18.04.2019, 09:24 Uhr

Daimler: Brennstoffzellen-Antrieb feiert 25. Geburtstag

Stuttgart - Vor 25 Jahren hat die Zukunft des Brennstoffzellen-Autos mit einer Überraschung begonnen. Daimler Benz stellte das Forschungsfahrzeug NECAR mit Elektroantrieb und Brennstoffzelle vor.

Es war das Jahr 1994, als die damalige Daimler-Benz AG das Forschungsfahrzeug NECAR mit Elektroantrieb und Brennstoffzelle vorstellte. Die Bezeichnung steht für „New Electric Car“. Von den heute erzielbaren Reichweiten auf kleinstem Raum ist man damals noch meilenweit entfernt. Seit dem 13. November 2018 bietet Daimler mit dem Mercedes-Benz GLC F-CELL den ersten Brennstoffzellen-Plug-in-Hybrid der Welt mit einer Reichweite von über 450 km auf dem Markt an.

Daimler Brennstoffzellen-Auto 1994: gelungene Überraschung

Die Überraschung ist perfekt, als die damalige Daimler-Benz AG am 13. April 1994 die internationale Presse nach Ulm einlädt. Doch zur Verblüffung der Journalisten wird ihnen nicht das kurz zuvor erweiterte Forschungszentrum vorgestellt, sondern ein innovatives Fahrzeug mit unter Alltagsbedingungen arbeitenden Brennstoffzellen zur Energieumwandlung. NECAR, „New Electric Car“, heißt das Forschungsfahrzeug auf Basis des Mercedes-Benz Transporters MB 100. Zu dem Zeitpunkt hat es bereits mehrere Tausend Kilometer auf dem Tachometer, denn es fährt schon seit Dezember 1993 störungsfrei auf Deutschlands Straßen. Später wird es NECAR 1 genannt, um es von den folgenden Fahrzeugen des Projekts zu unterscheiden.

Brennstoffzellen-Entwicklung: Von NECAR 1 bis NECAR 5 - Technik immer kleiner

NECAR 1 ist der Startpunkt der Brennstoffzellen-Entwicklung in Fahrzeugen, die nächsten Schritt aber folgen relativ schnell. 1996 wird das NECAR 2 (45 kW / 61 PS, 110 km/h, Reichweite 250 km) auf Basis der V-Klasse vorgestellt. Das Brennstoffzellenkraftwerk befindet sich unter der kurzen Haube, die Wasserstofftanks sind auf dem Dach installiert, sodass die sechs Sitzplätze den Passagieren gehören. 1997 fährt das NECAR 3 auf Basis der A-Klasse (45 kW / 61 PS, 120 km/h, Reichweite 400 km). Es wird mit Methanol betankt, den Wasserstoff erzeugt erstmals ein Reformer an Bord.

NECAR 4 (55 kW / 75 PS, 145 km/h, Reichweite 450 km) auf Basis einer A-Klasse bietet 1999 Platz für fünf Personen samt Gepäck. Der nun flüssige Wasserstoff befindet sich im Heck in einem zylindrischen Tank, der noch mehr nutzbaren Raum für die Passagiere ermöglicht. NECAR 4a („a“ steht für „advanced“) vollzieht einen entscheidenden Schritt zur Serienreife: ausgestattet mit noch leistungsfähigerer Technik und drei Druckwasserstofftanks im Heck, dient es ab 2000 der Praxiserprobung in Kalifornien, wo bis 2003 intensive Feld- und Fahrversuche unter Alltagsbedingungen mit insgesamt 15 Fahrzeugen absolviert werden. Im Jahr 2000 präsentiert Mercedes-Benz das NECAR 5 (55 kW / 75 PS, 145 km/h, Reichweite 400 km).

Kleinserie mit Brennstoffzellen-Antrieb ab 2010 mit der Mercedes-Benz B-Klasse

In (Klein-)Serie geht der Brennstoffzellenantrieb schließlich 2010. Die unter Serienbedingungen produzierte Mercedes-Benz B-Klasse F-CELL (100 kW / 136 PS, 170 km/h, Reichweite 385 km) ist seither auf dem europäischen und amerikanischen Markt bei Kunden im Alltagseinsatz. 2011 präsentiert Mercedes-Benz das Forschungsfahrzeug F 125! als Höhepunkt zum 125-jährigen Automobiljubiläum. Herzstück des Antriebs ist eine besonders leistungsstarke Weiterentwicklung des Brennstoffzellenantriebs von Mercedes-Benz in Kombination mit der Plug-in-Hybrid-Technologie. Die Gesamtreichweite dieses Elektro-Hybridsystems mit 200 kW (272 PS) beträgt 1.100 Kilometer, davon können rund 200 Kilometer mit der leistungsfähigen und kompakten Hochvoltbatterie gefahren werden und rund 900 Kilometer mit dem Strom aus der Brennstoffzelle. Eindrucksvoll ist die Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h.

Alltagstaugliches Brennstoffzellen-Fahrzeug seit November 2018 auf dem Markt

Die neueste Technologie in einer Hybridausführung hat Daimler mit dem Mercedes-Benz GLC F-CELL (155 kW/211 PS) seit dem 13. November 2018 auf dem Markt. Allein mit dem Wasserstoff kommt das Auto über 400 Kilometer weit. Zusätzlich ermöglicht die Batterie ein Reichweitenplus von 50 Kilometern.

Quelle: IWR Online

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