03.09.2019, 16:37 Uhr

PV-Ausbaudeckel behindert erfolgreiche Klimapolitik

Berlin - Nach geltender Gesetzeslage greift beim Ausbau der Photovoltaik in Deutschland voraussichtlich 2020 der im EEG 2012 verankerte 52 GW-Ausbaudeckel. Vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele der Bundesregierung fordert der Forschungsverbund Erneuerbare Energien (FVEE) kurzfristig eine Anschlusslösung.

Im Unterschied zur Windenergie läuft es 2019 bislang beim Ausbau der Photovoltaik in Deutschland rund. Doch damit könnte es im nächsten Jahr vorbei sein, wenn der im EEG von 2012 implementierte 52 GW-PV-Ausbaudeckel erreicht wird. Damit droht der Branche 2020 auf nationaler Ebene eine empfindliche Vollbremsung, die einem Ausbau wie er vor dem Hintergrund der Klimaschutzziele des Bundes eigentlich erforderlich ist, entgegensteht. Der Forschungsverbund Erneuerbare Energien setzt auf eine schnelle Lösung.

Klimaschutzziele der Bundesregierung erfordern starken Wind- und Solarausbau

Nach den Plänen der Bundesregierung soll der Anteil Erneuerbarer Energien bis 2030 bei 65 Prozent des Bruttostromverbrauchs liegen. In Studien zur Transformation des deutschen Energiesystems haben die Mitgliedseinrichtungen des Forschungs-Verbunds Erneuerbare Energien (FVEE) nach Angaben der Forschungskooperation nachgewiesen, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung nur mit einem konsequenten Ausbau von Windenergie und Photovoltaik zu erreichen sind. Je nachdem, welches Szenario dabei zugrunde gelegt wird, werden bis 2050 etwa 120 bis zu 500 GW an installierter PV-Leistung benötigt, um den Energiebedarf in den unterschiedlichen Sektoren überwiegend aus erneuerbaren Energieträgern zu decken. Bei einem mittleren Ausbauziel von 300 GW bis 2050 müssten demnach im Mittel jährlich etwa 9 GW zugebaut werden.

Preisdegression bei PV-Systemen macht PV-Deckel obsolet

Der 52 GW-PV-Ausbaudeckel, der beim aktuellen Ausbautempo etwa Anfang 2020 erreicht wird, läuft dem Ausbaubedarf derzeit diametral entgegen, warnt der FVEE. Ohne eine rechtzeitige Anschlussregelung sei eine Verunsicherung von Investoren, Industrie und Solarhandwerk und damit eine Stagnation bei der PV zu erwarten. Die Ergebnisse von Modellrechnungen deuteten darauf hin, dass der jährliche Bruttozubau außerhalb des Ausschreibungssystems (v.a. Dachanlagen) nach dem Erreichen des 52 GW-Deckels auf eine Größenordnung von rund 1 GW pro Jahr absinkt. Zudem reduziere der PV-Deckel die Partizipation der Bürger an der Energiewende. Doch gerade die Photovoltaik-Dachanlagen hätten eine große Akzeptanz.

Dabei besteht aus ökonomischer Sicht angesichts der Preisdegression von PV-Systemen in den letzten Jahren keine Berechtigung mehr für eine Deckelung. Durch das monatliche Absinken der Einspeisevergütung entsprechend §49 EEG werde die Vergütung von neu installierten Anlagen ab den 2020er Jahren die Strompreise kaum noch beeinflussen, so der FVEE. In den letzten 10 Jahren sind die Systempreise für schlüsselfertige Photovoltaik-Anlagen um 75 Prozent gesunken. Bei einer Lernrate von 15 Prozent werden die Stromgestehungskosten ab 2030 unter 4,7 (Dachanlagen) beziehungsweise 2,41 € Cent pro Kilowattstunde (Freiflächenanlagen) fallen. Sogar kleine Dachanlagen werden Strom dann günstiger erzeugen, als neue Steinkohle- oder Gas-und Dampf-Kraftwerke, so der Forschungsverbund. Bis 2030 werden PV-Dachanlagen aber weiterhin eine ordnungspolitische Flankierung durch das EEG benötigen, damit der für den Klimaschutz notwendige Ausbau realisiert werden kann: Strom, der nicht lokal verbraucht werden kann, muss ins Netz eingespeist und vergütet werden.

Potenziale für gebäudeintegrierte PV-Anlagen in EEG berücksichtigen

Über den weiteren Zubau von Dach-PV-Anlagen hinaus sieht der FVEE auch den Bedarf, die Integration von Solarmodulen in die bebaute Umwelt stärker voranzutreiben. Das diene nicht nur dem Klimaschutz, sondern biete auch eine Chance für eine Renaissance der deutschen und europäischen Photovoltaik-Branche. Um Planungssicherheit für Entwickler, Industrie und Anwender zu gewährleisten, sollten bei der Neugestaltung des EEG daher die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen für den Markthochlauf dieser Technologien für die flächenneutrale PV geschaffen werden.

Quelle: IWR Online

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