04.08.2016, 11:12 Uhr

Atommüll-Endlagersuche kann beginnen

Berlin/Köln/Münster – Die Bundesregierung hat die Mannschaft für die Atommüll-Endlagersuche aufgestellt. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hat die Personalentscheidungen im Rahmen der Neuorganisation im Endlagerbereich bekanntgegeben. Die Suche kann nun beginnen.

Das zur Neuorganisation im Endlagerbereich zugehörige Gesetz ist am 30. Juli 2016 in Kraft getreten. Bei diesem Gesetz geht es grundsätzlich darum, die Organisationen und Behörden so zu strukturieren, dass künftige Aufgaben wie die Standortsuche für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle erfolgreich realisiert werden können. Hendricks berief unter anderem Wolfram König zum neuen Präsidenten des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE).

König, Heinen-Esser, Seeba und Lennartz werden berufen – neue Bundesgesellschaft

Die Suche nach einem Atommüllendlager gilt als eine schwierigsten Aufgaben im Bereich der Energiepolitik. Neben gesellschaftlichen Problemen ist das Projekt von einer extremen Langfristigkeit sowie von hohen Kosten geprägt. Die Atommüllbehälter müssen für eine Million Jahre sicher verstaut werden. Die Politik peilt derzeit an, die Suchkriterien bis Herbst 2016 in beiden Kammern des Parlaments festzulegen. In 15 Jahren soll die Standortsuche für ein Atommüllendlager abgeschlossen sein. 2050 soll das Endlager fertig sein. Nun steht zumindest das Team für die organisatorische Abwicklung der Suche.

Wolfram König ist der gegenwärtige Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS). Unter seine Schirmherrschaft fallen u.a. die Endlagerprojekte Asse und Gorleben. Königs Erfahrungen und Empfehlungen waren von großer Bedeutung für die Neuorganisation im Endlagerbereich und die Ernennung zum BfE-Präsidenten. Unter diese Neuordnung fallen auch weitere personelle Entscheidungen. Zum einen wurde Ursula Heinen-Esser (CDU), ehemalige Staatsekretärin im Landwirtschafts-, bzw. Umweltministerium (2007-2013), zur Geschäftsführerin der neugegründeten Bundesgesellschaft für Endlagerung GmbH (BGE) ernannt. Zum anderen wurden Dr. Ewold Seeba und Prof. Dr. Albert Lennartz von der Umweltministerin zu weiteren Geschäftsführern der BGE berufen.

Mit der Neuorganisation im Endlagerbereich verfolge man das Ziel der Gewährleistung einer eindeutigen Zuordnung von Zuständigkeiten und einer effizienten Aufgabenteilung. Alle Betriebsführungsaufgaben werden in der neugegründeten, bundeseigenen privatrechtlichen Gesellschaft, der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), zusammengeführt. Auf behördlicher Seite sollen die staatlichen Genehmigungs- und Aufsichtsaufgaben des Bundes in den Bereichen Endlagerung, Zwischenlagerung und der Transporte von radioaktiven Abfällen im Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) konzentriert werden.

Endlager-Suche: Aufgabe der Superlative mit gesellschaftlicher Brisanz

Während in Japan die Atomkraftwerke (AKW) wieder angefahren werden und in England über den Bau des AKWs Hinkley Point C diskutiert wird, ist man hierzulande auf der Suche nach einem Endlager für den Atommüll. Noch ist nicht klar, in welchem Untergrund dies erfolgen soll, derzeit sind vor allem Salz, Ton oder Granit im Gespräch. Die finanziellen Ausmaße der Endlagersuche sind ebenfalls enorm. Die Energieriesen müssen zusammen 23 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds zur Finanzierung eines Zwischen- und Endlagers übertragen. Experten hegen zudem Zweifel am ambitionierten Zeitplan für dieses Projekt: Die angepeilten 15 Jahre für die Suche seien eine optimistische Einschätzung, so Atomexperte Prof. Armin Grunwald vom Karlsruhe Institut für Technologie. Die Regierung würde davon ausgehen, dass bei einem solch brisanten Thema keinerlei Klagen o.ä. dazwischen kämen, so Grundwald. Klagen von Bürgerseite sollen nach den Vorstellungen der Bundesregierung vor allem auch durch eine umfassende Öffentlichkeitsbeteiligung vermieden werden.

Quelle: IWR Online

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