13.06.2012, 15:16 Uhr

Solarwatt AG insolvent - Chinesen übernehmen Scheuten-Fabriken in Gelsenkirchen

Dresden / Gelsenkirchen / Essen - Während in München die Intersolar Europe gestartet ist und die Firmen der Branche dort ihre neuesten Innovationen präsentieren, hat die Dresdener Solarwatt AG einen Insolvenzantrag gestellt. Zudem wurde Scheuten Solar in Gelsenkirchen, das bereits Ende Februar einen Insolvenzantrag gestellt hatte, an den chinesischen Solarzellen-Produzenten Aiko Solar verkauft.

Solarwatt: Insolvenzantrag und Schutzschirmverfahren

Das Amtsgericht Dresden hat dem Antrag der Solarwatt AG auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung nach dem Insolvenzrecht stattgegeben. Rechtsanwalt Rainer M. Bähr von der Kanzlei Hermann Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater wurde zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Der Vorstand der Solarwatt AG strebt nun gemeinsam mit dem Restrukturierungsexperten Andreas Ziegenhagen, Partner der Wirtschaftskanzlei Salans LLP, in Zusammenarbeit mit Bähr die Sanierung des Unternehmens in Eigenverwaltung an. Der Antragstellung vorausgegangen waren intensive Gespräche des Solarwatt-Vorstands mit den Kapitalgebern, um ein bereits erstelltes Sanierungskonzept zur Unterstützung der Wachstumsstrategie im Systembereich umzusetzen. Da diese Gespräche aufgrund unterschiedlicher Auffassungen der Aktionäre über die Bedingungen der notwendigen Kapitalmaßnahmen nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten, war trotz unveränderter Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft aufgrund der nicht zu realisierenden Kapitalmaßnahmen von einer negativen Fortführungsprognose und damit einer Überschuldung im insolvenzrechtlichen Sinne auszugehen.

Schutzschirmverfahren: Vorstand leitet das Unternehmen weiter

Im Vergleich mit einem Insolvenzverfahren weist das Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung wesentliche Unterschiede auf. Ein wichtiger Unterschied besteht darin, dass der Vorstand das Unternehmen weiterhin verantwortlich lenkt und ihm ein Sachwalter zur Seite gestellt wird, der das Verfahren aus der Perspektive des Gläubigerschutzes begleitet. Darüber hinaus bietet das Schutzschirmverfahren die Möglichkeit, die Verfahrensdauer im Vergleich zur Regelinsolvenz erheblich zu verkürzen.


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