswert ist, denn nicht einmal in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi ist das Stromnetz stabil. Der Chef des indischen Windenergieanlagen-Herstellers Suzlon, Tulsi Tanti, hat nach der Wahl mit den Erwartungen an eine neue Regierung unter Modi nicht hinter dem Berg gehalten. Wie Bloomberg berichtet, erklärte Tanti, dass grundlegende Reformen kommen werden. Modi habe bereits in Gujarat umfangreiche Förderprogramme für große Solarprojekte ins Leben gerufen. Eine BJP-geführte Regierung werde laut Tanti ein Umfeld für Wachstum und Investitionen schaffen. Die Suzlon-Aktie steigt heute im Frankfurter Handel bereits um bis zu 30 Prozent.

Wahlprogram: Schub für Erneuerbare und Solar-Mission

Im Wahlkampfprogramm von Modi heißt es in Sachen Energie: Mehr erzeugen, sparsam einsetzen und weniger verschwenden. Dabei werden aber zunächst fast alle Erzeugungsarten genannt. Die Potenziale von Öl, Gas, Wasserkraft, Meeresenergie, Windenergie, Kohle und Atomenergie sollen maximiert werden. Die Solarenergie wird extra genannt: Die nationale Solar-Mission soll ausgebaut und gestärkt werden. Den regenerativen Energiequellen soll ein Schub gegeben werden, damit diese zu einem bedeutenden Teil in Indiens Energiemix werden, heißt es im Programm von Modis Partei.

Indien hinkt bei Erneuerbaren noch hinterher

Indien hat in Sachen erneuerbare Energien noch erhebliches Potenzial. Bei der Windenergie ist Ende März 2014 ein Stand von gut 21.000 Megawatt (MW) erreicht worden. Zum Vergleich: In Deutschland sind inzwischen Windenergieanlagen an Land und auf See mit einer Leistung von ca. 34.000 MW am Netz, in China sind es inzwischen etwa 92.000 MW. Auch bei der Solarenergie verfügt Indien mit einer bislang installierten Gesamtleistung von etwa 2.650 MW noch erhebliche Potenziale. In Deutschland wurden alleine im Jahr 2013 trotz Markteinbruch rund 3.500 MW neu installiert.

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