24.01.2019, 11:24 Uhr

Niedersachsens Energieminister fordert Sonderbeitrag Offshore jetzt

Hannover, Münster - Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) will bis Ende Juni 2019 den Flächenentwicklungsplan (FEP) für Offshore-Windenergie vorlegen. Der bisherige Entwurf des FEP ist für Niedersachsens Energieminister Olaf Lies unzureichend, er fordert Nachbesserungen.

Nach dem aktuellen Ausbaustand der Windenergie wird das ursprüngliche Ziel zum Ausbau der Offshore-Windenergie auf 7.700 Megawatt (MW) bis 2020 voraussichtlich erreicht. Angesichts der Klimaschutzziele und des industriewirtschaftlichen Potenzials der Offshore-Windindustrie reicht dieser Beitrag für die Branche und Klima jedoch nicht aus.

FEP für Nord- und Ostsee soll bis zum 30. Juni verabschiedet werden

Im Jahr 2018 hat das BSH den Vorentwurf des Flächenentwicklungsplans (FEP) für den Bereich der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Nord- und Ostsee veröffentlicht. Im FEP werden für die Anlagen, die nach 2026 errichtet werden, die Flächen für Offshore-Windparks im Bereich der deutschen AWZ der Nord- und Ostsee sowie die zugehörigen Offshore-Anbindungsleitungen festgelegt. Er definiert, wie und wann diese Flächen an das landseitige Stromnetz angebunden werden. Der Plan dient als Grundlage für einen koordinierten Ausbau der Windenergie mit den Anbindungssystemen. Der FEP, der den, soll bis zum 30. Juni 2019 verabschiedet werden.

Vorschlag von Peter Altmaier für Sonderbeitrag muss jetzt kommen

Niedersachsens Energieminister Olaf Lies kritisiert den aktuellen Planungsstand des BSH und fordert mit Blick auf die Entwicklung der Offshore-Industrie und die Klimaschutzziele des Bundes die Aufnahme eines zusätzlichen Sonderbeitrages Offshore-Windenergie. „Der uns bekannte Entwurf zum Flächenentwicklungsplan berücksichtigt lediglich den gegenwärtigen gesetzlichen Ausbaupfad für die Offshore-Windenergie. Das ist bekanntermaßen zu wenig“, warnt Lies. Benötigt werde jetzt zügig eine verbindliche Festlegung für den Offshore-Sonderbeitrag. Dann könnten die zusätzlichen Mengen Meereswindstrom im Flächenentwicklungsplan und bei den Ausschreibungen berücksichtigt werden. Das Thema brenne, der Bundeswirtschaftsminister wäre gut beraten, jetzt endlich einen Vorschlag vorzulegen. Die Ergebnisse der Ausschreibungen in 2018 belegten, dass die Offshore-Windenergie am günstigsten von allen Erneuerbaren Energien grünen Strom liefert, so Lies an die Adresse von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. „Unsere Offshore-Industrie darf jetzt weltweit den Anschluss nicht verpassen – und auch unsere ambitionierten Klimaschutzziele sollten wir nicht aus den Augen verlieren“, ergänzte Lies.

Auch Branchenvertreter fordern Anhebung der Ausbauziele

Auch die Branchenverbände haben unter Verweis auf die bedeutende Rolle der Offshore-Windenergie im Rahmen der Energiewende anlässlich der Veröffentlichung der Marktzahlen des deutschen Offshore-Marktes in dieser Woche ihre Forderung nach einer Anhebung der Offshore-Ausbauziele wiederholt. Die aktuellen politischen Rahmenbedingungen bremsten die weitere positive Entwicklung der Offshore-Windenergie in Deutschland aus. Um ihren Beitrag zur Erreichung der Ziele des Koalitionsvertrages zu leisten, benötige die Offshore-Branche einen Ausbau auf mindestens 20 Gigawatt (GW) bis 2030 und mindestens 30 GW bis 2035. Die energiepolitische Agenda 2019 biete die Chance, in diesem Jahr zukunftsgerichtete Entscheidungen zu treffen und die fehlenden Aussagen zu Offshore-Wind im Energiesammelgesetz zu vervollständigen, so die Verbandsvertrete.

Offshore-Ausbau verliert 2018 an Dynamik

Bereits 2018 zeigte sich beim nationalen Offshore-Ausbau im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Markt-Dynamik. Insgesamt wurden 2018 in Deutschland nach den vorgelegten Zahlen der Branchenverbände etwa 140 Offshore-WEA mit einer Leistung von rd. 970 MW neu ans Netz angeschlossen. Im Vergleich zum Vorjahr 2018 entspricht das einem Rückgang von etwa 20 Prozent (2017: rd. 1.250 MW). Insgesamt sind in Deutschland jetzt insgesamt etwa 1.300 Offshore-WEA mit einer Gesamtkapazität von mehr als 6.350 MW am Netz. Mit den Projekten, die sich derzeit in der Pipeline befinden, wird der gesetzlich mögliche Zubau von 7.700 MW bis 2020 voraussichtlich wie geplant erreicht.

Quelle: IWR Online

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