24.06.2013, 14:57 Uhr

Stromnetze in Deutschland schaffen Energiewende

Bonn – Die Bundesnetzagentur wird ihren aktuellen Bericht zur Situation des deutschen Stromnetzes in dieser Woche veröffentlichen und sieht dabei laut Medienberichten eine Entspannung der Situation im Vergleich zum Vorjahr. Nur vereinzelt kam demnach es zu Problemen im Netzbetrieb, die eines Eingriffs bedurften. Kritisch war die Lage nur, als ein Überangebot erneuerbarer Energien im Norden der Bundesrepublik mit einhergehendem Unterangebot von Energien im Süden des Landes zu einem Ungleichgewicht führte, wodurch das Netz übermäßig beansprucht wurde. Die Bundesnetzagentur wollte die Informationen allerdings nicht bestätigen und verweist auf weitere Informationen, die im Laufe der Woche bekanntgegeben werden sollen. Allgemein sieht die Bundesnetzagentur den Ausbau des Stromnetzes als wichtigste Maßnahme zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit, auch vor dem Hintergrund des schrittweisen Atomausstiegs.

Höhere Netzstabilität durch Ausbau des Stromnetzes

Der Bericht der Bundesnetzagentur nennt den Berichten zufolge vor allem zwei Hauptfaktoren, die die Stromflüsse von Norden nach Süden regeln und damit das Netz zwischen Anfang Oktober 2012 und Ende März 2013 entlasten konnten. Der erste Faktor war der Umbau des Generators am Kernkraftwerk Biblis A in Hessen zu einem Phasenschieber, welcher nun eine gezielte Steuerung von elektrischen Hochspannungsnetzen mit parallel verlaufenden Leitungen erlaubt. Dr. Klaus Kleinekorte, Technischer Geschäftsführer des Netzbetreibers Amprion sagte hierzu: „Der Phasenschieber erleichtert es uns, die Systemsicherheit im Netz auch in schwierigen Netz-Situationen aufrecht zu erhalten.“ Der zweite Faktor zur Verbesserung der Netzsituation ist demnach die Inbetriebnahme der 380 Kilovolt-Leitung zwischen Hamburg und Schwerin im Dezember 2012. Netzbetreiber 50hertz nennt die Leitung eine „Windsammelmaschine“, welche den an der Küste erzeugten Strom aus Windkraft in Regionen mit hohem Stromverbrauch im Landesinneren transportiert. Allerdings ist diese Trasse bereits seit langem in Bau gewesen und nicht erst mit der Energiewende geplant worden.

Gefahr durch Ungleichgewicht zwischen Nord und Süd

Negative Einflüsse auf die Netzstabilität hatte laut Bundesnetzagentur die teilweise Stilllegung des Kraftwerks Staudinger in der Rhein-Main Region durch das Regierungspräsidium Darmstadt aus Gründen des Immissionsschutzes. Von den insgesamt fünf Blöcken wurden zwei Ende 2012 und einer Ende April 2013 stillgelegt (Blöcke 1 – 3), wobei zwei Blöcke (Block 4, Erdgas, 622 Megawatt (MW), Produktion von Spitzenlaststrom und Block 5, Steinkohle, 510 MW, Produktion von Grundlaststrom) weiter laufen. Hinzu kommt, dass der Betreiber E.ON die Planungen zum Bau eines sechsten Blocks Ende 2012 abgebrochen hat und keine Erweiterung vorgenommen wird. Die Bundesnetzagentur kritisierte die Stilllegungen, die aus ihrer Sicht die Systemsicherheit gefährden, da aufgrund des Atommoratoriums alle konventionellen Kraftwerke in Süddeutschland zum Ausgleich des Stromnetzes und zur Entlastung der Nord-Süd-Leitungen benötigt werden.

Erschwerte Planung der Energieversorgung

Weitere Probleme sieht die Bundesnetzagentur in den Abweichungen der Bilanzkreise, in der die Einspeisungen der Stromlieferanten mit den Entnahmen der Stromkunden auseinanderdriften. Ein hoher Anteil wetterabhängiger erneuerbarer Energien kann bei einer falschen Wetterprognose zu einer falschen Leistungsprognose führen.

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