05.12.2013, 14:21 Uhr

Sturmtief „Xaver“ treibt Windstrom-Erzeugung in Deutschland auf Rekordniveau

Münster – Das angekündigte Sturmtief „Xaver“ sorgt am Donnerstag vor allem in der Nordhälfte Deutschlands für extreme Windgeschwindigkeiten. Das zeigt sich auch in einer steigenden Windstrom-Produktion und in der Folge in günstigen Börsen-Strompreisen.

An der Küste werden laut Deutscher Wetterdienst (DWD) stürmische Böen (Stärke 8) aus westlichen Richtungen erwartet. Ab dem späten Vormittag sollen Orkanböen an der Nordseeküste, an der nordfriesischen Nordseeküste teils extreme Orkanböen mit einer Geschwindigkeit von über 140 km/h wehen. Mit orkanartigen Böen wird auch in der nördlichen Mitte Deutschlands gerechnet. Der bisherige Windenergierekord könnte geknackt werden.

Windstrom-Rekordmarke vom 28. Oktober 2013 kann übertroffen werden

Am Morgen hat die tatsächliche Windstrom-Erzeugung die Planwerte bereits übertroffen. Nach den Daten der EEX war für 8:00 Uhr mit einer Windenergie-Leistung von etwa 14.800 Megawatt (MW) gerechnet worden. Tatsächlich waren dann um diese Zeit deutschlandweit Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt knapp 17.700 MW am Netz und haben Strom geliefert. Die Prognose lag also um 2.900 MW oder um etwa 20 Prozent unter dem tatsächlichen Wert. Nach den Prognosedaten soll die Windenergieleistung aber im Tagesverlauf weiter steigen. Der Höchstwert wird in der Nacht zu Freitag zwischen 23: und 24 Uhr bei rund 23.400 MW erwartet. Ob die Windstromerzeugung Am Freitag weiter ansteigt, ist nicht bekannt, da die veröffentlichte Prognoses-Reihe um Mitternacht endet. Der erwartete Höchstwert von 23.400 MW ist zwar noch weniger als beim bisherigen Rekord von Ende Oktober, als das Strumtief „Christian“ für eine Windenergieleistung in Höhe von 24.700 MW gesorgt hatte. Wenn jedoch die Prognose auch weiterhin deutlich hinter den Istwerten zurückbleibt, könnte die bisherige Rekordmarke fallen.

Billiger Strom: Windenergie drückt Börsenstrompreis in Deutschland - Strom in Frankreich doppelt so teuer

Auch an der Strombörse macht sich der starke Wind bemerkbar. Da dieser Windstrom aus Deutschland im Rahmen des vom Gesetzgeber vorgegebenen Vermarktungs-Mechanismus am Spotmarkt der Strombörse verkauft wird, drückt die hohe Angebotsmenge den Preis. Bereits am Mittwoch bildete sich im Day-ahead-Handel der EPEX Spot für den deutschen Markt ein Preis von 3,43 Cent/Kilowattstunde (kWh). Unterdessen war der Preis in Frankreich auf rund 7,5 Cent/kWh angestiegen und damit mehr als doppelt so hoch wie der deutsche Preis. Auch im Intraday-Handel für den Donnerstag bildeten sich in Deutschland Preise zwischen 2,0 und 5,2 Cent/kWh. Zum Vergleich: In Frankreich reicht die Spanne von 3,75 und 9,23 Cent/kWh. Generell sorgen Wind- und Solarenergie schon seit mehreren Jahren für günstige Preise an der Strombörse. Da der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vergütete Strom in Deutschland über die Börse vermarktet wird, führt das hohe Angebot hierzulande zu deutlich geringeren Preisen als z.B. in Frankreich.

Warum nur wenige Verbraucher von den sinkenden Börsen-Strompreisen profitieren

Die sinkenden Börsen-Strompreise führen zu niedrigen Einkaufspreisen für die Stromversorger, insbesondere für die Stadtwerke. Allerdings können Verbraucher von den niedrgen Börsen-Strompreisen nur dann profitieren, wenn ihr Stadtwerk den billigen Börsenstrom auch einkauft. Zahlreiche Stromversorger kaufen aber noch immer keinen billigen Börsenstrom. Stattdessen haben sie einen risikolosen Vollversorgungsvertrag mit einem der großen Erzeuger-Vorlieferanten zu fixen Strompreisen abgeschlossen. Diese Stadtwerke können von fallenden Börsen-Strompreisen und den niedrigen Einkaufspreisen nicht profitieren.

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