28.03.2019, 12:24 Uhr

Power-to-Gas: Methanisierung in Falkenhagen geht in Betrieb

Düsseldorf – Im brandenburgischen Falkenhagen haben die Projektpartner des Forschungsprojektes Store & Go die technische Machbarkeit des Power-to-Gas-Prozesses einschließlich Methanisierung demonstriert. Jetzt soll der Prozess weiter optimiert werden.

Die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien führt zu einer steigenden Nachfrage nach Flexibilität im Stromversorgungssystem bzw. einem verstärkten Einsatz von Stromspeichern. Eine wichtige Funktion kann dabei die Power-to-Gas (PtG)-Technologie übernehmen, die immer häufiger eingesetzt wird.

Power-to-Gas-Anlage speist synthetisches Methan ins Erdgasnetz ein

Bisher wurde von der Power-to-Gas-Anlage in Falkenhagen in Brandenburg im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts Store & Go reiner Wasserstoff ins Erdgasnetz eingespeist. Nachdem die Anlage im Mai 2018 mit einer Methanisierungsstufe erweitert wurde, wird nun seit kurzem Methan in Form von synthetischem Erdgas (Methan, SNG) ins Erdgasnetz eingespeist. Inzwischen produziert die Anlage pro Tag bis zu 1.400 Kubikmeter Methan, was in etwa einer Energiemenge von 14.500 kWh entspricht. Mit dieser Energiemenge könnten 200 CNG-Fahrzeuge der Golfklasse etwa 150 km pro Tag fahren. Die Methanisierung ist für den Dauerbetrieb ausgelegt und erzielt nach Angaben der Projektpartner konstant eine sehr hohe Einspeisequalität. Zur Erzeugung des grünen Methans wird der regenerativ erzeugte Wasserstoff mit CO2 aus einer Bio-Ethanol-Anlage zu synthetischem Erdgas umgewandelt. Die beim Prozess entstehende Wärme wird außerdem von einem benachbarten Furnierwerk genutzt.

Damit konnten die Partner des Store & Go-Projektes die technische Machbarkeit des Power-to-Gas-Prozesses von der Elektrolyse über die Methanisierung bis zur Einspeisung von „grünem“ Gas in das Erdgasnetz demonstrieren. In den kommenden Monaten sollen weitere Arbeiten zum Test und zur Optimierung der Technologie durchgeführt und Betriebserfahrungen gesammelt werden.

Projektfokus: Herstellung erneuerbarer Gase durch Methanisierung

Im Projekt Store & Go arbeiten 27 Partner aus sechs Ländern zusammen, um die Möglichkeiten der Integration von Power-to-Gas-Anwendungen in das europäische Energienetz zu untersuchen und vor allem die Methanisierung von Wasserstoff als wichtigen Bestandteil einer integrierten Energiewende voranzutreiben. Im Rahmen des Projekts werden drei unterschiedliche Power-to-Gas-Konzepte in Deutschland (E.ON-Anlage in Falkenhagen), der Schweiz (Solothurn) und Italien (Puglia) demonstriert und um begleitende Forschungsaktivitäten zu technologischen, ökonomischen und rechtlichen Fragestellungen ergänzt. Auf deutscher Seite gehören u.a. Uniper, thyssenkrupp Industrial Solutions, die DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des KIT und das Teilinstitut Chemische Energieträger – Brennstofftechnologie des Engler-Bunte-Instituts am KIT zu den Projektpartnern.

Über die Power-to-Gas (PtG)-Technologie

Die Power-to-Gas (PtG)-Technologie wandelt Strom in den gasförmigen Energieträger Wasserstoff (PtH2) oder gegebenenfalls in einem weiteren Verfahrensschritt in Methan (PtCH4) um. Mit geeigneten Syntheseprozessen können daraus auch flüssige Kraftstoffe entstehen (Power-to-Liquid, PtL). Bei Verwendung erneuerbaren Stroms sind auch die resultierenden chemischen Energieträger praktisch emissionsfrei. Diese lassen sich leicht und effizient speichern. Die Technologie bietet so eine vielversprechende Option für die längerfristige Energiespeicherung und ermöglicht es, den Strom-, Gas- und Transportsektor untereinander zu verbinden. Aufgrund der Bandbreite möglicher synthetischer Energieträger spricht man auch von Power-to-X (PtX) -Technologien. Allen gemein ist im ersten Schritt die Erzeugung von Wasserstoff aus (erneuerbarem) Strom über die Elektrolyse von Wasser.

Quelle: IWR Online

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